Zecken - Allgemeine Infos
Entwicklungszyklus, Nahrungsaufnahme und Lebensraum
Weltweit gibt es mehr als 800 verschiedene Zeckenarten. Bei allen handelt es sich um Parasiten, die innerhalb der Klasse der Spinnentiere zur Gruppe der Milben gehören. Die meisten Zecken sind sogenannte Ektoparasiten von Wirbeltieren, mit anderen Worten: Sie ernähren sich von ihren Wirten, dringen aber nicht in diese ein. In Europa stammen die meisten Zecken aus der Familie der Schildzecken, deren bekanntester Vertreter der ?gemeine Holzbock? ist. Eine zweite große Familie bilden die Lederzecken, sie kommen jedoch überwiegend in den Tropen und Subtropen vor.
Drei Entwicklungsstadien
Der Entwicklungszyklus der Schildzecke dauert ein bis drei Jahre, wobei sie drei Entwicklungsstadien durchläuft: Aus den Eiern, die das Weibchen in Paketen zu etwa 2.000 Stück beispielsweise an den Unterseiten von Grashalmen ablegt, schlüpft jeweils eine sechsbeinige Larve. Diese sucht sich nach wenigen Tagen einen Zwischenwirt (z.B. Nagetier), an dem sie sich festsaugt, um innerhalb von zwei bis drei Tagen ausreichend Blut aufzunehmen. Nach dieser Mahlzeit lässt sich die Larve fallen und häutet sich einige Monate später zur achtbeinigen Nymphe.
Die Nymphe sucht sich entweder sofort einen weiteren, größeren Zwischenwirt (z.B. Katze) und saugt ebenfalls dessen Blut, oder sie tritt zunächst in ein Ruhestadium ein und sucht sich den Zwischenwirt erst im nächsten Frühjahr. Nach der Sättigung erfolgt eine weitere Häutung zum erwachsenen Tier. Dieses befällt seinen Endwirt (z.B. Mensch), lässt sich nach seiner letzten Blutmahlzeit fallen und sucht einen Partner, um sich zu paaren. Das Weibchen legt kurz darauf bis zu 3.000 Eier ab. Die Weibchen sterben nach der Eiablage, die Männchen bereits nach der Begattung.
Blutsaugen wie bei Insekten
Der Akt des Blutsaugens ist bei den Zecken ähnlich wie bei blutsaugenden Insekten, doch die Zecke benötigt viel mehr Blut und saugt daher teilweise über mehrere Tage. Dafür sucht sie sich am Wirt eine geeignete, dünnhäutige, feuchte, gut durchblutete und geschützte Stelle. Den Menschen sticht sie besonders gerne in die Kniekehlen, zwischen den Beinen, unter den Armen und im Nacken sowie am Haaransatz. Dabei wird zunächst ein Sekret abgegeben, das mehrere Komponenten enthält, um die Blut- bzw. Nahrungsaufnahme zu ermöglichen:
- Gerinnungshemmer: verhindert eine Verstopfung des Saugrüssels und steigert den Blutfluss in Richtung Einstichstelle
- Klebstoff: verankert den Stechapparat in der Haut zusätzlich zu den Widerhaken
- Betäubungsmittel: macht die Einstichstelle unempfindlich, sodass die Zecke unbemerkt mehrere Tage beim Wirt Blut saugen kann
- Entzündungshemmer: verhindert die Stimulation der Immunabwehr an der Einstichstelle
Zecken können Infektionskrankheiten übertragen
Mit ihrem Stich können die Zecken Infektionskrankheiten übertragen, wenn sie die entsprechenden Krankheitserreger in sich tragen. Dabei zirkulieren die Krankheitserreger zwischen den Zecken und ihren Wirten. In Deutschland steht die Übertragung von FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Borreliose-Bakterien durch die Schildzecke im Vordergrund.
Die Krankheitserreger gelangen beim Zeckenstich in die Blutbahn des Menschen und können so die Krankheit auslösen. In den FSME-Endemiegebieten, die sich vor allem in Süd- und Ostdeutschland befinden, sind ca. 0,1-5% der Zecken mit dem Virus infiziert. Von Borreliose-Bakterien können hingegen in allen Teilen Deutschlands 10-35% der Zecken befallen sein.
Zecken benötigen Feuchtigkeit und Wärme
Schildzecken sind während der kalten Jahreszeit inaktiv und halten sich in den oberen Bodenschichten auf. Auf Wirtssuche gehen sie erst ab Lufttemperaturen von sieben bis zehn Grad Celsius, sodass ihre Aktivität normalerweise im März beginnt und im November endet. In dem milden Winter 2006/2007 wurden allerdings nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin noch bis Mitte Januar aktive Zecken nachgewiesen.
Neben einer genügend hohen Temperatur benötigen Schildzecken ausreichend Feuchtigkeit. Daher begünstigen warme Winter und feuchte Sommer ihre Ausbreitung. Typische Lebensräume sind hohes Gras, lichte Wälder, insbesondere Laubwälder und Büsche. Meist halten sich die Zecken in einer Höhe auf, die der Größe des potenziellen Wirtes entspricht. Sie sitzen auf Blättern oder Zweigen und werden von ihren Wirten abgestreift, wenn sich diese durch die Pflanzen bewegen. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft dementsprechend in der Regel nicht zu. In den Bergen, in Höhen oberhalb von 1.000-1.200 Metern, kommen Zecken nicht vor.

