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Intelligenz - Mythos und Chance

Biologische Vorgänge im Gehirn sind beeinflussbar

Intelligenz ist keine unveränderliche Eigenschaft, die uns in die Wiege gelegt wird. Sie basiert auf verschiedenen Faktoren. Letztlich beruht sie auf physiologischen Vorgängen im Gehirn. Und die sind beeinflussbar.

Faszination und Forschungsobjekt

Seit über einem Jahrhundert ist Intelligenz Gegenstand der Forschung. Sie umfasst jene Fähigkeit des Menschen, mit geistigen Mitteln neue Aufgaben und Probleme zu lösen, sich auf unbekannte Situationen einzustellen und zweckvoll zu handeln. Von der Idee, Intelligenz sei eine festgelegte, eigenständige Größe, von der ein Mensch eben mehr oder weniger besitzt, gilt es sich zu verabschieden. Zwar kennen wir die Methode, Intelligenz mit Hilfe einer einzigen Zahl, dem Intelligenz-Quotienten (IQ) darzustellen. Aber ist damit das Gesamtpotenzial unserer kognitiven Fähigkeiten hinreichend beschrieben? Und ist ein Mensch mit einem IQ von 140 doppelt so intelligent wie einer mit einem IQ von 70? Die Antwort lautet: nicht ganz. Denn so "mathematisch" lässt sich das Ergebnis nicht interpretieren.

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Die zwei Arten der Intelligenz

Die moderne Intelligenzforschung geht davon aus, dass sich Intelligenz aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Basierend auf der bereits 1963 von Raymond B. Cattell entwickelten Zweikomponententheorie unterscheidet sie "flüssige" (fluide) und "kristalline" (auch "kristallisierte") Intelligenz.

Flüssige Intelligenz beschreibt unsere geistige Beweglichkeit und meint die Fähigkeit, ohne Rückgriff auf Erfahrungen neue Probleme zu erfassen und zu lösen, unbekannte Situationen zu meistern, kreativ und logisch zu denken. Grundlage der flüssigen Intelligenz ist aus Sicht der Informationspsychologie die Kapazität des Arbeitsspeichers. Er ist die Informationsmanagement-Zentrale des Gehirns, in der alle Wahrnehmungen verarbeitet, bewertet und neu zusammensetzt werden - kurz gesagt der Dreh- und Angelpunkt mentaler Fitness.

Kristalline Intelligenz hingegen meint die Erfahrungen und das Wissen, die der Mensch im Laufe seines Lebens anhäuft und im Langzeitgedächtnis speichert. Dort stehen sie mittelbar zur Verfügung und können bei Bedarf aktiviert werden.

Optimiertes Zusammenspiel bringt maximale Gehirnleistung

Flüssige Intelligenz ist dabei die Voraussetzung für die Entwicklung der kristallinen Intelligenz, und erst im Zusammenspiel erreicht das Gehirn seine maximale Effizienz. Zeitlich liegt diese etwa im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt. Der genaue Zeitrahmen ist individuell verschieden und abhängig davon, welche Fähigkeiten besonders gefordert werden. Deutlich wird dies am Beispiel von Menschen in akademischen Berufen: Liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit auf analytischem Wissen wie bei Physikern oder Mathematikern, beginnt die Phase der maximalen Effizienz eher früher. In Berufen, bei denen Erfahrung und angesammeltes Wissen von zentraler Bedeutung sind, z.B. bei Geisteswissenschaftlern, verschiebt sich dieser Zeitpunkt auf später.

Aktiv für mehr Leistungsfähigkeit

Die geistige Leistungsfähigkeit ist also in hohem Maße eine Frage der flüssigen Intelligenz. Wie man diese erhalten und sogar ausbauen kann, ist bekannt. Zellbiologische Vorgänge, namentlich die ausreichende Versorgung der Nervenzellen mit Energie, werden dabei durch einfache Maßnahmen unterstützt. Dazu gehören eine "hirngerechte" Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, körperliche Aktivität und die Aktivierung der Nervenzellen durch geistiges Training. Funktioniert die Energieversorgung, ist das Gehirn in Topform. Und das zeigt sich dann sicher auch beim IQ-Test.


Quelle: Nach Informationen von Neurotransmitter, BIOspektrum, Marianne Hammerl (2007): "Grundlagen der Intelligenz", Eva Petermann (2007): "Intelligenz und Begabung"
Autor: Sabine M. Kempa
Stand: Oct 28, 2009


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