Liebesrausch
Die Macht der Liebeshormone
Auch wenn es im Bauch kribbelt: Liebe entsteht im Kopf. Hormone versetzen den Körper in einen Ausnahmezustand und sorgen für den Rausch der Sinne.
Ungeahnte Energien werden freigesetzt, das Herz schlägt einen unbekannten Takt, Schmetterlinge nisten sich im Magen ein, Unruhe regiert Körper und Geist und lässt einen schlaflos und ohne jeden Appetit durch die Tage sehnen. Wenn einen die Liebe erwischt, wird die Welt auf den Kopf gestellt. Forscher sind den Ursachen des Mysteriums Liebe auf die Schliche gekommen und wissen: Was vielen so rätselhaft erscheint, ist im Grunde ein physiologischer Vorgang. Das Gehirn frisch Verliebter kurbelt zahlreiche Prozesse an und setzt eine ganze Reihe molekularer Botenstoffe frei, die wiederum ein Feuerwerk an rauschhaften und euphorischen Empfindungen entfachen.
Appetitlos und doch voller Energie
Hungrig ist man in Phasen des Verliebtseins vor allem auf den Partner, während Leckereien aus dem Lieblingsrestaurant plötzlich wenig verlockend scheinen. Hinter diesem Phänomen verbirgt sich das Hormon Phenylethylamin, ein körpereigenes "Dopingmittel" aus der Gruppe der Amphetamine, das unter anderem als Appetitzügler wirkt. Trotz gähnender Leere im Magen strotzen Verliebte nur so vor Kraft. Dieses Energiehoch verdanken wir dem "Aufputschmittel" Adrenalin, das Herzklopfen, weiche Kniee und Schlaflosigkeit verursacht, und dem Hormon Dopamin, das im Belohnungssystem des Gehirns ausgeschüttet wird und euphorisch stimmt.
Wenn sich bei einer Frau Herzklopfen und Bauchkribbeln einstellen, steigt außerdem die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron im Blut und damit die sexuelle Lust. Gleichzeitig sinkt bei frisch verliebten Männern der Testosteronspiegel. Somit gleichen sich die Geschlechter einander an. Manche Forscher vermuten, dass es beiden so leichter fällt, die Macken und Besonderheiten des Partners zu akzeptieren. Eine andere Vermutung besagt, dass Männer so sanfter werden und eine höhere Bereitschaft entwickeln, sich auf eine feste Partnerschaft einzulassen.
Verrückt vor Liebe
Während jene Gehirnreale, die Dopamin produzieren, angekurbelt werden, wann immer frisch Verliebte an ihren Partner denken, sind andere Areale des Gehirns regelrecht ausgeschaltet. Dazu gehören vor allem jene Regionen, die für negative Emotionen und sozialkritisches Verhalten verantwortlich sind. Die rosarote Brille trübt somit tatsächlich den Blick für die Realität, und der Partner erscheint selbst dann makellos und fehlerfrei, wenn er schräge Töne zum Lieblingssong produziert.
Eine weitere Nebenwirkung des Liebesrauschs ist ein Mangel an Serotonin im Blut. Der Serotoninspiegel erreicht ähnlich niedrige Werte wie der eines Suchtkranken. Wie diese können sich frisch Verliebte nur noch mit einer einzigen Sache beschäftigen, die Gedanken kreisen sich obsessiv um den Partner. Wahrscheinlich ist der niedrige Spiegel des Botenstoffs auch dafür verantwortlich, dass sich Menschen, die auf Wolke sieben schweben, häufig völlig irrational verhalten.









