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Pflanzliche Hormone

Natürliche und künstliche Chemikalien beeinflussen Hormonsysteme

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass hormonell wirksame Umweltchemiekalien und pflanzliche Hormon-Ersatzstoffe zum Teil erhebliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und seine empfindlichen Hormonsysteme haben.

Schon seit Jahren warnen Mediziner vor gesundheitlichen Gefahren durch hormonell aktive Umweltchemikalien synthetischer oder natürlicher Art. Sie kommen als UV-Filter in Sonnencremes vor, als Konservierungsstoffe in Hautcremes oder sie werden als Weichmacher in Nahrungsmittel-Verpackungen verwendet. Andere Chemikalien werden in großen Mengen als Insekten- und Unkrautvernichter in der Landwirtschaft eingesetzt. Wissenschaftler vermuten, dass diese Substanzen das Hormonsystem von Tieren und wahrscheinlich auch von Menschen durcheinander bringen.

Biologen berichten bereits von unfruchtbaren Muscheln und Schnecken, von Fischen, die Spermien und Eizellen gleichzeitig bilden sowie von Krokodilen, die zu Zwittern heranwachsen. Die Schäden werden umso deutlicher, je höher die Tiere in der Nahrungskette stehen. Die Spermienzahl bei Männern nimmt statistisch gesehen ab und Brust-, Hoden- und Prostatakrebs nehmen zu.

Drei Jahre lang untersuchten nun Biologen von der Universität Göttingen im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts den Einfluss einiger verdächtiger Substanzen auf die Geschlechtsorgane und auf andere Hormonsysteme von Tieren.

Getestete Substanzen bringen ungewollte Effekte mit sich

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass viele der getesteten Substanzen einen starken Einfluss auf die Hormonsysteme und Organe von Säugetieren haben. Pflanzliche Östrogene beispielsweise, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel zu erhalten sind, haben neben den gewünschten Effekten wie der Stärkung der Knochen und der Milderung von Wechseljahrsbeschwerden, auch unerwünschte Wirkungen.

So stimulierten alle untersuchten Pflanzenextrakte im Tierversuch das Brustwachstum und die Bildung von Progesteron-Rezeptoren. In höheren Mengen förderten sie sogar die Bildung von Milchdrüsengängen und die Milchproduktion. „Sollten sich diese Effekte beim Menschen bestätigen, könnte das Gebärmutter und Brustdrüsen ungewollt beeinflussen", so Prof. Dr. Wolfgang Wuttke, Direktor der Abteilung Klinische und Experimentelle Endokrinologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen.

Auch andere Organe können betroffen sein

Wissenschaftlich nachgewiesen wurde ebenfalls, dass viele Chemikalien neben den Reproduktionsorgane, also Hoden und Eierstöcken, auch auf andere Organe, wie zum Beispiel das Gehirn, die Leber, Knochen, Fettgewebe und die Schilddrüse einwirken. Letztere kann in ihrer Funktion von den Lichtschutzmitteln aus Sonnencremes so gestört werden, dass es zu unerwünschten Veränderungen des Wärmehaushalts und der Knochenfunktionen kommen kann. Dies gilt allerdings nur, wenn die Sonnencreme direkt in den Körperkreislauf eingebracht wird. Das ausschließliche Aufbringen auf die Haut zeigte keine negativen Einflüsse. Dennoch bleibt das Risiko, die Substanzen beispielsweise mit dem Badewasser zu verschlucken, so Prof. Wuttke.

Neben Substanzen des täglichen Lebens wurden auch Schädlingsbekämpfungsmittel untersucht. Diese Hemmen die Wirkung des Testosterons, also des männlichen Geschlechtshormons. Bei den getesteten Mäusen verstärkten die Pestizide das Wachstum der Prostata und der Samenblasendrüsen, welche die Samenflüssigkeit bilden. Diese Wirkung könnte bei pubertierenden Jungen die Entwicklung der Prostata oder der Samenblasendrüsen stören. Zudem könnten die Pestizide das Knochenwachstum beeinträchtigen, betont Wuttke.

Die Forschungsergebnisse der Göttinger Wissenschaftler sind alarmierend, dennoch muss eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen erst weiter untersucht werden.


Quelle: Nach Informationen der Universität Göttingen
Autor: Maike Reiner
Stand: Feb 6, 2008


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