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Geistiger Abbau bei älteren Frauen

Schützen Vitamine?

Fragestellung: Ist es möglich, bei Frauen mit Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und einem Alter über 40 Jahren durch die Gabe von Vitaminen die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten?

Hintergrund

Es gibt viele Hinweise für einen fließenden Übergang zwischen der vaskulären Demenz (z.B. durch „Gefäßverkalkung“) und der Alzheimerdemenz. Beweis hierfür ist die Tatsache, dass viele Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auch Risikofaktoren für die Entwicklung und das Fortschreiten einer Alzheimerdemenz sind. Ein möglicher Entstehungsmechanismus ist vermehrter oxidativer Stress, der potenziell durch Vitamin E, Vitamin C und Betakarotin reduziert werden könnte.

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Patientinnen und Methodik

An der Women’s Antioxidant and Cardiovascular Study nahmen zwischen 1995 und 1996 knapp 8200 Frauen im Alter über 40 Jahren teil. Bei allen Teilnehmerinnen lagen mehr als drei Risikofaktoren oder eine bereits diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankung vor. Der hier vorgestellte Studienteil wurde 1998 begonnen und schloss etwa 2800 Frauen im Alter über 65 Jahren ein. Fünf kognitive Tests zur Erfassung der geistigen Leistungsfähigkeit wurden über einen Zeitraum von 5,4 Jahren viermal abgefragt. Der Hauptergebnisparameter war ein Gesamtwert aller Einzelstudien. Die Verteilung auf ein bestimmtes Therapieangebot erfolgte nach einem Zufallsmechanismus (2 x 2 x 2 Randomisierung) mit Vitamin E 402 mg jeden zweiten Tag, Betakarotin 50 mg jeden zweiten Tag und Vitamin C 500 mg täglich.

Ergebnisse

Die Vitamingabe führte weder zu einem selteneren Auftreten noch zu einem geringeren Fortschreiten von Hirnleistungsstörungen. Lediglich in Untergruppenanalysen ergab sich ein positiver Trend für Vitamin C.

Schlussfolgerungen

Eine ergänzende Behandlung mit Antioxidanzien wie Vitamin C, Vitamin E und Betacarotin kann bei älteren Frauen mit Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung die Entwicklung und das Fortschreiten von Hirnleistungsstörungen nicht verhindern.

Kommentar: Diese Vitamin-Ergänzungsstudie fügt sich in eine ganze Reihe anderer Studien ein, die in den letzten Jahren fertig geworden sind. Alle diese Studien zeigen, dass eine ergänzende Gabe (Substitution) von Vitaminen weder in der Primär- noch in der Sekundärprävention gefäßbedingter Ereignisse wirksam und, wie hier gezeigt, auch nicht in der Lage ist, die Entwicklung von Hirnleistungsstörungen bei älteren Frauen zu verhindern. Die praktische Konsequenz sollte sein, dass der Bevölkerung über Aufklärungskampagnen klargemacht werden sollte, dass die Substitution von Vitaminen außer bei Mangelzuständen völlig sinnlos ist und nicht empfohlen wird.

Glossar:

Primärprävention Maßnahmen und Verhaltensweisen, die geeignet sind, eine Krankheit zu verhindern bzw. ihre Entstehung zu verlangsamen.

Sekundärprävention: Maßnahmen und Verhaltensweisen, die eine Verschlimmerung oder ein Wiederauftreten einer bereits bestehenden Erkrankung verhindern und somit einer Chronifizierung entgegentreten.


Quelle: In|FO|Neurologie & Psychiatrie 2009; Vol. 11, Nr. 10, Seite 18; Kang JH, Cook NR, Manson JE et al. Vitamin E, vitamin C, beta carotene, and cognitive function among women with or at risk of cardiovascular disease: The Women’s Antioxidant and Cardiovascular Study. Circulation 2009; 119:2772–80.
Autor: Hans-Christoph Diener / Von der Lifeline-Redaktion für Patienten überarbeitet
Stand: Feb 1, 2010


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