Mutter, Mutter, Kind
Lesben mit Kinderwunsch
Wer Vater ihrer Kinder wird, ist nur für Frauen klar, die Männer lieben. Lesben dagegen haben die Wahl. Sie können sich einen Samenspender aussuchen - oder: Sie müssen ihn finden. Denn Samenbanken sind in Deutschland verboten und kein Arzt darf Lesben dabei helfen, schwanger zu werden. Dabei wollen immer mehr Lesben eine Familie gründen, haben Umfragen ergeben.
"Guten Tag, wir hätten gern eine Samenspende". Für Lena Marx* (28) und ihre Partnerin Uschi Joosten* (27) war es undenkbar, so ihren Kinderwunsch in einer holländischen Klinik zu äußern oder sich etwa an die dänische Samenbank Cryos (www.cryos.dk) zu wenden. Weil in Deutschland sowohl Samenbanken als auch Insemination bei Lesben und auch unverheirateten heterosexuellen Frauen verboten sind, blieb dem Paar aus Bielefeld nichts anderes übrig, als selbst nach einem Spender zu suchen.
Angebote gab es damals vor vier Jahren schon. Aber schwule Freunde wollten als Vater mitreden und Heteros sich einen erotischen Traum erfüllen. "Das mach ich dir! Aber nicht übers Glas, nur life". Also weitersuchen. Denn damals gab es "Queer and Kids" (www.queerandkids.de) noch nicht. Die Berliner Agentur vermittelt und berät Menschen, die sich ein Kind wünschen. Eltern in spe zahlen zunächst 400 Euro. Mit Fragebogen und Gesprächen ermittelt "Queer and Kids" dann ihre Vorstellungen und sucht in der Kartei einen passenden Partner. Die erste Adresse kostet 100 Euro, weitere sind günstiger. Trotz der Kosten wäre das eine Lösung für das Bielefelder Frauenpaar gewesen - aber die Agentur gab es noch nicht. Sie bietet ihre Dienste erst seit zwei Jahren an.
"Göttliche Gene sollten es für unser Kind sein", sagt Lena und sieht grinsend zu Uschi. Lena hatte sich einen Adonis als Vater ihres Kindes vorgestellt. Gefunden hat das Paar "einen kleinen, dafür aber netten, intellegenten Iraner". Wichtig war ihnen, dass der Mann bald in seine Heimat zurückkehren wollte. Und: Der Spender hat einen
Er kam am Tag von Lenas Eisprung vorbei, überreichte die Spende und ging. Uschi zog das Ejakulat in eine 10-Millimeter-Plastikspritze und führte es ihrer Freundin ein. Louis ist heute ein gutes Jahr alt, krabbelt und brabbelt die ersten Worte. "Papa" gehört nicht dazu und Co-Mutti wird er wohl nie sagen. Die Co-Mutter, das ist Uschi. Rechtlich gesehen, darf sie nur bei Angelegenheiten des täglichen Lebens mitentscheiden. Das Paar hat notariell beglaubigte Verträge für den Fall, dass die große Liebe irgendwann mal vorbei ist. "Vor Gericht hätte das keinen Bestand", räumt Uschi ein, "ich muss Lena einfach trauen."
* (Name von der Redaktion geändert)









