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Erfolgsprinzip Netzwerken

Wie die Nervenzellen das Gehirn zu Höchstleistungen antreiben

Zugegeben, moderne Netzwerker haben für das Erreichen ihrer Ziele keine Millionen Jahre Zeit. Die Evolution hatte - und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Der Sitz der Seele oder: Wie funktioniert das Gehirn?

Anatomisch gesehen besteht das Gehirn - vereinfacht dargestellt - aus dem Vorderhirn mit Großhirn und Zwischenhirn und dem Hirnstamm mit Mittel-, Hinter- und Nachhirn sowie dem Kleinhirn.

Den einzelnen Hirnarealen können bestimmte Funktionen bei der Informationsverarbeitung zugeordnet werden: Bewusste Vorgänge wie Denken und Sprechen werden vom Großhirn gesteuert. Das Zwischenhirn fungiert als Schaltstelle zwischen Großhirn und Hirnstamm. Der Hirnstamm verarbeitet u.a. eingehende Sinneseindrücke. Das Kleinhirn ist für das Gleichgewicht und die Koordination der Bewegungen zuständig.

Doch diese Zuordnungen bieten keine hinreichende Erklärung für ein System, das Sitz der Seele und des Bewusstseins ist und das sämtliche Lebensfunktionen steuert. Was also macht die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns aus? Woher kommt die Fähigkeit, sich auf immer neue Situationen einzustellen, Neues mit Bekanntem zu verknüpfen, daraus zu lernen und flexibel zu reagieren?

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Gemeinsam stark - Neuronen organisieren sich

Vernetzung lautet des Rätsels Lösung. An höheren Prozessen wie der Bewertung und Speicherung von Informationen, der Entwicklung von Gefühlen oder der Ausbildung von Persönlichkeitsmerkmalen sind mehrere Hirnregionen beteiligt. Über neuronale Netze, die sich über ihre Kontaktstellen (Synapsen) ständig neu formieren, kommunizieren im Gehirn 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) über 100 Billionen Kontakte und etwa eine Million Kilometer Leitungsbahnen. Das befähigt das Gehirn, jenseits bekannter Verhaltensmuster zu agieren und sich stets auf neue Situationen und Anforderungen einzustellen.

Aus eins mach drei

Drei solcher Netzwerke, die unterschiedliche Funktionen erfüllen - quasi drei einzelne Gehirne - besitzt der Mensch:

Das "Reptiliengehirn", bestehend aus Stammhirn und Teilen des Zwischenhirns, ist evolutionsgeschichtlich der älteste Teil unseres Gehirns. Folgerichtig ist es der Sitz archaischer, tradierter Verhaltensweisen, die der Selbst- und Arterhaltung dienen. Hier werden die Instinkte, Reflexe und Triebe produziert. So sorgt das Reptiliengehirn beispielsweise dafür, dass wir regelmäßig atmen und reflexartig husten, wenn wir eine Fischgräte verschlucken. Es überwacht grundlegende Funktionen, die unser Überleben sichern. Wenn der Organismus Nahrung braucht, wird von hier aus angestoßen, dass wir Hunger bekommen und essen. Bei Gefahr reagieren wir - gesteuert durch das Reptiliengehirn - instinktiv. So schließen wir zum Beispiel die Augen bei zu hellem Licht oder wenn ein Insekt auf uns zufliegt.

Das "Limbische System" ist unser emotionales Zentrum. Zu ihm gehören Teile des Groß-, Zwischen- und Mittelhirns - darunter auch der Thalamus, das sogenannte "Tor zum Bewusstsein", der als Schaltstelle Erregungen aus den Sinnesorganen an das Großhirn weiterleitet. Für das Gedächtnis hat das Limbische System eine entscheidende Bedeutung, denn hier werden zunächst alle eingehenden Informationen emotional bewertet, und hier wird entschieden, welche Informationen im Gedächtnis gespeichert werden. So werden zum Beispiel gefährliche, ungefährliche, angenehme, unangenehme, erfreuliche oder unerfreuliche Reize erfasst und mit einer anderen Aktivierung weitergeleitet als emotionsarme Reize. Dies macht sich mitunter recht deutlich bemerkbar, wenn wir aus nur einer einzigen Erfahrung heraus im Kindesalter lernen, dass der Herd heiß sein kann. Sehr viel angenehmer ist es, wenn wir im Laufe des Lebens die Chance nutzen lernen, das Gehirn bei seiner Arbeit zu unterstützen, indem wir versuchen, Informationen mit einem kleinen emotionalen Reiz zu versehen. Dann können unsere grauen Zellen solche Informationen besser nutzen.

Eine herausragende Rolle spielt das Großhirn, das unentbehrlich ist für alle höheren Prozesse wie Denken, Lernen und Sprechen. Es macht 80% unseres Hirnvolumens aus und ist, evolutionsgeschichtlich betrachtet, neben dem Kleinhirn eine der jüngeren Hirnregionen. Hier sitzen Wahrnehmung und Bewusstsein, Denken, Fühlen und Handeln mit all ihrer Komplexität - und mit der Fähigkeit zu lernen, Informationen ständig neu aufzunehmen, zu bewerten und in Handlungen umzusetzen.


Quelle: Nach Informationen von Reinhard Putz u.a. (2006): "Sobotta - Anatomie des Menschen", Pascal Picq: "Die Evolution des Menschen" in Spektrum der Wissenschaft 1/2003, Alexandra Rigos (2008): "Evolution des Gehirns" in GEOkompakt Nr. 15 (06/08) und Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG
Autor: Sabine M. Kempa
Stand: Apr 20, 2009


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