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Langzeittherapie

Was man zwischen den Schüben tun kann

Unser Körper produziert viele Zellen und Botenstoffe, mit denen er das Immunsystem stimulieren oder dämpfen kann. Zu dieser Gruppe von so genannten Immunmodulatoren gehört das Interferon beta. Das sind Proteine, die die Abstände zwischen den Schüben vergrößern und die Krankheitsprogression verlangsamen.

Basistherapien

Interferon beta entfaltet seine biologische Wirkung an der Oberfläche menschlicher Zellen. Bindet das Interferon-Molekül an die Empfängerstruktur seiner Zielzelle den Rezeptor, werden verschiedenste Reaktionen in Gang gesetzt. Diese Reaktionen sind zwar insgesamt recht gut erforscht, welche Effekte jedoch für die Wirksamkeit der Behandlung mit Interferon beta im Einzelnen verantwortlich sind, kann trotz intensiver Forschung noch nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden.

Interferon beta wird auch im menschlichen Körper gebildet, nur kann er die für die MS-Therapie notwendigen Mengen nicht vollständig selbst produzieren. Die Lösung für dieses Problem hat die Gentechnik geliefert, denn heute kann man Interferon in Zellkulturen produzieren. In die Zellen wird dazu das menschliche Interferon-Gen eingeschleust. Es gibt die Anweisung für die Produktion des Interferonproteins. Interferon beta kann aus Bakterien- (Interferon beta-1b: Betaferon oder Betaseron von Schering) oder Säugetierzellen (Interferon beta-1a: Rebif von Serono und Avonex von Biogen Idec) gewonnen werden. Im Gegensatz zu dem in Bakterienzellen hergestellten Interferon ist das von Säugetierzellen produzierte Interferon identisch mit dem menschlichen körpereigenen Interferon.

Im Handel befinden sich derzeit drei verschiedene Interferone (Avonex, Biogen Idec; Betaferon, Schering; Rebif, Serono). Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Anwendungsweise und Häufigkeit der Injektion. Die Zahl der Injektionen bewegt sich zwischen jedem zweiten Tag unter die Haut bis ein Mal pro Woche in den Muskel. Interferone werden in der Regel gut vertragen, sie können jedoch besonders zu Beginn der Therapie grippeähnliche Symptome (Gliederschmerzen, Schüttelfrost) auslösen. Sie sollten, insbesondere bei Fieber, mit Medikamenten wie beispielsweise Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden Meist verschwinden diese Nebenwirkungen nach einiger Zeit von alleine oder treten zumindest deutlich schwächer und seltener auf.

Eine Alternative zur Interferon beta-Therapie stellt das Glatirameracetat dar. Das Präparat ist in Deutschland seit Ende 2001 für die Therapie des schubförmig remittierenden Verlaufs zugelassen. Glatirameracetat (Copaxone, Teva/Sanofi-Aventis) wird täglich einmal unter die Haut gespritzt.

Monoklonale Antikörper in der MS-Therapie

Seit 2006 steht mit dem Wirkstoff Natalizumab auch ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung der Multiplen Sklerose zur Verfügung. Der Wirkstoff bindet an Rezeptoren bestimmter weißer Blutkörperchen (Leukozyten), die typischerweise für das Entzündungsgeschehen bei Multipler Sklerose mit verantwortlich sind. Damit „schützt" Natalizumab doppelt: Zum einen können die blockierten Leukozyten nicht mehr über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn eindringen. Zum anderen wird vermutet, dass im zentralen Nervensystem selbst die Wanderung der Leukozyten zur Nervenzelle verhindert wird. So kann der Wirkstoff auf zwei Wegen die Zahl der Schübe reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Immunsuppresive Therapien

In älteren Studien konnte eine schubreduzierende Wirkung von Azathoprin gezeigt werden. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt, aber man weiß, dass es die Zellteilung von Entzündungszellen an verschiedenen Stellen des Immunsystems hemmt. Es ähnelt einem Baustein der Erbsubstanz und behindert auf diesem Weg die korrekte Teilung. Azathioprin ist nicht Mittel der ersten Wahl.

Mitoxantron stellt in der immunmodulatorischen Stufentherapie der MS die zweite Stufe dar. Es spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung verschiedener Krebserkrankungen und unterdrückt die Zellteilung So erreicht es neben Immunzellen alle Zellen, die sich häufig teilen. Der Effekt macht sich also in Gewebetypen bemerkbar, in denen ein großer Zellumsatz besteht, z.B. in bösartigem Tumorgewebe. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Mitoxantron - insbesondere bei Patienten mit schubförmiger MS und hoher Schubfrequenz – wirksam sein kann. Da bei der Behandlung von Erkrankungen immer Wirkung und Nebenwirkung in Relation zueinander gesehen werden müssen, wird empfohlen, Mitoxantron in erster Linie bei Patienten einzusetzen, bei denen sehr häufig Schübe auftreten und diese nur schlecht abklingen sowie bei Patienten, bei denen die Basistherapie nicht den gewünschten Erfolg zeigt. Denn wie von der Krebstherapie bekannt, zählen zu den akuten Nebenwirkungen Übelkeit und Erbrechen; beide Symptome lassen sich jedoch medikamentös mit so genannten Antiemetika gut behandeln. Außerdem können Amenorrhoen (Ausbleiben der Regelblutung), Haarausfall sowie negative Effekte auf das Knochenmark oder den Herzmuskel auftreten. Männer, bei denen die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, sollte vor Beginn der Behandlung mit Mitoxantron über eine Spermienkonservierung nachdenken, da der Wirkstoff zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen kann.

Mehr dazu finden Sie auf MS-life unter www.ms-life.de.


Autor: Springer Medizin
Stand: Jul 16, 2007


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