Blase

Paruresis – Angst vor dem Toilettengang

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Paruresis macht jeden Toilettengang zum Problem

Paruresis heißt die Hemmung, in bestimmten Situationen die Blase zu entleeren. Mit einer speziellen Angsttherapie lässt sich die psychische Störung gut behandeln.

Etwa 5,7 Millionen Menschen haben Probleme, zu können, wenn sie müssen. Sie leiden unter einer psychisch bedingten Entleerungsstörung der Blase, einer sogenannten Paruresis. In bestimmten Situationen, in denen sie sich etwa durch andere Personen gestört fühlen, haben die Betroffenen Probleme, ihre Blase zu entleeren. Gerade der Gang auf die öffentliche Toilette wird so zur enormen Hürde. Das schränkt den Aktionsradius und damit auch die Lebensqualität der Betroffenen zum Teil erheblich ein. Aber auch in den eigenen vier Wänden kann das kleine Geschäft zum großen Problem werden, etwa wenn Zeitdruck herrscht oder sich Besuch eingestellt hat.

In leichten Fällen der Paruresis ist die Entleerung der Blase verzögert, während das Wasserlassen bei schwerer Ausprägung gänzlich unmöglich wird. In diesem Fall kann die Entleerungshemmung so groß werden, dass sie schließlich den ganzen Alltag bestimmt. Viele Paruretiker sehen sich gezwungen, Situationen zu meiden, in denen sie irgendwann auf eine öffentliche Toilette müssten. Ausflüge, Abende in Gesellschaft und letztendlich auch der berufliche Alltag sind mit Stress verbunden, der nicht selten im allmählichen Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben mündet.

Scham auslösende Erfahrungen als mögliche Ursache

Noch immer ist nicht vollständig geklärt, wieso Menschen eine Paruresis der Blase entwickeln. Zwei Faktoren jedoch scheinen eine wesentliche Rolle zu spielen. Häufig kommt es in der Entwicklung zu Scham auslösenden oder auch traumatisierenden Erfahrungen etwa durch mangelnde räumliche Distanz zu anderen Personen. Als Folge fehlender Privatsphäre entwickeln manche Paruretiker eine regelrechte Panik davor, dass ihnen andere beim Wasserlassen zusehen oder zuhören könnten. Auch unmittelbare Ängste als Folge einer stressigen Situation, aber auch eine körperfeindliche Erziehung und sexuelle Störungen kommen als Auslöser infrage.

Wird das Wasserlassen wiederholt als schwierig empfunden, baut sich die Angst auf, dass sich die Situation wiederholt. Aus der psychischen Anspannung erwächst bei der Paruresis eine physische Verspannung. Die Muskeln im Bereich der Blase, die an der Entleerung beteiligt sind, verkrampfen und verhindern das kleine Geschäft. Ein Teufelskreis beginnt.

Eine Angsttherapie gegen Paruresis kann den Teufelskreis auflösen

Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist die richtige Diagnose. Nur wenn die Schwierigkeit des Entleerens der Blase als psychische Störung erkannt wird, kann eine gezielte Therapie erfolgen. "Die Paruresis ist eine spezifische Angststörung. Sie wird offiziell den sozialen Phobien zugeordnet, aber zunehmend als eigenständiges Störungsbild anerkannt", präzisiert Klaus Oelbracht, kommissarischer leitender Psychologe der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Mit Medikamenten lässt sich die Paruresis in der Regel nicht behandeln. Erfolgversprechender sind kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen, zu denen auch die In-Vivo-Exposition zählt. Auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation und spezielle Techniken zur bewussten Entspannung der an der Entleerung beteiligten Muskeln können entscheiden zur Besserung beitragen.

"Zunächst erarbeitet der Patient mit seinem Therapeuten eine individuelle Angsthierarchie. Die In-Vivo-Exposition beginnt mit weniger angstauslösenden Situationen und steigert sich graduell, zum Beispiel indem der Abstand zwischen Therapeut und urinierendem Patienten verringert oder die Kabinentür geöffnet wird. Bei Männern wäre das Entleeren der Blase am Pissoir eine weitere Steigerung. Der frühzeitig erlebte Erfolg, also ein Nachlassen der Paruresis in weniger angstbesetzten Situationen, motiviert den Patienten sich auch schwierigeren Umständen zu stellen. Wichtig ist dabei, dass die Blase gut gefüllt ist", erklärt der Münsteraner Psychologe Klaus Oelbracht.

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2010
Quellen: Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie, Presseabteilung (5. Mai. 2010): "Schüchterne Blase" macht immobil

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