Sexualität
Wie Spermien das Immunsystem austricksen
Sie sind klein, flink und besonders widerstandsfähig. Gemeint sind die Keimzellen des Mannes. Jetzt sind Forscher hinter das Geheimnis der resistenten Schwimmer gekommen.
Das Immunsystem des Körpers ist unermüdlich im Einsatz. Alles, was körperfremd ist, wird erkannt und über verschiedene Abwehrmechanismen unschädlich gemacht; alles, mit Ausnahme der männlichen Keimzellen. Auf ihrem Weg zur Eizelle müssen sie eine beschwerliche Strecke zurücklegen, auf der an jeder Ecke Zellen der Immunabwehr lauern. Doch während diese sonst wenig zurückhaltend sind, wenn sich Eindringlinge anmelden, lassen sie die Spermien unbeschadet passieren. Und das ist gut so, denn sonst wären die Chancen für Nachwuchs sehr gering.
Bisher suchten die Mediziner vergebens nach Erklärungen für das fruchtbare Phänomen. Nun stiegen Forscher des Imperial College London zumindest teilweise hinter die Ursachen der untätigen Immunabwehr. Sie entdeckten, dass Spermien für das Immunsystem regerecht unsichtbar sind.
Verantwortlich dafür ist ein Glycoprotein auf ihrer Zelloberfläche. Dieses Protein scheint dem Immunsystem zu signalisieren, dass die Keimzellen nichts Böses im Schilde führen und keine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Steward Haslam und sein Team konnten noch nicht endgültig aufklären, wie genau diese Kappe aus Zuckerproteinen funktioniert. Sie fanden jedoch heraus, dass sich nicht nur die Keimzellen mit ihr schmücken. Auch eine Reihe von Krankheitserregern scheint die Proteine auf ihrer Oberfläche zu tragen, um eine Immunantwort zu umgehen. Zu den Erregern mit einer Glycoprotein-Kappe zählen laut den Forschern etwa HIV und bestimmte Krebszellen.
Diese Erkenntnisse könnten für die Entwicklung neuer Therapieformen bei HIV-Infektion und Krebs von großem Nutzen sein, so Steward Haslam. Bis es soweit ist, müsse man allerdings noch den genauen biochemischen Vorgängen auf die Schliche kommen, denn nur so könne man einen Weg finden, den Tarnmechanismus der Krankheitserreger unwirksam zu machen.









