Sexsucht
Sexuell hörig: Sadomasochisten gefährdet
SM hat mit sexueller Hörigkeit nur oberflächliche Gemeinsamkeiten. Masochisten unterwerfen sich gerne. Regeln und Dauer des Spiels mit dem Partner bestimmen sie mit. Darin liegt der Unterschied zu sexuell Hörigen, die mit ihrer Sucht nicht mehr klar kommen. Doch weil Abhängigkeit Teil des Spiels ist, fällt es Sadomasochisten schwerer, zu erkennen, wann die Grenze überschritten ist.
Auf den ersten Blick scheinen Masochismus und sexuelle Hörigkeit zwei Seiten einer Medaille zu sein: Masochisten und sexuell Hörige unterwerfen sich ihrem Partner, lassen sich zum Teil sogar körperliche Schmerzen zufügen. "Aber genau genommen hat sexuelle Hörigkeit mit Sadomasochismus nicht viel mehr zu tun als mit anderen sexuellen Vorlieben", betont Kathrin Passig, Vorstandsmitglied bei BDSM Berlin e.V. (englisch für Bondage, Discipline, Domination, Submission, Sadism and Masochism). Der Verein will Einsteigern Orientierung und Interessierten ein Forum bieten - nicht zuletzt, um Vorurteile gegen Sadomasochismus (SM) abzubauen. Eines dieser Vorurteile ist die Gleichsetzung mit sexueller Abhängigkeit.
Der kleine Unterschied: Klare Regeln
Der entscheidende Unterschied zwischen SM und Hörigkeit liegt in der bewussten und freiwilligen Entscheidung der Masochisten: "Sie schlüpfen in eine Rolle, agieren in einem Rahmen, der zeitlich in der Regel begrenzt ist und dessen Regeln festgeschrieben sind", erläutert der Psychologe Werner Gross vom Psychologischen Forum in Offenbach. Die klassische Notbremse bei SM-Spielen ist das "Safe-Word": Wird das von einem der Beteiligten ausgesprochen (es kann auch eine Geste oder ähnliches sein), bedeutet es das Ende des Rollenspiels. Abhängigkeit oder Suchtverhalten liegt in solchen Fällen kaum vor.
Dennoch gilt: "Sadomasochisten können, wie alle anderen Menschen, in Beziehungen geraten, in denen sie missbraucht werden. Da viele von ihnen isoliert von anderen Sadomasochisten leben und es kaum Rollenmodelle für SM-Beziehungen gibt, kann es für sie allerdings schwieriger sein, diesen Sachverhalt zu erkennen", informiert die SM-Info-Website "Datenschlag". Sadomasochisten könnten glauben, dass gewisse Formen des Missbrauchs besonders in der passiven Rolle "einfach dazugehören" und dass die Rechtlosigkeit, die sie in ihren Spielen erleben, auch für die restliche Beziehung gelten muss.
Hart am Wind: Rollenspiel ohne Ende
Missbraucht und ohne Rechte - das trifft vor allem auf so genannte 24/7-Beziehungen zu. Das heißt: Die klassische SM-Rollenverteilung wird nicht nur zeitlich begrenzt - in der Regel beim Sex - gelebt, sondern 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. "Partner, die dieses Modell über längere Zeit praktizieren, kann man zur Risikogruppe zählen", sagt Gross. "Sie laufen Gefahr, sexuell hörig zu werden." Andrea aus Wien hatte sich darauf eingelassen. Ihr Fazit: "Ich sehe 24/7 absolut nicht als Basis für eine gute Beziehung an, sondern höchstens als beglückende Ergänzung."









