Vocal Cord Dysfunction (VCD)

Atemnot ist nicht immer Asthma

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Die Psyche spielt bei VCD eine große Rolle
Getty Images/iStockphoto

Plötzliche Atemnot ist nicht immer ein Anzeichen von Asthma. Die Vocal Cord Dysfunction (VCD) kann asthmaähnliche Anfälle auslösen, die sich gut therapieren lassen.

Plötzlich scheint sich der Hals zuzuschnüren, das Atmen ist kaum möglich. Voller Panik versucht man, Luft zu bekommen – doch je verzweifelter man nach Luft ringt, desto schwerer wird die Verkrampfung im oberen Halsbereich. Dann löst sich der Knoten plötzlich und macht das Atmen wieder möglich. Diese anfallsartige Atemnot kann als Folge der Vocal Cord Dysfunction (VCD) bei Asthma auftreten, bei der sich die Stimmbänder von einem Moment zum nächsten verkrampfen. Die Stimmbänder legen sich über die Stimmritze und verengen die Öffnung, durch welche die Luft in die Lunge gelangt. Von den Betroffenen wird dieser Verschluss als akut lebensbedrohlich empfunden, obwohl die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht gefährdet ist und somit faktisch keine Erstickungsgefahr besteht.

VCD tritt unabhängig von Asthma auf

Bis vor wenigen Jahren galt die VCD als klares Anzeichen für Asthma bronchiale. Weil die Auslöser beider Krankheiten häufig übereinstimmen und ein VCD-Anfall in vielen Fällen begleitend zu einer Asthma-Erkrankung auftritt, war die Abgrenzung lange Zeit nur schwer möglich. Da die Vocal Cord Dysfunction selten auf klassische Asthma-Präparate anspricht, galten Betroffene als therapieresistent. Viele Patienten fühlten sich in ihrer akuten, asthma-untypischen Atemnot nicht ernst genommen oder missverstanden. Heute weiß man, dass die VCD unabhängig von Asthma auftritt.

Wie wird VCD diagnostiziert?

Patienten mit VCD klagen über Atemnot und Engegefühl im Hals aber auch über Husten, Heiserkeit und pfeifende Geräusche beim Einatmen. In einem eingehenden Patientengespräch muss der Arzt abklären, welche Ursachen der Atemnot zugrunde liegen. Im Klinikum Berchtesgadener Land wird zur Unterscheidung zwischen VCD und Asthma die so genannte Endospirometrie eingesetzt. Diese Methode liefert zur gleichen Zeit Lungenfunktionsdaten und ein endoskopisches Bild der Lunge. So lässt sich Asthma sehr gut von einer VCD unterscheiden.

Die VCD hat andere Auslöser als Asthma

Auch die Auslöser unterscheiden sich von denen bei Asthma. Neben körperlichen Auslösern einer VCD können auch psychosomatische Erkrankungen eine anfallsartige Atemnot bedingen. So berichten einige Patienten von starkem emotionalem oder körperlichem Stress. Zu den häufigsten organischen Ursachen zählt der Rückfluss von Magensäure in die oberen Atemwege. Die Magensäure reizt den Kehlkopf, woraufhin sich die Stimmbändern bewegen, um die oberen Atemwege zu schützen. Wenn der Kehlkopf durch immer wiederkehrenden Rückfluss der Magensäure in einem Zustand der Dauerirritation ist, dann können sich die Bewegungen der Stimmbänder verselbstständigen. Weitere mögliche Faktoren sind Störungen der Nerven, die den Kehlkopf versorgen oder krankhafte Veränderungen in der Hirnrinde und damit einhergehende Fehlfunktionen der Atemkontrolle. Nach gesicherter Diagnose und Identifizierung der Auslöser bestehen durchaus gute Erfolgsaussichten für eine Therapie.

VCD kann gut behandelt werden

Wenn gesichert ist, dass hinter dem vermeintlichem Asthma VCD, also eine relativ harmlose Störung der Stimmbänder steckt, dann kann die Behandlung eingeleitet werden. Wird die VCD durch äußere Faktoren wie bestimmte Gerüche oder Allergene ausgelöst, sollten diese gemieden werden. Mögliche Entzündungsherde und der Rückfluss von Magensäure werden medikamentös behandelt. Wenn die organischen Einflussfaktoren beseitigt sind, beginnt die eigentliche Therapie. In der Atemtherapie werden VCD-Patienten über ihre Atmung aufgeklärt und lernen, ihre Angst vor einer Atemnot zu verlieren. Im Moment der Atemnot soll in das Zwerchfell eingeatmet und der obere Halsbereich bewusst locker gelassen werden. Durch das Trainieren spezieller Atemrhythmen und Entspannungsübungen können Verkrampfung der Stimmbänder verhindert werden und die Patienten zu einem beschwerdefreien Leben zurückfinden.

Autor: (sf)
Letzte Aktualisierung: 16. Januar 2007
Quellen: Nach Informationen des Klinikums Berchtesgardener Land

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