Potenz & Impotenz
Impotenz - Wenn Mann nicht kann
Ein vergeblicher Erektionsversuch bedeutet nicht gleich Impotenz. Erst wenn Mann über einen Zeitraum von einem halben Jahr keine Gliedsteife mehr erreichen kann und Geschlechtsverkehr nicht mehr möglich ist, spricht der Mediziner von einer Erektionsstörung. Als Ursachen kommen sowohl körperliche als auch seelische Faktoren in Frage.
Mediziner gehen heutzutage davon aus, dass Erektionsprobleme zu einem Drittel auf organische, zu einem Drittel auf psychische und zu einem Drittel auf eine Kombination aus beiden Faktoren zurückzuführen sind. Seelische Probleme können Lust und Libido nachhaltig stören. Ihre Ursachen liegen in der überdurchschnittlichen beruflichen Beanspruchung mancher Männer, können aber auch in der Partnerschaft oder in der Persönlichkeit selbst zu finden sein. Permanenter Stress ist der größte Feind der Leidenschaft. Gibt die Psyche dem andauernden Termin- und Entscheidungsdruck nach, ist ein vermindertes Interesse am Geschlechtsverkehr (Libido-Verlust) die Folge. Die Partnerschaft kommt unter diesen Umständen oft zu kurz. Die eigenen und die gegenseitigen Erwartungen werden nicht mehr erfüllt. Daraus resultieren Frust und Beziehungskrisen.
Wenn der Haussegen erst einmal schief hängt, bleiben Sexualität und Harmonie oft auf der Strecke. Gefühle von Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit sorgen für eine andauernde Anspannung. Wer unter Angst und Depressionen, Midlife-Krisen und sexuellen Hemmungen leidet und sich unter Erwartungs- und Leistungsdruck stellt, empfindet weniger Lust. Bleibt eine Erektion aus, wächst beim Mann sehr schnell die Angst, dasselbe könnte beim nächsten Mal wieder passieren. Diese Angst bedeutet Stress. Mann versucht es trotzdem - Mann scheitert. Der Stress steigt und die Versagenswahrscheinlichkeit auch. Ein Teufelskreis hat begonnen. Um sich nicht erneut eine Blöße zu geben, ziehen viele Männer sich zurück. Dieser Rückzug verursacht Probleme in der Partnerschaft, die sich wiederum negativ auf die Libido auswirken. Der Teufelskreis geht weiter...
Die Erektion
Um eine Erektion auszulösen, müssen Nerven, Muskeln und Blutzufuhr optimal aufeinander abgestimmt funktionieren. Nur wenn sich die nerven- und muskelregulierten Hohlräume im Penis (Schwellkörper) ausreichend mit Blut füllen können, wird eine Gliedsteife erreicht. Durch zahlreiche körperliche Faktoren kann dieses Erektionssystem empfindlich gestört werden. Neben Psychopharmaka und Blutdruckmedikamenten beeinträchtigen Krankheiten und Beschwerden, die sich auf das Gefäß- und Nervensystem auswirken, die Erektion. Durch Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck und Nikotinmissbrauch kann die Blutzufuhr in den Penis gestört werden. Die Gefäße sind hierbei verengt und bremsen den Blutdurchfluss so stark, dass eine Gliedsteife nicht zustande kommen kann. Bandscheibenvorfall, Rückenmarksverletzungen und ein fortgeschrittener Diabetes mellitus beeinträchtigen dagegen die Funktion der Nerven. Diese geben bei sexueller Erregung Signale an Muskeln und Gefäße weiter. Funktionieren sie nur eingeschränkt, bleibt die Erektion aus.
Mann kann
Erektionsproblemen und ihren körperlichen wie psychischen Ursachen kann auf verschiedene Arten begegnet werden. Wenn Sie spüren, dass sich Ihre Sexualität verändert hat, sind Sie nicht mehr derselbe - und Sie sind unzufrieden.
Nutzen Sie diese Gelegenheit für ein kurzes Brainstorming:
- Wann waren Sie das letzte Mal glücklich in Ihrer Beziehung?
- Hat sich seitdem etwas verändert?
- Wenn ja, was?
- Welches ist der erste Gedanke, wenn Sie den Namen Ihrer Partnerin hören?
- Versuchen Sie auf den Punkt zu bringen, was Ihnen fehlt!
Männer können sich selbst helfen, indem sie den Gründen für sexuelle Schwierigkeiten gezielt nachgehen. Wer dagegen Potenzprobleme verdrängt, macht sie nur noch schlimmer.
Anhaltspunkte zur Selbsttherapie: Erkennen Sie sich wieder?
- Ich fühle mich in meiner Haut nicht wohl.
- Ich fühle mich ausgepowert.
- Ich bin unbefriedigt.
- Ich genieße den Höhepunkt nicht mehr.
- Ich fühle mich überfordert.
- Ich mache mir Sorgen.
- Ich bin nicht erregt.
- Ich habe keine Lust mehr auf Sex mit meiner Partnerin.
- Ich habe Angst zu versagen.
- Ich bin als Liebhaber nicht gut genug.
- Ich fühle mich minderwertig.
- Ich will meiner Partnerin nicht nah sein.
Als medizinisch wirksam bei körperlichen Erektionsproblemen gelten Gefäß erweiternde Substanzen, die direkt in die Schwellkörper des Penis gespritzt werden. Diese Auto-Injektionen helfen schnell, haben in Einzelfällen allerdings zu Dauererektionen geführt. Ungefährlicher ist dagegen, mit einer Vakuumpumpe eine Erektion zu erzeugen. Durch Pumpen wird dabei mechanisch ein Unterdruck erzeugt, der das Blut in die Hohlräume fließen lässt. Spritzen wie Pumpen, so die Erfahrung vieler Paare, zählen nicht gerade zu den romantischen Liebes-Accessoires und entpuppen sich rasch als hinderlich für ein ungestörtes Vorspiel.
