Lockstoffe & Reize
Poologie: Der Reiz des weiblichen Hinterns
Apfel oder Birne? Vor allem zwischen diesen beiden Varianten bewegt sich der Geschmack von Männern - zumindest wenn es um den weiblichen Po geht. Welcher Hintern entzückt, hängt auch von den gesellschaftlichen Schönheitsidealen ab, hat die Kulturwissenschaftlerin Dr. Ingelore Ebberfeld festgestellt. Immer gelte jedoch: Das wichtigste erotische Lockmittel der Frau ist ihr Po.
Mit einem Feigenblatt vor dem Geschlecht, nicht vor dem Gesäß, so kennen wir Eva von Abbildungen. Doch das bedeute nicht, dass das Hinterteil keine erotische Ausstrahlung besitze. Im Gegenteil. Es schien nur stets unverfänglicher, Damen von achtern abzubilden als von vorn, berichtet die Bremer Kulturwissenschaftlerin Dr. Ingelore Ebberfeld in einer dreiteiligen Arbeit über Gesäßerotik für die "Zeitschrift für Sexualmedizin" der "Medical Tribune". Doch Künstler wussten, was sie mit den in Stein gehauenen oder gemalten nackten Tatsachen vermittelten - die Aufforderung zum Beischlaf nämlich. Der Vorteil des Gesäßes: Männer könnten es ungeniert anschauen. Schließlich hätten auch Frauen hinten keine Augen, meint Ebberfeld.
Heute gilt: "Schau mir in die Augen, Kleiner."
Ursprünglich ging es aber nicht um ungestrafte Blicke auf den Po. In archaischen Zeiten sei es entscheidend gewesen, im richtigen Moment den richtigen Geruch abzugeben und den Hintern hinzuhalten, um sich fortzupflanzen, berichtet Ebberfeld. A tergo, also von hinten, und nicht face-to-face sei die klassische Paarungsstellung von Säugetieren. Dann hätten sich die Menschen vom Boden erhoben und fortan ins Gesicht geschaut. Ebberfeld: "Männer haben gelernt, einer Frau mit großem Ausschnitt nicht stier ins Dekolletee, sondern züchtig in die Augen zu schauen." Beim Po sei das anders.
Lopez-Po gilt als runde Sache
Lange war ein flacher Barbie-Po in, doch mittlerweile gelte ein wohl geformter, ausladender Po als runde Sache, berichtet Ebberfeld. Das Hinterteil der Schauspielerin und Sängerin Jennifer Lopez bringe Männer ins Schwärmen und Frauen in Fitnessstudios oder sogar zu plastischen Chirurgen. Doch warum übt gerade ein gerundetes weibliches Gesäß eine solche Faszination bei der Partnerwahl aus? Diese Frage beantwortet Ebberfeld mit Hans Peter Duerr. Der Ethnologe und Kulturhistoriker erklärt die sexuelle Attraktivität einer Frau mit vorhandenen Fettreserven, die sich neben den Brüsten auch am Po sammeln. Diese Ressourcen seien vor allem in der Schwangerschaft und Stillzeit von Nutzen: "Frauen mit genügend Fett können Kinder bekommen und diese auch in schwierigen Zeiten versorgen", lautet die entwicklungsgeschichtliche Erkenntnis.
Hüfthosen gewähren erotische Einblicke
Klein oder groß? Auch schon früher gab es unterschiedliche Po-Ideale, erläutert Expertin Ebberfeld. Von 1870 bis 1880 etwa sei der "cul de Paris" Mode gewesen. Das war ein mächtiger Hottentotten-Hintern, der mithilfe von Samtpolstern nach oben gewölbt wurde. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe die japanische Mittelschicht einen zierlichen Po bevorzugt. Zur gleichen Zeit sei aber im arabisch-orientalischen Raum eher ein massiger Hintern geschätzt worden. Damals wie heute wird der Allerwerteste in Szene gesetzt. Tief sitzende Hüfthosen geben bei vielen Frauen den Blick auf einen meist knappen Slip frei, bei Männern eher auf Boxershorts. Der weibliche Geschmack bezüglich Männer-Pos ist übrigens stets gleich geblieben. Klein, knackig und muskulös soll er sein. Warum nur? Dem will Ingelore Ebberfeld vielleicht demnächst nachgehen.
Quellen:









