Sexsucht
"Sexaholiker": Hilfe aus der Sucht
Sie werden scherzhaft "Don-Juan", "Sexaholiker" oder "Nymphomanin" genannt: Menschen, die sexuell als unersättlich gelten. Sie sind immer auf der Suche nach dem nächsten Liebesabenteuer, aber wenn sie es gefunden haben, bleiben sie unbefriedigt zurück. Mit Spaß hat das Leben solcher Menschen oft nichts zu tun. Sie leiden unter ihrem Verhalten, können es aber nicht selbst ändern. Diese Menschen sind krank.
Psychologen führen sexuelles Zwangsverhalten nicht zuletzt darauf zurück, dass Sex in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert einnimmt: Sex ist allgegenwärtig, konsumierbar, käuflich. Für Tabus ist kein Platz mehr: Jeder kann und darf in Talkshows von seinen sexuellen Praktiken und Fantasien erzählen - Werbung, Fernsehen und Mode wären ohne Sex undenkbar. Vielen Menschen hat die sexuelle Freizügigkeit eine neue Freiheit gebracht, andere aber stellt sie vor große emotionale und seelische Probleme: Sex kann zur Sucht werden.
Spezielle Einrichtungen für Sexsüchtige fehlen
Der Sexsüchtige muss erkennen, dass er krank ist. Ein schwieriger Prozess für einen Abhängigen, der oft erst dann einsetzt, wenn Krankheiten und
Sexsucht äußert sich bei jedem Betroffenen anders, folglich muss auch die Behandlung individuell sein. Meist gehen die Patienten wegen anderer Schwierigkeiten zum Arzt - an denen orientiert sich dann auch die Therapie. Kommt jemand zum Beispiel wegen Konflikten in der Partnerschaft zum Psychologen, kann eine Paartherapie im Vordergrund stehen.
Keinen Sex mehr
Die Entwöhnung von der Sexsucht lässt sich mit der Entwöhnung vom Alkohol vergleichen. An erster Stelle steht die Abstinenz, das heißt der vollständige Verzicht auf Sexualität.
"Trockenrausch"
Eine gewisse Gefahr besteht in dem so genannten Trockenrausch: Der lässt sich mit Ex-Rauchern vergleichen, die zu militanten Nichtrauchern werden. "Trockenrausch" bedeutet, dass das Zwangsverhalten der Sucht nicht überwunden, sondern lediglich nicht ausgelebt wird.
Die meisten Rückfälle gibt es nach etwa einem halben Jahr, zeigen die Erfahrungen von Psychologen. Fantasien bilden sich zuletzt zurück: Bis ein Sexsüchtiger sich wieder als frei erlebt, können Jahre vergehen.
Zahl der Selbsthilfegruppen wächst
Fast in jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Selbsthilfegruppen für Sexsüchtige - und ihre Zahl wächst ständig. Einige Experten stehen diesen Selbsthilfegruppen skeptisch gegenüber. Für Betroffene aber kann das Angebot von unschätzbarem Wert sein. Sie erzählen in Selbsthilfegruppen oft das erste Mal anderen Menschen von ihrem Problem und machen so den ersten Schritt aus der Sucht.
Anonyme Selbsthilfegruppen arbeiten nach dem Prinzip der
"A.S." sind "Anonyme Sexaholiker". Unter ihnen sind diejenigen, die Sex mit häufig wechselnden Partnern praktizieren, zu gefährlichen Praktiken übergehen, häufig Sex mit Prostituierten haben oder viel Geld in Sexshops ausgeben. Hier sind tendenziell mehr Männer als Frauen vertreten.
Bei "S-Anon" sind Angehörige zusammengeschlossen, die unter der Sexsucht ihres Partners leiden.









