Essstörungen

Wie lässt sich Magersucht heilen?

Die Magersucht ist eine psychosomatische Erkrankung, deren Ursachen in den Tiefen der Seele liegen. Eine psychologische Behandlung ist dringend notwendig, sobald die Diagnose feststeht. Drastische Maßnahmen wie die Zwangsernährung bieten nur eine vordergründige Lösung des Problems einer Anorexia nervosa.

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Aug sein Gewicht zu achten, bedeutet nicht automatisch an Magersucht zu leiden. Aber wenn der BMI unter 17,5 liegt, dann spricht der Mediziner von Magersucht
(c) Stockbyte

Die Magersucht ist eine psychosomatische Erkrankung, deren Ursachen in den Tiefen der Seele liegen. Eine psychologische Behandlung ist dringend notwendig, sobald die Diagnose feststeht. Drastische Maßnahmen wie die Zwangsernährung bieten nur eine vordergründige Lösung des Problems.

Magersüchtige weigern sich in der Regel sehr lange, ihren körperlichen Zustand als kritisch anzusehen und fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grund werden sie meist in einem alarmierenden Zustand in eine Klinik eingewiesen. Dort wird in der Regel versucht, das Gewicht durch künstliche Ernährung zu stabilisieren. Viele Magersüchtige wehren sich vehement gegen diese Maßnahmen und kooperieren nicht freiwillig. Sie empfinden die Implantierung einer Magensonde als Vergewaltigung. Außerdem werden durch diese Behandlung nur die Symptome der Krankheit, nicht jedoch die Ursache, behandelt. Deshalb sollte unter allen Umständen mit einer psychotherapeutischen Behandlung begonnen werden, bevor eine körperliche Behandlung zwingend notwendig wird.

Psychologische Therapien können Magersüchtigen helfen

Da das Angebot der Behandlungmethoden vielfältig und gerade für den Laien sehr verwirrend ist, raten Experten dazu, nach Möglichkeit nicht zu viele Therapien "auszuprobieren". Die Betroffenen und ihre Angehörigen sollten sich vor Beginn einer Therapie ausführlich informieren. Diese Übersicht soll einen kleinen Überblick verschaffen. Psychoanalyse: Durch die Psychoanalyse nach Sigmund Freud sollen traumatische Erlebnisse des Patienten, die meist in der frühen Kindheit zu suchen sind, aufgearbeitet werden. Die Analyse von Träumen und affektiven Verhaltensweisen des Patienten dient dazu, Konflikte aus der Vergangenheit zugänglich zu machen. Die Psychoanalyse dauert meist drei bis fünf Jahre, in denen zwei bis vier wöchentliche Sitzungen mit einem Psychotherapeuten abgehalten werden. Gesprächstherapie: Bei dieser Technik der Psychotherapie konzentriert sich der Therapeut auf die Erlebnisweisen des Klienten und gibt ihm so die Möglichkeit, sich mit seiner Persönlichkeit auseinander zu setzen. Die Gesprächstherapie kann auf zwei Arten erfolgen:

  • die naturwissenschaftliche Gesprächstherapie , bei der der Therapeut dem Klienten verständnisvoll und mit emotionaler Wärme begegnet
  • die phänomenologische Gesprächstherapie, bei der der Therapeut konkrete Vorschläge macht und sich konfrontativ verhält

Verhaltenstherapie: Bei der Verhaltenstherapie stehen die aktuelle Problematik und Lebensweise des Klienten im Vordergrund. Der Patient soll lernen, in bestimmten Situationen alternative Verhaltensweisen anzuwenden.Auch spezifische Therapien, wie die Kunst-, Tanz oder Bewegungstherapie können in Erwägung gezogen werden. Im Anschluss an eine psychologische Therapie empfiehlt sich eine Behandlung in einer psychosomatischen Klinik, die in eine ambulante Betreuung übergehen sollte.

Gruppen oder Einzeltherapie bei Magersucht?

Bei fast allen Formen der Psychotherapie besteht die Wahl zwischen Gruppen- oder Einzeltherapie.Die Gruppentherapie galt bei der Behandlung der Magersucht zunächst als problematisch, da man befürchtete, die Magersüchtigen könnten sich gegenseitig in ihrem Verhalten bekräftigen oder konkurrieren. Einige Versuche beweisen jedoch das Gegenteil: Eine Gruppe von Gleichaltrigen unterstützt in vielen Fällen die Gesprächsbereitschaft, die oft ähnliche Problematik führt dazu, dass sich die Patienten gegenseitig besser kennen lernen. In diesem Sinne können auch Selbsthilfegruppen hilfreich sein.Da die Ursachen für die Krankheit oft im sozialen Umfeld der erkrankten Person liegen, kann eine Familien- oder Paartherapie sinnvoll sein. Oft bedeutet solch eine Therapie eine Chance für die ganze Familie. Auch Wohngruppen für Magersüchtige, in denen drei bis fünf Patienten während eines Therapieprogramms zusammenleben, haben sich bewährt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass ein "normales" Leben geführt werden kann.

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Letzte Aktualisierung: 25. September 2014

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