Transsexualität
Transsexuell: Zwischen den Geschlechtern
Transsexuelle wollen mehr als die Rolle des anderen Geschlechts spielen - wie etwa Transvestiten, die sich wie das andere Geschlecht kleiden. Transsexuelle lehnen das in ihrem Pass angegebene Geschlecht ab. Männer fühlen sich als Frau, Frauen als Mann. Rund 90.000 wollen das Dilemma mit einer geschlechtsangleichenden Operationen lösen.
Früher hieß Martina Martin (Name von der Redaktion geändert). Warum sie ihren Namen geändert hat, ist eine lange Geschichte - wie wohl bei allen Transsexuellen. "Ich habe schon im Kindergarten gemerkt, das ich anders bin", sagt Martina Janssen und zupft sich dabei mit riesigen Händen eine Strähne aus dem Gesicht. "Bei den Mädchen habe ich mich wohler gefühlt. Da habe ich gedacht: Das bin ich!"
Worte hatte der kleine Martin natürlich noch nicht für das, was in ihm vorging. Die fand er erst kurz vor seinem 14. Geburtstag dank einer Talkshow im Fernsehen. "Da waren alle Formen und Phasen von Transsexualität vertreten", erinnert sich Martina Janssen. "Mann zu Frau, Frau zu Mann und welche, die schon die geschlechtsangleichende Operation hinter sich hatten. Dort habe ich das erste Mal den Begriff Transsexualität gehört."
Den Begriff "Transsexualität" findet sie "abscheulich". Der betone Sexualität, sage aber nichts über die Orientierung aus - ob der Mensch nun schwul, lesbisch, hetero oder bisexuell sei. Für Martina Janssen ist wichtig: "Ich bin nicht nur Frau, sondern ich bin auch Lesbe und Feministin." Ein Standpunkt, dem angesichts der Gender-Debatte und -Forschung sich immer mehr anschließen - auch die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, kurz dgti.
Das duale Geschlechterkonzept greift zu kurz
"Der Begriff Transsexualität ist irreführend", sagt Helma Katrin Alter von dgti. "Da wird unterstellt, dass Transsexualität ein sexuelles Problem ist, dabei handelt es sich um ein kulturelles und soziales." Die zwei gesellschaftlich anerkannten Geschlechter sagten bestenfalls aus, ob jemand zeugen oder gebären könne. "Die Zwischentöne mit unendlich vielen Schattierungen" blieben bei diesem dualen Konzept auf der Strecke.
Jenseits vom klassischen Geschlechterkonzept lebten in der Bundesrepublik Deutschland rund eine Million Menschen, schätzt Helma Katrin Alter. Auf Deutschland übertragbare Erhebungen in Holland hätten ergeben, dass bis zu 0,5 Prozent der Bevölkerung transsexuell seien. Hinzu kämen die intersexuellen Menschen. Zum Beispiel Frauen, die Hoden haben oder Männer mit Eierstöcken und Brüsten.
"Ob jemand Mann oder Frau ist, hängt nicht davon ab, was er zwischen den Beinen, sondern was er zwischen den Ohren hat", fasst Helma Katrin Alter zusammen. Martina Janssen sieht das ähnlich: "Ich bin eine Frau", sagt sie, strafft dabei ihre breiten Schultern und baut sich zur vollen Größe von gut 1,90 Metern auf. "Dass da noch was zwischen meinen Beinen baumelt, ändert daran nichts. Trotzdem stört es mich."









