Auslöser

Menstruelle Migräne – was tun?

Menstruelle_Migraene_was_tun?
woman with stomach cramps
(c) Stockbyte

Viele Frauen klagen während der Menstruation über ein Stimmungstief und Abgeschlagenheit – doch manch eine trifft es besonders hart: Sie trifft in dieser Zeit eine lange und intensive menstruelle Migräne. Gut 7 Prozent aller Migräne-Patientinnen werden von der menstruellen Migräne gequält. In manchen Fällen lassen sich die starken Kopfschmerzen nur mit Triptanen behandeln.

Extreme Östrogenschwankungen lösen bei einigen Frauen eine menstruelle Migräne aus. Dazu kommt es besonders kurz vor der Monatsblutung, wenn die Konzentration des weiblichen Sexualhormons Östrogen stark abfällt. Dieser Hormonabfall vor der Regelblutung macht Frauen gegenüber Stressfaktoren empfindlicher, die eine Migräne-Attacke auslösen können, heißt es bei der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Östrogene beeinflussen körpereigene Morphine

Aber es gibt noch einen weiteren Erklärungsansatz: Der Östrogenspiegel, so meinen viele Experten, beeinflusst offenbar die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn. Östrogene erhöhten die Menge der Endorphine, bei denen es sich um eine Art körpereigenes Morphium handelt, berichtet der Migräne-Experte Dr. Konrad Taubert aus Neubrandenburg. Falle das Östrogen am Ende des Zyklus ab, könne es zu Schmerzen, z. B. menstruelle Migräne, infolge eines Entzugssyndroms kommen. Bei den meisten Frauen werde der Abfall des Endorphinspiegels allerdings durch eine verminderte Aktivität des sympathischen Nervensystems ausgeglichen, sodass viele schmerzauslösende Nervenimpulse nur noch langsam weitergeleitet würden.

Eine andere Theorie liefert der US-Neurologe Michael Welch von der Universität in Kansas: Ein großer Tierversuch an seinem Institut habe gezeigt, dass die zwei Gene, die für die Aktivität der Blutgefäße zuständig sind und Schmerz zu kontrollieren helfen, von dem Östrogen-Abfall vor der Menstruation am stärksten beeinträchtigt würden. Die menstruelle Migräne legt nahe, dass offenbar einige für die Schmerzkontrolle wesentliche Abläufe im Körper gestört sind, meint Welch.

Menstruelle Migräne hält manchmal eine Woche an

Die Migräne wird von Experten menstruelle Migräne genannt, wenn sie ausschließlich zur Zeit der Blutung auftritt. Leiden Frauen auch zu anderen Zeiten unter Kopfschmerzen, während der Regel aber verstärkt, nennen Ärzte die Migräne "menstruationsassoziiert". Die menstruelle Migräne tritt typischerweise zwei Tage vor bis drei Tage nach Einsetzen der Blutung auf und lässt sich am besten anhand eines Migränetagebuchs diagnostizieren. In den meisten Fällen geht sie ohne Aura einher – also ohne neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühlen im Gesicht, Seh- und Sprachstörungen. Oft sind die Schmerzen auch stärker ausgeprägt als bei der normalen Migräne. Charakteristisch ist zudem eine lange Leidenszeit: Gelegentlich hält sie – mit kleinen Unterbrechungen – sogar eine Woche an.

Medikamente bei starken Schmerzen

Da die Attacken bei der menstruellen Migräne oft tagelang dauern, empfiehlt die DMKG für die Akuttherapie Schmerzmedikamente mit lang anhaltender Wirkung wie Naproxen. Gegen Übelkeit und Erbrechen würden außerdem Metoclopramid oder Domperidon wirken. Bei mittelstarken und schweren Attacken rät die DMKG zu verschreibungspflichtigen Migräne-Medikamenten aus der Gruppe der Triptane.

Manchmal lindere auch ein Hormonpflaster die Beschwerden, das die Patientin prophylaktisch bereits vor Einsetzen der Beschwerden – genauer: zwei Tage vor und während der Menstruation - trägt.

Auch eine Beckenmassage kann den Attacken vorbeugen

Wenn eine Patientin möglichst auf Medikamente verzichten möchte, könne sie auch versuchen, mit einer Becken-Bindegewebsmassage fünf Tage vor der Menstruation vorzubeugen, meint Migräne-Experte Taubert. Bei einigen Frauen würden die Kopfschmerzen dank dieser Behandlungsmethoden sogar völlig ausbleiben. "Möglicherweise werden dadurch mehr Östrogene als normal mobilisiert, sodass es zu einem geringeren Östrogenabfall kommt", sagt Taubert.

Die Kopfschmerzspezialambulanz im Universitätsklinikum Essen rät Patientinnen, die menstruelle Migräne haben zudem, sich an die bewährten Rezepte zu halten: sich abgeschirmt von Reizen in einem dunklen ruhigen Raum aufhalten, viel schlafen und einen Eisbeutel in den Nacken legen.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 06. Mai 2007

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