Leitlinien aus den USA

Tipps für die Ernährung mit Magenbypass

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Woman's hands cutting vegetables
Getty Images/iStockphoto

In den USA wurden von der amerikanischen Society for Metabolic and Bariatric Surgery Leitlinien zur Ernährung nach einer gewichtsreduzierenden Operation bei Adipositas veröffentlicht. Etwas Derartiges fehlt in Deutschland, folgende Empfehlungen sind aber allgemeingültig.

Drei bis vier Mahlzeiten pro Tag

Um eine langfristige Gewichtsreduktion nach einem chirurgischen Eingriff zur Bekämpfung der Adipositas zu erzielen, sollten pro Tag drei bis vier Mahlzeiten verzehrt werden, zwischen denen vier bis sechs Stunden liegen. Zwischenmahlzeiten werden bei der Ernährung nicht empfohlen, da durch den daraus resultierenden Anstieg des Blutzuckerspiegels Insulin ausgeschüttet wird, was wiederum zu einer Einschränkung des Fettabbaus führt.

Zuckerhaltige Getränke aus der Ernährung verbannen

Essen und Trinken sollten bei der empfohlenen Form der Ernährung zeitlich getrennt werden. Der Adipositas-Patient sollte 30 Minuten vor der Mahlzeit nichts mehr trinken und frühestens 30 Minuten nach dem Essen wieder damit beginnen. Empfohlen wird eine Trinkmenge von 150 bis 300 Milliliter je Stunde - in kleinen Schlucken. Geeignete Getränke sind Mineralwasser ohne Kohlensäure und Tee.

Mit Zucker gesüßte Getränke wie Limonade oder Säfte sind aufgrund ihres hohen Zuckergehalts (100 Milliliter enthalten im Schnitt 10 Gramm Zucker) nicht geeignet. Bei Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist dagegen das Trinken eines Saftes selbstverständlich. Allerdings tritt eine Unterzuckerung bei Diabetikern nach einer gewichtsreduzierenden Magen- beziehungsweise Magen-Darm-Operation sehr selten auf, da die meisten Patienten kein Insulin oder keine, die Ausschüttung von Insulin fördernden Medikamente mehr benötigen. Eine Ausnahme bilden Patienten mit sogenanntem Dumping-Syndrom, einer Störung der Reservoirfunktion des Magens, die als Komplikation der Operation auftreten und dazu führen kann, dass sich der Mageninhalt zu schnell entleert. Eine daraus resultierende Folge ist Unterzuckerung.

Langsam essen, gut kauen, Sättigung beachten

Die Adipositas-Patienten sollen sich bei der Ernährung Zeit nehmen, für jede Mahlzeit etwa 30 bis 45 Minuten einplanen und jeden Bissen ungefähr 15 bis 20 Mal kauen. Gutes Kauen ist besonders wichtig für Patienten mit Magenband. Durch langsames Essen kann das Sättigungsgefühl besser wahrgenommen werden. Wenn der Patient erste Zeichen der Sättigung spürt, soll er das Essen beenden.

Ausreichende Eiweißzufuhr nach Adipositas-OP

Eine ausreichende Eiweißzufuhr durch die Ernährung ist unbedingt nötig, da sich viele Patienten nach der Adipositas-Operation in einer Phase des Eiweißabbaus (Proteinkatabolismus) befinden. Die empfohlenen täglichen Mengen für die Eiweißzufuhr betragen für Patienten mit Magenband 60 Gramm, für Patienten mit Magenbypass oder Schlauchmagen 60 bis 80 Gramm sowie 80 bis 90 Gramm nach einer Operation mit funktioneller Verkürzung des Dünndarms und Magenverkleinerung bei Erhalt des Magenausgangsmuskels (biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch). Eine Eiweißzufuhr in den angegebenen Mengen ist jedoch in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Magen- oder Magen-Darm-Adipositas-Operation aufgrund der kleinen Portionen und auch eventueller Unverträglichkeiten bei der Ernährung nur schwer zu erreichen. Daher wird der Verzehr eines Eiweißpulvers (eine vierte Mahlzeit in Form einer Formula-Diät oder die Ergänzung von einzelnen Mahlzeiten mit einem Eiweißpulver) empfohlen, allerdings nicht dauerhaft. In Phase 3 hingegen kann die Zufuhr meist durch eine gezielte Auswahl eiweißreicher Lebensmittel (z.B. Fisch, Geflügel, Quark, Hüttenkäse) gewährleistet werden. Diese Lebensmittel sollten zuerst gegessen werden, danach Gemüse und Früchte und zuletzt Vollkornprodukte und Kartoffeln, also die Kohlenhydrate. So kann eine ausreichende Eiweißzufuhr sichergestellt werden.

Vitamin- und ballaststoffreiche Lebensmittel

Besonders empfehlenswert nach einer Adipositas-Operation ist eine Ernährung mit vitamin- und mineralstoffreichen Lebensmitteln mit viel Ballaststoffen wie Gemüse, Früchten und Vollkornprodukten. Sogenannte restriktive Operationsverfahren (Verfahren, die die aufgenommene Menge der Nahrung reduzieren, zum Beispiel Magenverkleinerung, Magenballon, Magenband) können zu einer mangelhaften Aufnahme (Malabsorption) bestimmter Nährstoffe und zu Mangelerscheinungen führen. Kritisch sind hier unter anderem Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Kalzium, Vitamin D und B1. Daher müssen Patienten nach dieser Adipositas-Operation zur Vermeidung von Mangelerscheinungen lebenslang Nahrungsergänzungsmittel in ihre Ernährung einplanen.

Regelmäßige Laborkontrollen

Regelmäßige Laborkontrollen durch den Hausarzt sind notwendig, um die Adipositas-Patienten bei Mangelerscheinungen in der Ernährung rechtzeitig behandeln zu können. Außerdem sollte regelmäßige Bewegung sollte in den Alltag integriert werden. Hier ist bewusst von Bewegung und nicht von Sport die Rede. Die Patienten sollten ihre Alltagsaktivität steigern und sich zudem täglich 30 Minuten so bewegen, dass sie leicht schwitzen, zum Beispiel bei zügigem Spazierengehen oder Nordic Walking.

Autor: Heike Raab
Letzte Aktualisierung: 15. Oktober 2010
Quellen: Info Diabetologie; Vol.4, Nr. 1: 48-49; Nach Informationen von Mechanick JL et al. Surg Obes Relat Dis 2008;4(5):S109–84, Aills L et al. Surg Obes Relat Dis 2008, 4(5):73–108, Hauner H et al. Diabetologie 2009;4(Supp 2): S144–9 und Raab H, Weiner RA: Ernährung, Mangelerscheinungen und Supplemente. In: Weiner RA (Hrsg.): Adipositaschirurgie. 1. Aufl. Elsevier, München 2009, 291–318.

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