Person & Seele
Ehrenamt macht froh - einen selbst ebenso
Ein Rentner macht mit Flüchtlingskindern Schulaufgaben, eine Journalistin hilft ehemaligen NS-Zwangsarbeitern eine Entschädigung zu bekommen, ein Philosophiestudent trainiert eine Jugendmannschaft im Basketball - alles ehrenamtlich. So nützen sie anderen, aber auch sich selbst. Denn Freiwilligenarbeit stärkt das Selbstvertrauen und kann sogar einen Rausch auslösen, Helper`s High genannt.
Freiwilligenarbeit in Deutschland. Tendenzen im Überblick
Rund 22 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland über 14 Jahren, also 34%, sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Verbänden, Initiativen oder Projekten aktiv. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Befragung, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1999 durchführen ließ. Für den so genannten Freiwilligensurvey 1999 wurden knapp 15.000 Männer und Frauen in Deutschland telefonisch zu ihrem freiwilligen Engagement befragt.
Was treibt Ehrenamtliche: Altruismus oder Egoismus?
Welche Motive haben Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren? Freiwilligenarbeit zu leisten, sei für sie eine wertvolle und wichtige Erfahrung, sagten die meisten Befragten im Freiwilligensurvey. Danach wollen sie etwas fürs Gemeinwohl tun und anderen Menschen helfen. Gleichzeitig soll die Arbeit aber auch Spaß machen. 75% der Engagierten ist es darüber hinaus wichtig, Kenntnisse und Erfahrungen zu erweitern. Für 20% ist ein möglicher beruflicher Nutzen von Bedeutung. Dies gilt vor allem für Jüngere, fanden die US-Wissenschaftler Mark Synder, E. Gil Clary und Arthur Stukas heraus. Ältere suchen durch freiwillige Aktivitäten eher Abwechslung, stellte die finnische Forscherin Anne Brigitta Yeung fest. Ein weiteres wichtiges Motiv quer durch alle Altergruppen ist laut Synder und Kollegen: Freiwilligenarbeit ist gut fürs Ego, es stärkt das Selbstwertgefühl. Also Egoismus statt Altruismus als Triebsfeder für ehrenamtliche Arbeit?
Helfen schüttet Glückshormone aus
"Helfen ist ein menschliches Bedürfnis", meint der US-Gesundheitsexperte Allan Luks. Altruismus sei der Name für diesen natürlichen Wunsch des Menschen zu helfen. Dieses Verhalten nütze anderen, aber auch der Helfer fühle sich gut dabei. Sehr gut sogar. Helfen habe eine heilende Kraft. Forschungen zeigten, dass der Körper dabei entspanne und Glückshormone ausschütte. Des Weiteren reduziere Helfen Stress, weil es wie eine Art Meditation wirke: Für andere da zu sein, richte die Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb des eigenen Selbst. In Studien stellte Luks ein Hochgefühl bei ehrenamtlich Tätigen fest. Dieses "Helper`s High äußert sich laut Luks als zunehmende Wärme im Körper. Manche verspürten sogar mehr Energie und Kraft. Die Folge des rauschähnlichen Zustandes sei die Ausschüttung von glücklichmachenden Endorphinen. Voraussetzung für ein Helper`s High seien allerdings drei Dinge, hat Luks beobachtet: Das Engagement muss regelmäßig sein, es muss einen persönlichen Kontakt zwischen Helfer und Hilfsbedürftigem geben und es muss sich um Fremde handeln. Warum Fremde? Bekannte Menschen erwarteten Hilfe, so Luks. Das schränke die eigene Kontrolle ein. Die aber ist wichtig, um Stress reduzieren zu können.
- Frauen anders aktiv als Männer
Frauen und Männer engagieren sich unterschiedlich. Frauen sind stärker familienbezogen und sozial bestimmt. Männer bevorzugen Bereiche mit Berufsrelevanz und Prestige. Mit 30% sind Frauen in geringerem Maße freiwillig tätig als Männer (38%). Ein Grund: Frauen mit kleinen Kindern schränken ihre freiwillige Tätigkeit oft ein. Männer dagegen sind in dieser Zeit überproportional ehrenamtlich aktiv. - Junge engagieren sich doch
Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren sind mit 37% überdurchschnittlich aktiv beim freiwilligen Engagement. Das widerspricht der landläufigen Meinung, Jugendliche seien uninteressiert an gesellschaftlichen Belangen. Allerdings zieht es Junge mittlerweile eher in Initiativen und Projekte, weg von zementierten hierarchischen Strukturen, wie sie z.B. in Parteien herrschen. - Ältere wollen durch ihre Hilfe teilhaben
Bei älteren Menschen zwischen 60 und 70 Jahren liegt der Anteil an ehrenamtlich Aktiven bei 31%. Je älter die Menschen, umso wichtiger ist das Engagement für das persönliche Wohlempfinden. Acht von zehn freiwillig Engagierten über 60 Jahren sagen: "Das Engagement ist mir wichtig, um teilzuhaben und in der Gesellschaft anerkannt zu werden." - Meiste freiwillige Arbeit wird im Sport geleistet
Spitzenreiter bei den ehrenamtlichen Tätigkeiten ist der Sport. Es folgen: Schule und Kindergarten, Freizeit und Geselligkeit, dann kirchlich-religiöse Bereiche sowie Kultur und Musik. - Fünf Stunden und mehr pro Woche
Im Schnitt leistet jeder Freiwillige fünf Stunden in der Woche unbezahlte Arbeit. Jeder dritte unter den ehrenamtlich Engagierten wendet allerdings mehr als fünf Stunden wöchentlich auf.









