Humanes Papillomvirus

HPV: Ein Virus, das Frauen kennen sollten

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Der Impfstoff gegen HPV bietet bestmöglichen Schutz vor den zwei aggressivsten HP-Virentypen.
(c) Getty Images/Brand X

Wussten Sie, dass manche Viren Krebs auslösen können? Vor den Viren, die beispielsweise Gebärmutterhalskrebs oder Genitalwarzen verursachen, gibt es einen Schutz - vor allem für junge Mädchen.

Gebärmutterhalskrebs - klingt nach einem Thema für ältere Frauen? Ist aber nicht so. Denn dieser Krebs entsteht durch Viren, die sich jedes Mädchen schon beim ersten Sex holen kann. Man merkt es in diesem Moment noch nicht einmal - und oft auch nach mehreren Jahren noch nicht. Die Viren gelangen unbemerkt in die Schleimhaut des Gebärmutterhalses. In den meisten Fällen kann sich der Körper gegen das Virus wehren und es unschädlich machen. In seltenen Fällen jedoch bleibt das Virus in der Schleimhaut und vermehrt sich dort.

Die Folge kann sein: Nach zehn, fünfzehn Jahren verändert sich die Schleimhaut, zuerst nur ein bisschen, mit der Zeit immer stärker und später beginnt der Krebs zu wachsen. Wann und wo sich die Frau angesteckt hat, weiß sie dann längst nicht mehr. So ähnlich verhält es sich auch mit Genital- oder Feigwarzen, die durch andere Typen dieser Viren ausgelöst werden. Diese Warzen im Genitalbereich fangen viel früher an zu wachsen, sind aber im Gegensatz zum Krebs nicht bösartig. Sehr unangenehm und hässlich sind sie aber allemal. Darum ist es sehr wichtig, dass sich Mädchen so früh wie möglich darüber informieren, wie sie sich vor diesen Krankheitserregern schützen können.

Viren: Winzig klein und echt gefährlich

Ein Virus ist ein sehr, sehr kleiner Krankheitserreger. Er ist ganz einfach aufgebaut, noch einfacher als ein Bakterium. Die meisten Viren sind sehr schwer zu bekämpfen, wenn sie erst einmal in den Körper eingedrungen sind. Das kennen viele vielleicht von den lästigen Herpesbläschen an den Lippen, die kommen auch immer und immer wieder.

HPV ist ein Virus, das sich in der Schleimhaut der Eichel und in der Schleimhaut der Scheide, des Gebärmutterhalses, des Afters und in der Mundschleimhaut einnisten kann. Meistens wissen die Betroffenen jahrelang nicht, dass sie den Krankheitserreger mit sich herumtragen und andere damit anstecken können. Jungs werden nur ganz selten krank, wenn sie mit HPV infiziert sind. Aber sie können Mädchen beim Sex damit anstecken. Bei Mädchen können aus der unauffälligen Infektion unschöne Genitalwarzen oder Jahre später ein Gebärmutterhalskrebs werden.

Wie erkennt man Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen?

Der Gebärmutterhals ragt innen in deine Scheide hinein. Es ist ein rosettenförmiges, ziemlich festes Gebilde. Wenn eine Frau ihren Eisprung hat, ist er weicher und sondert einen klaren Schleim ab. Bei Frauen über 20 Jahren macht der Frauenarzt oder die Frauenärztin jedes Jahr einen Abstrich von der Schleimhaut in dieser Region, um zu sehen, wie die Zellen aussehen. Gebärmutterhalskrebs fängt immer mit ganz typisch veränderten Zellen an, und wenn solche Veränderungen rechtzeitig gefunden werden, kann man den beginnenden Krebs am besten bekämpfen. Jede Frau ab 20 sollte deshalb einmal im Jahr die Krebsfrüherkennungsuntersuchung bei ihrem Frauenarzt wahrnehmen.

Genitalwarzen sind Veränderungen im Bereich der Geschlechtsorgane. Sie sind zwar meist ungefährlich und in der Regel schmerzfrei, aber unschön und psychisch sehr belastend.

Wie kann ich mich vor HPV schützen?

Niemand geht davon aus, dass der Junge, mit dem ein Mädchen gerne zusammen sein möchte, diese Viren mit sich herumträgt. Aber viele Jungens oder Männer wissen es einfach selbst nicht, weil sie sich angesteckt haben, ohne es zu merken - denn "Männer sind Überträger". Darum sollten Mädchen und Frauen lieber vorsichtig sein und sich selbst zuliebe immer ein Kondom verwenden.

Kondome können vor vielen anderen Krankheiten und auch vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Doch Vorsicht: Auch Kondome schützen nicht zu 100 Prozent vor einer Schwangerschaft oder einer Ansteckung mit HPV. Sie bieten aber den bestmöglichen Schutz, solange ein Mädchen nicht oder noch nicht vollständig gegen HPV geimpft ist.

Infos zur HPV-Impfung

Seit einigen  Jahren gibt es einen Impfstoff gegen HPV. Er soll dem Immunsystem "beibringen", sich gegen die zwei aggressivsten Typen von HPV zu wehren, damit sich das Virus nicht entwickeln kann. Der Impfstoff bietet bestmöglichen Schutz vor den zwei Virentypen, die am ende zu Krebs fürhen können. Empfohlen wird die Impfung für Mädchen und junge Frauen im Alter von zwölf bis 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr, in diesem Alter übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten für die Impfung. Fragen Sie am besten den Haus-, Kinder- oder Frauenarzt danach.

Dass HPV für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist, ist erst seit wenigen Jahren bewiesen. Es gibt nur ganz wenige Krebsarten, bei denen so klar ist, wie sie entstehen. Und dass es dagegen eine Impfung gibt, ist ein kleines Medizinwunder. Gebärmutterhalskrebs ist mit weltweit rund einer halben Million Fälle pro Jahr der zweithäufigste Krebs bei Frauen. Es kommt jährlich zu rund 6.500 Neuerkrankungen in Deutschland.

Autor: Susanne E. Kaiser
Letzte Aktualisierung: 24. April 2012
Durch: Lifeline Redaktion/sl
Quellen: Nach Informationen des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebsgesellschaft, Pro Familia, der Ständigen Impfkommission (STIKO), des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V.

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