Person & Seele
Wenn psychische Leiden den Körper in Mitleidenschaft ziehen
Immer mehr Menschen leiden unter Beschwerden, die nicht auf organischen Ursachen zurückgehen. Vom Teufelskreis und den Heilungschancen psychosomatischer Krankheiten ?
Im Kopf hämmert es, der Rücken schmerzt, in den Lenden zieht es und doch lautet die Diagnose des Arztes bisweilen: Patient gesund. Wenn sich keine organischen Ursachen finden lassen, beginnt für viele Patienten ein Teufelskreis. Dabei lassen sich psychosomatische Erkrankungen längst gezielt diagnostizieren und erfolgreich behandeln.
Mit dem Begriff der Psychosomatik beschreibt der Mediziner das Zusammenspiel von Seele und Körper. Die Liste der möglichen Wechselwirkungen ist lang. Nahezu jedes körperliche Symptom kann auf eine Erkrankung der Psyche zurückgehen. Häufige Beschwerden sind Herzschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, Asthma, Hautausschlag, chronische Rücken- oder Lendenschmerzen, Tinnitus und Kopfscherzen.
Immer mehr Menschen betroffen
Immer mehr Menschen klagen über körperliche Beschwerden, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen. Das liegt zum einen an der besseren und schnelleren Diagnose, die sich nicht zuletzt auf die Aufklärungsarbeit der Medien in den letzten Jahren zurückführen lässt. Die Fälle, in denen Betroffene von Arzt zu Arzt weitergereicht werden, weil sich keine körperlichen Ursachen für die Beschwerden finden lassen, nehmen kontinuierlich ab.
Einen anderen Grund für die tatsächliche Zunahme vermuten Forscher in den stetig wachsenden Anforderungen, die an den Menschen gestellt werden. Das können etwa vermehrter Leistungsdruck und Dauerstress am Arbeitsplatz sein.
Wie psychosomatische Erkrankungen entstehen
Ein möglicher Grund für die Entstehung psychosomatischer Beschwerden kann die Fehldeutung von Körperanzeichen sein. So ist es möglich, dass ein Patient mit Rückenbeschwerden nach der Genesung jedes noch so kleine Anzeichen einer körperlichen Veräderung als Warnsignal sieht.
Ein anderer Grund ist im Umfeld der Betroffenen zu suchen. So können sich Überforderung und Dauerstress körperlich bemerkbar machen. Dabei sind die Übergänge häufig fließend. Ein erhöhter Blutdruck, der von ständigem Stress herrührt, kann etwa auf Dauer die Gefäße überlasen. In diesem Zusammenhang ist gerade Stress, der nicht als solcher wahrgenommen wird, eine große Gefahr.
Therapieformen bei psychosomatischen Erkrankungen
Diagnostizierte psychosomatische Krankheiten lassen sich erfolgreich behandeln. In einem ersten Schritt geht es darum, das Verhalten zum eigenen Körper zu verbessern. Bei Verspannungen der Muskeln stehen etwa bewusste Techniken wie Übungen zur Lockerung und Entspannung im Vordergrund. Magenprobleme dagegen lassen sich häufig mit festen Essenszeiten und anschließenden Ruhezeiten lindern.
Wenn solche Maßnahmen nicht ausreichen, kann der Psychiater oder Psychotherapeut weiterhelfen. In einer ambulanten Therapie klärt er die Hintergründe der psychosomatischen Erkrankung ab und vermittelt Entspannungsverfahren. In schwereren Fällen können Psychotherapeutika unterstützend eingenommen werden.
Nur 20 Prozent der Patienten kann mit einer ambulanten Therapie nicht geholfen werden. In diesem Fall bietet sich eine intensivere Behandlung an, die nur eine stationäre Behandlung ermöglicht. Verhaltens- und Gesprächstherapien helfen den Patienten dabei, den Teufelskreis von Überforderung und körperlichen Beschwerden zu durchbrechen und schnell zu genesen.









