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Volksleiden Sodbrennen

Anzahl der Betroffenen steigt weiter

Sodbrennen ist ein weit verbreitetes Leiden, von dem immer mehr Menschen betroffen sind. Vielen ist aber nicht bewusst, dass Sodbrennen eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellen kann.

Oft wird es als "vorübergehende Befindlichkeitsstörung" abgetan. Bisher wurden überwiegend Antazida, die bei gelegentlichem Sodbrennen für eine schnelle, vorübergehende Erleichterung eingenommen werden sollten, in der Apotheke empfohlen. Für eine anhaltende Linderung der schmerzhaften Symptome sollten Betroffene jedoch zu einer anderen Therapie greifen. Besonders effektiv erweisen sich so genannte Protonenpumpenhemmer.

Bereits drei von zehn Deutschen leiden unter Sodbrennen. Sodbrennen ist das Hauptmerkmal der gastroösophagealen Refluxerkrankung (kurz: GERD= Gastro Esophageale Reflux Disease). Damit wird eine entzündliche Erkrankung der Speiseröhre bezeichnet, die durch einen besonders starken Rückfluss von Magensäure hervorgerufen wird. Aber wieso kommt es zu diesem Reflux? Zwischen Magen und Speiseröhre befindet sich ein Schließmuskel. Funktioniert dieser nicht einwandfrei oder wird im Magen zu viel Magensäure produziert, kann die aggressive Säure in die Speiseröhre zurückfließen und die empfindliche Schleimhaut reizen. Eine Folge dessen ist auch ein bitterer Geschmack im Hals und im Mund. Viele Betroffene haben zudem das Gefühl, dass Nahrung in der Brust oder im Hals stecken geblieben sei oder wieder in den Mund gelange. Weitere häufige, unangenehme Beschwerden sind Aufstoßen und unspezifischer Brustschmerz. Die Intensität der Symptome ist dabei von einem leichten Unbehagen bis hin zu intensiven Schmerzen sehr unterschiedlich. Sodbrennen-Attacken führen bei einigen Betroffenen zu Halsweh, bei anderen ähneln sie in ihrer Heftigkeit gar Asthmaanfällen. Auch ein Zusammenhang zwischen Sodbrennen und Kopfschmerz ist wissenschaftlich belegt.

Besonders viel Stress, wenig Bewegung, eine ungesunde Ernährung oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten können die Symptome verstärken. Nach Mahlzeiten treten sie besonders häufig auf. Immer mehr Menschen sind davon betroffen. Eine aktuelle britische Studie zeigt, dass innerhalb der letzten 25 Jahre die gastroösophageale Refluxerkrankung um das Fünffache zugenommen hat. Besonders die Zahl der betroffenen Frauen ist stark angestiegen.

Sodbrennen: auch ein nächtlicher Plagegeist

Nicht nur am Tag ist der Leidensdruck für die Sodbrennen-Betroffenen groß. In einer von der American Gastroenterological Association (AGA) beauftragten Umfrage litten vier von fünf Betroffenen, die mindestens einmal pro Woche Sodbrennen hatten, auch an nächtlichen Symptomen. Da im Liegen Magensäure leichter zurückfließen kann, können viele nachts aufgrund der Schmerzen oder Schluckstörungen nicht gut ein- oder durchschlafen. Müdigkeit und mangelnde Produktivität im Alltag sind die Folgen. 40% berichteten über eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wenn sie in der Nacht zuvor unter Sodbrennen gelitten hatten. Tipp: Um den nächtlichen Reflux etwas zu lindern, empfiehlt es sich das Kopfteil des Betts etwas hochzustellen.

Gesundheitlichen Schäden vorbeugen

Reflux-Patienten haben eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität – vergleichbar mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Arthritis und Herzinsuffizienz. Die andauernden Belastungen müssen jedoch nicht sein, da sich die Symptome gut behandeln lassen. Bei wiederkehrendem Sodbrennen – also mehrmals im Jahr für länger als einen Tag – eignen sind Protonenpumpeninhibitoren (abgekürzt PPIs, auch Protonenpumpenhemmer genannt) , um die Magensäureproduktion längerfristig zu kontrollieren. Hierunter fällt beispielsweise der Wirkstoffe Pantoprazol. Sodbrennen kann durch PPIs anhaltend unter Kontrolle gebracht werden.

Mit dem Rauchen aufhören, den Alkoholkonsum einschränken, eine gesündere Ernährung sowie ausreichend Bewegung und Entspannung – das alles tut dem Körper sicherlich grundsätzlich gut. Jedoch ist umstritten, ob diese Verhaltensmaßnahmen die Symptome wirklich langfristig kontrollieren können. Bei seltenem Sodbrennen oder Sodbrennen in der Schwangerschaft empfiehlt es sich, mit Antazida den Säuregehalt im Magen zu neutralisieren. Dies kann jedoch lediglich zu einer vorübergehenden Erleichterung führen.

Bisher waren in Apotheken überwiegend diese Medikamente nur auf Rezept erhältlich – seit kurzem gibt es sie rezeptfrei. Wichtig ist es also, Sodbrennen nicht als Lappalie abzutun, sich über geeignete Behandlungsformen zu informieren und aktiv dagegen vorzugehen!

Quellen:

Aamodt AH et al. Comorbidity of headache and gastrointestinal complaints. The Head-HUNT Study. Cephalalgia. 2008 Feb;28(2):144-51;
Bardhan KD et al. Reflux rising! An essay on witnessing a disease in evolution. Dig Liver Dis. 2006 Mar;38(3):169-70.
Flook NW, Wiklund I. Accounting for the effect of GERD symptoms on patients’ health-related quality of life: supporting optimal disease management by primary care physicians. Int J Clin Pract. 2007 December; 61(12): 2071–2078.
Shaker R et al. Nighttime heartburn is an under-appreciated clinical problem that impacts sleep and daytime function: the results of a Gallup survey conducted on behalf of the American Gastroenterological Association. Am J Gastroenterol 2003; 98: 1487–1493.
Koop, H. Schlafstörungen durch nächtlichen Reflux. Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3093 / B-2570 / C-2400;Wiklund, I. Review of the Quality of Life and Burden of Illness in Gastroesophageal Reflux Disease. Dig Dis 2004;22:108-114.


Autor: Lifeline Redaktion
Stand: Sep 8, 2009


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