Parasitäre Krätzmilben

Krätze-Fälle: Anstieg statt Ausrottung

Da krieg' ich die Krätze - diese Floskel ist für immer mehr Menschen in Deutschland juckende Realität. Der Anstieg der Krätzepatienten lässt sich am besten an der Verschreibung von Medikamenten gegen die Hautkrankheit ablesen.

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Auslöser der Krätze oder Skabies sind parasitär lebende Milben. In Deutschland ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch.
Getty Images/Dorling Kindersley RF

Fast täglich findet die Berliner Ärztin Jenny De la Torre auf der Haut eines Patienten kleine Bläschen und Pusteln oder hört Klagen über starken Juckreiz. Die Krätze, im Fachjargon Skabies genannt, die viele Menschen für eine längst ausgerottete Krankheit halten, ist in ihrer Praxis Alltag. "Neben Läusen und der Schleppe ist sie für meine Patienten das häufigste Problem", sagt die Ärztin, die nur Obdachlose behandelt.

Diese gelten als besonders gefährdet, weil sie oft in Gemeinschaftsunterkünften schlafen. Aber auch besser Situierte sind nicht vor Krätzmilben sicher. "Die Krätze gab es immer und in allen sozialen Schichten. Auch eine sonnenbankverschmorte Schöne kann sie bekommen", sagt der Hautarzt Wolfgang Lensing aus Hannover. Sogar Napoleon soll die Krätze geplagt haben.

Genaue Zahlen zur Krätze gibt es nicht

Immer wieder gibt es Meldungen über Krätzeausbrüche in Deutschland. Erst im Januar erkrankten im nordrhein-westfälischen Lemgo vier Jugendliche. In der Uckermark wurden 2013 mehrere Erkrankungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bekannt. Die Krätze ist nicht meldepflichtig. Nur Gemeinschaftseinrichtungen müssen den Gesundheitsämtern Ausbrüche anzeigen.

Weltweit haben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 300 Millionen Menschen Krätze. Dem RKI-Ratgeber zufolge kommt die Skabies in Mitteleuropa als sporadische Krankheit bei Kindern, Müttern, Personen mit schwachem Immunsystem oder sexuell aktiven Erwachsenen vor.

Weil es keine belastbaren Zahlen gebe, wüssten Experten jedoch nicht, ob die Krätze heute häufiger auftritt als früher, sagt Professor Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin und Mitautor eines Krätze-Ratgebers des Robert Koch-Instituts (RKI).

Weltweit leiden 300 Millionen an Krätze, in Deutschland wohl an die 100.000

Betrachtet man aber die Verschreibungszahlen für das Skabies-Mittel Infectoscab bei gesetzlich Krankenversicherten, zeigt sich ein deutliches Bild: 2007 wurde die Creme 56.000 Mal verordnet, 2012 bereits 79.000 Mal, wie aus dem jährlichen Arzneiverordnungs-Report hervorgeht. Nach den Daten ist die Creme zwar nicht das einzige, aber das meistverordnete Krätze-Medikament. Zudem würden manche Betroffene mit in der Apotheke extra angerührten Salben behandelt, die in der Statistik fehlten.

Für Ärzte, selbst in Hautkliniken, sei es schwer, die Krätze zu erkennen, sagt Lensing. Oft würden die Symptome der Hautkrankheit mit Ekzemen verwechselt. Für einen Nachweis müsse man den Körper Millimeter für Millimeter nach den kaum sichtbaren Parasiten absuchen, sie abschaben und mikroskopisch identifizieren. Das sei in einer normalen Sprechstunde nicht drin.

Krätzmilben mögen trockene Haut

Milben würden vor allem durch engen Hautkontakt übertragen, der allerdings einige Minuten dauern müsse. Eine indirekte Übertragung der Krätze durch Kleidung, Bettwäsche oder Handtücher sei möglich, wenngleich selten. Betten in Gemeinschaftsunterkünften sowie Hotels mit schnellem Nutzerwechsel könnten Krätze verbreiten.

Auch trockene Haut sei ein Risiko, erläutert Lensing: "Die Milben müssen eine Möglichkeit finden, sich in die obere Schicht der Hornzellen hinein zu bohren. Das ist bei trockener Haut viel einfacher." Haben sie den Weg in die Oberhaut geschafft, legen weibliche Milben ihre Eier oder Kot dort ab. Das löst den starken Juckreiz (Pruritus) aus, der der Krätze ihren Namen gab.

"Gepflegte" Krätze entzieht sich dem Kennerblick des Hautarztes

Die Obdachlosen-Ärztin Jenny De la Torre zeigt auf ihrem Laptop einen Patienten, der von Krätze befallen ist. Foto: Daniel Naupold
Die Obdachlosen-Ärztin Jenny De la Torre behandelt viele Patienten mit Krätze.
Daniel Naupold / dpa

Mangelnde Hygiene als Ursache für die Krätze ist Experten zufolge ein Vorurteil. Sogar das Gegenteil kann der Fall sein: "Das größte Problem sind Leute, die eine sogenannte gepflegte Skabies haben", weiß Lensing. Diese Patienten dämmen die Hautsymptome mit Cremes so weit ein, dass sie kaum mehr als Krätze erkennbar sind. Das andere Extrem sei die Skabies crustosa, bei der die Patienten von Tausenden Milben befallen seien. Üblicherweise finden sich kaum mehr als zehn Tierchen irgendwo auf der Haut.

Gefährlich sei die Krätze nicht direkt, sagt der Hautarzt. Sie könne aber problematische Folgen haben: "Beim Kratzen kann der Patient Bakterien in die Haut eintragen, das kann zu weiteren Infektionen führen." Bekämpfen lasse sich die Krankheit gut mit Medikamenten. Die ganze Wohnung zu desinfizieren, sei nicht nötig. Oft reiche es als Maßnahme gegen die Milben, das Bettzeug abzuziehen, bei 60 Grad zu waschen und das Zimmer für einige Tage auszukühlen.

Die Obdachlosen-Ärztin Jenny De la Torre gibt ihren Patienten neben Medikamenten frische Kleidung und die Möglichkeit, sich zu duschen. "So haben wir die Krankheit meist in wenigen Tagen im Griff", sagt die Krätze-Expertin.

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Letzte Aktualisierung: 25. Februar 2014

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Dermatologie
    erneuter Krätze befall?
    29.01.2014 | 02:05 Uhr

    Hallo ich habe eine wichtige frage ich hatte letzes Jahr im Winter die Krätze, hatte...   mehr...

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