Als Alternative gilt ein operativer Implantat-Einsatz. Dabei werden die vorhandenen Schwellkörper gegen flexible Kunststoffkörper ausgetauscht - eine Maßnahme, die allerdings erst dann in Erwägung gezogen werden sollte, wenn alles andere nicht hilft. Natürlicher geht es mit Aphrodisiaka wie Spanischer Fliege, Austern und Aromen, Blütenpollen, Bitterstoffen und Ginseng zu. Eine Wirkung konnte wissenschaftlich allerdings nicht nachgewiesen werden. Lediglich das aus Baumrinde gewonnene Yohimbin wird in der verschreibungspflichtigen Verabreichung bei leichten Störungen erfolgreich eingesetzt.
Mit Viagra das blaue Wunder erleben
Die männliche Potenz wird durch Hormone gesteuert. Diese Botenstoffe leiten die Gliedsteife ein und regulieren, wie lange sie andauert. Eine halbe bis eine Stunde nach der Einnahme sorgt die seit 1999 auch in Deutschland zugelassene blaue Potenzpille Viagra dafür, dass die erektionsfördernden Hormone langsamer als üblich abgebaut werden. Die Verlängerung einer natürlichen Erektion ist die Folge. Davon profitieren Personen, deren Potenzschwäche auf leichte psychische Faktoren, eine Rückenmarksverletzung oder einen dezenten Diabetes zurückzuführen ist. Je gravierender die psychischen Auslöser, desto weniger wirksam ist das Medikament. Auch bei Gefäßerkrankten mit einer fortgeschrittenen Arteriosklerose (Verkalkung der Gefäße) oder bei Diabetes-Spätfolgen ist Viagra machtlos.
Angesichts möglicherweise auftretender Nebenwirkungen sollte die Einnahme nur nach Absprache mit einem Arzt erfolgen. Der Wirkstoff Sildenafil greift nach der Einnahme nicht nur in den Hormonkreislauf des Geschlechtsorgans, sondern in den des ganzen Körpers ein. Das wirkt sich vor allem auf das Herz-Kreislauf-System und die Lichtwahrnehmung aus. In hoher Dosierung bewirkt Viagra eine Störung des Farbsehens. Probanden berichteten außerdem über Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden. Riskant sind die Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen. Der Hersteller warnt ausdrücklich davor, Viagra in Kombination mit blutdrucksenkenden Präparaten, Mitteln gegen Diabetes, AIDS-Medikamenten und Antibiotika einzunehmen. Zusammen mit dem Gefäß erweiternden Stimulantium "Poppers" können tödliche Nebenwirkungen auftreten.
Das Schweigen brechen
Probleme in einer Beziehung betreffen nicht einen Partner allein, sondern beide und können nur von beiden gemeinsam gelöst werden. Das wichtigste Instrument dazu ist das Gespräch. Auch Sexualität ist eine Form von Gespräch, Frage- und Antwortspiel, ein Geben und Nehmen. Beziehungsprobleme beginnen dort, wo einer der Partner keine Lust mehr hat zu fragen oder der andere das Interesse verloren hat zu antworten. Hier können Sie im Gespräch ansetzen:
- Gehen Sie den Gründen für Ihr Schweigen nach.
- Sprechen Sie über das, was Sie vermissen.
- Überlegen Sie gemeinsam, wodurch es verloren gegangen ist.
- Finden Sie heraus, was Sie tun können, um es zurückzugewinnen.
Kommunikation in einer Beziehung - sei es in Form von Gespräch oder Sexualität - kann aktiv gestaltet werden. Verwirklichen Sie Ideen und Fantasien! Gehen Sie auf Entdeckungsreise mit Ihrer Partnerin! Lernen Sie neue Vokabeln und finden Sie Antworten auf das, was Sie wollen und wie Sie es (wieder) bekommen können.
Auch der Gang zum Therapeuten kann helfen. Es gibt Psychotherapien mit verhaltenstherapeutischem Ansatz, die sich als sehr wirkungsvoll erwiesen haben. Zwei unterschiedliche Therapie-Arten kommen in Frage: die Einzelpsychotherapie und die Paarpsychotherapie. In der Einzeltherapie stehen Sie im Vordergrund. Sie erarbeiten zusammen mit dem Therapeuten, was Sie an Ihrer Sexualität stört und wie Sie es ändern können. Negative Empfindungen wie Ängste, Unsicherheit, Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit können thematisiert werden. Die zentrale Frage aber lautet: Was können Sie konkret tun, um sich von ihnen zu befreien?
Bei der Paarpsychotherapie werden dagegen Probleme, die erst in der gemeinsamen Sexualität entstehen, praktisch angegangen. Sie betreffen die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin, Ihre gemeinsamen, körperlichen und sinnlichen Erfahrungen. Bevor Sie beide den Profi fragen, einigen Sie sich über das gemeinsame Ziel der Therapie. Wo stehen Sie beide? Wo wollen Sie hin? Haben Sie schon eine Idee, was Sie ändern könnten? Sowohl die Einzel- als auch die Paarpsychotherapie werden von Betroffenen als eine deutliche Entlastung und Erleichterung empfunden. Adressen finden Sie in den Gelben Seiten unter der Rubrik "Psychotherapie". Kontaktadressen vermitteln auch die Pro-Familia-Beratungsstellen.









