Transsexualität
Abschied vom alten Geschlecht
Wenn aus Martin Martina wird oder aus Petra Peter, ist das oft nur der erste Schritt für Transsexuelle. Viele streben eine Geschlechtsangleichung an. Die Kosten dafür tragen die Kassen, weil Transsexualität in Deutschland als Krankheit anerkannt ist. Für die Eingriffe haben Urologen, Gynäkologen und Plastische Chirurgen Neo-Vaginas und -Penisse entwickelt.
"Irgendwann wollte ich keine Schauspielerin mehr sein, die sich abschminkt und dann ganz anders ist", sagt Martina Janssen (Name von der Redaktion geändert). "Da war für mich die Zeit gekommen, etwas zu tun." Der damals 26-Jährige beantragte beim Gericht eine Namensänderung nach dem Transsexuellengesetz (TSG) und wies nach, dass er seit mehr als drei Jahren als Frau lebte. Psychiatrische und psychotherapeutische Gutachten überzeugten den Richter davon, dass bei Martin keine psychische Störung wie
Hormone und Operationen sind Teil des Weges
Martina Janssen hat sich auch für medizinische Eingriffe entschieden - zuerst für eine schmerzhafte Laserbehandlung gegen den Bartwuchs, dann für eine Hormonbehandlung und schließlich für das Entfernen der hinteren Hoden, die so genannte kleine OP. Die große OP, bei der Ärzte aus dem Penis eine Vagina formen, steht Martina noch bevor. Aber die Hormone haben Martina schon enorm verändert: Ihr ist ein Busen gewachsen, die Haut wurde weicher und an den Hüften haben sich Fettpolster gebildet. Bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen wird die Stimme tiefer, die Haut gröber, der Körper muskulöser und ein Bart beginnt zu sprießen. In der Regel können die Ärzte nach einem Jahr operieren.
Die große OP wird bei Martina Janssen sechs bis zehn Stunden dauern. Die Mediziner werden Hoden und Schwellkörper entfernen und die Harnröhre kürzen. Aus dem Spalt zwischen Harnröhre, Blase und Mastdarm entsteht eine so genannte Neo-Vagina mit Klitoris und Schamlippen, die aus der Eichel und der Haut des Hodensacks gebildet werden.
Frau-zu-Mann-Operationen sind komplizierter
Bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen ist es aufwendig und kompliziert, einen Penis aus Haut-Muskel-Implantaten zu bilden und die Harnröhre zu verlängern. Deshalb lassen sich viele Brüste, Gebärmutter und Eierstöcke entfernen und Silikon-Hoden einpflanzen.
Die begrenzten Möglichkeiten bei Frau-zu-Mann sind sicher ein wichtiger Grund dafür, warum sich doppelt so viele Männer zu Frauen operieren lassen, wie Frauen sich zu Männern. Dennoch: Sich für diese Operation zu entscheiden, fällt niemandem leicht - ob Frau oder Mann. "Ich habe natürlich eine furchtbare Angst vor der OP", gesteht Martina Janssen. "Aber ich bin nun mal eine Frau und habe unter dem Mann-Sein zu lange schon gelitten."









