Phytopharmaka im Kommen
Pflanzenarznei wird immer beliebter
Das Vertrauen in die Phytotherapie ist hierzulande groß: Deutschland hat in der EU den höchsten Marktanteil an pflanzlichen Präparaten. Viele Frauen und Männer fürchten bei chemischen Präparaten nämlich die Nebenwirkungen, hat die Allensbach-Studie Naturheilmittel 2002 ergeben. Auch viele Schulmediziner raten in bestimmten Fällen zu pflanzlicher Arznei.
Gut über 70% der Bevölkerung nehmen heute Phytopharmaka ein. Eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts von 2002 zeigt, dass neun von zehn Patienten mit der Wirkung der Präparate zufrieden sind. Auch Fachleute haben großes Vertrauen in die Phytotherapie: 36% der Befragten wurde ihr Präparat vom Arzt empfohlen, 32% kauften es auf Anraten des Apothekers.
Auch Schulmediziner empfehlen Johanniskraut
So rät der Schlafforscher Prof. Göran Hajak in der Ärzte Zeitung bei leichten Schlafstörungen zu einem Versuch mit Naturpräparaten wie Baldrian, Hopfen, Johanniskraut und Passionsblume, die kaum Nebenwirkungen haben. Auch bei Patienten, die wegen einer chronischen Erkrankung wie des Herz-Kreislauf-Systems depressiv werden, könne sich eine Behandlung mit dem Phytopharmakon Johanniskraut-Extrakt lohnen, meint der Neurologe und Psychiater Diethard Müller aus Ilmenau ebenfalls in der Ärzte Zeitung. Das Präparat sei gut verträglich und in der Einnahme einfach zu handhaben.
Studien belegen die Wirksamkeit von Phytopharmaka
Es gibt immer mehr Erfolgsmeldungen über pflanzliche Wirkstoffe - auch wenn manche Stellen ihnen noch skeptisch gegenüber stehen und die Erstattung von Phytopharmaka durch die Krankenkasen mit Argwohn betrachten. So berichtet etwa das Deutsche Ärzteblatt, dass der Ginkgo-biloba-Spezialextrakt EGb 761 bei Patienten mit Demenz die Hirntätigkeit genauso gut aktiviert wie chemische Arzneien. Dies hätten Messungen der Hirnströme (EEG) bestätigt. Bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz könne der Weißdorn-Spezialextrakt WS 1442 Weißdorn-Extrakt die Durchblutung des Herzens verbessern, den Herzrhythmus regulieren und die Herzfunktion kräftigen, heißt es in einem anderen Artikel des Deutsche Ärzteblatts.
Trotz der positiven Einschätzung der Phytotherapie halten Ärzte sich bei der Verordnung von pflanzlichen Präparaten zurück. Nach Angaben des Komitees Forschung Naturmedizin stiegen 2001 die Ausgaben für rezeptpflichtige Präparate um 12%, die für rezeptfreie Arzneien, zu denen die meisten pflanzlichen Präparate gehören, dagegen nur um 1%. Das widerspricht den Vorstellungen der Versicherten: Schließlich wünschen sich der Emnid-Umfrage zufolge 93% der Befragten sowohl synthetische als auch pflanzliche Arzneimittel als Kassenleistung.






