
Vaginismus
Wenn die Scheide verkrampft
Vaginismus bedeutet nicht, dass der Penis nach dem Einführen in die Scheide infolge eines Krampfes dort stecken bleibt. Diese Zeitungsente hält sich hartnäckig und täuscht über die tatsächlichen Probleme der betroffenen Frauen hinweg. Denn für sie bedeutet die Diagnose Vaginismus nicht selten eine lange Suche nach Ursachen und Behandlungsmethoden.
Beim Vaginismus führen reflexartige Krämpfe der Beckenmuskulatur zu einer Verengung der Scheide. Nach Angaben der Abteilung für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) leiden daran etwa 10% aller Frauen, die wegen einer sexuellen Störung in Behandlung sind. Die Betroffenen können die Scheidenkrämpfe nicht kontrollieren. Oftmals reicht die Vorstellung aus, Sex zu haben oder einen Tampon einzuführen, um den Vaginismus auszulösen. Die verkrampfte Muskulatur führt mitunter zu starken Schmerzen.
Ursache liegt oft in der Kindheit
Ein Scheidenkrampf hat psychische Ursachen. "Vaginismus ist eine Angstreaktion", erklärt eine Psychotherapeutin der Sexualberatungsstelle am UKE. Aber es steckt nicht zwangsläufig ein sexueller Missbrauch dahinter. Auch Erlebnisse, die als Grenzverletzung empfunden werden, können später Scheidenkrämpfe auslösen. "Das können z.B. medizinische Untersuchungen in der Kindheit sein, bei denen ein Tropf, Spritzen oder Geräte für Spiegelungen und Einläufe in den Körper eingeführt wurden", erläutert die Expertin.
Eine Körpertherapie kann helfen
Die Beratungsstelle am UKE rät zu einer Psychotherapie. Ein bewährter Schritt auf dem Weg zur Heilung ist die Körpertherapie. Die Patientinnen erkunden zu Hause und in Eigenregie den eigenen Körper mit ihren Händen und einem Spiegel. Je nach Fall kann es sinnvoll ein, den Partner in die Therapie einzubeziehen. Als Hilfsmittel bei der Behandlung von Vaginismus werden außerdem so genannte Dilatoren benutzt. Diese konischen Stäbchen dienen in der organischen Medizin zum Weiten des Muttermundes. Bei der Körpertherapie erfüllen sie einen anderen Zweck. "Die Patientin kann sich mithilfe der Dilatoren langsam wieder mit dem Gefühl vertraut machen, etwas in die Scheide einzuführen", sagt die Psychotherapeutin des UKE. "Und zwar nicht 'um die Frau wieder fit für den Penis eines Mannes zu machen', sondern damit sie wieder entspannt mit ihrer Sexualität umgehen kann."











