Person & Seele
Wer Dampf ablässt, verstärkt seinen Ärger
Nach einem ärgerlichen Telefonat den Hörer auf die Gabel werfen oder ein Streitgespräch durch Türenknallen beenden: Viele Menschen glauben, ein Wutanfall würde sie von ihrem Ärger befreien. Doch sie irren. Jemand, der seiner Wut Luft macht, verstärkt sie nur. Dabei hat Wut ein großes Veränderungspotenzial. Wer lernt, sich "richtig" zu ärgern, lebt länger, gesünder und erfolgreicher.
Cool down! Die besten Wutkiller
Experten sind sich einig: Das Gehirn ist kein Dampfkessel, in dem negative Gefühle Druck aufbauen, den Menschen gelegentlich ablassen müssen, damit sie nicht platzen. Im Gegenteil haben Studien gegeben, dass Wutanfälle Ärger eher noch steigern. Zwar werden manche nun einwenden: "Wer Ärger in sich hineinfrisst, wird krank. Deshalb muss man seine Wut rauslassen." Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Es stimmt zwar, dass unterdrückter Ärger z.B. Bluthochdruck oder Magengeschwüre begünstigt. Wutanfälle jedoch sind noch viel schädlicher für die Gesundheit, hat ein nordamerikanischer Herzspezialist herausgefunden. Er stellte fest: Menschen, die ihrem Ärger Luft machen, haben eine geringere Lebenserwartung, als die, die ihre Wut herunterschlucken. Denn ein Wutausbruch beseitige den Ärger nicht, vielmehr koche er innerlich weiter. Und Wut schadet der Gesundheit: Sie steigert beispielsweise die Blutfettwerte, schädigt Herz und Gefäße und erhöht dadurch das Risiko für einen Schlaganfall oder Infarkt. Bei einem Anfall wird der Körper in Alarmbereitschaft gesetzt, so produziert er etwa Adrenalin und die Muskeln spannen an. Diesen Stress wieder abzubauen, braucht es lange.
- Aggressivität führt selten zum Ziel
Wer wütend ist, fühlt sich getroffen und verletzt. Seine Erwartungen, Interessen oder Bedürfnisse wurden enttäuscht. Wut ist Angst vor Verlust von Kompetenz, der eigenen Achtung und des Selbstwertgefühls, sagen Psychologen. Zudem zeige sie fehlende Selbstsicherheit. Doch Wut herauszulassen, führt selten zum gewünschten Ziel. Vielmehr schreckt Aggressivität ab. Das Ergebnis können sogar negative Konsequenzen sein. Dabei hat Wut durchaus positive Seiten: Jemand, der wütend ist, will etwas ändern. So kann Ärger Energiereserven mobilisieren. Daher geht es nicht darum, Wut zu verdammen, sondern ihr Potenzial gezielt und effektiv zu nutzen. - Wutpotenzial sinnvoll nutzen
In der konkreten Situation heißt das: Wenn Sie merken, dass Ärger in Ihnen hochsteigt, halten Sie inne. Die Zähne aufeinander beißen und einige Mal tief durchatmen. Hilft das nicht, gehen Sie kurz aus der Situation heraus, um vor sich hinzuschimpfen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Wut nicht direkt gegenüber der betroffenen Person herauslassen. Wenn Sie sich beruhigt haben, analysieren Sie, wo das eigentliche Problem liegt. Dabei ist es ratsam, weniger nach den Ursachen als nach Lösungen für die Zukunft zu suchen. Sprechen Sie die betreffende Person dann an. Äußern Sie Ihren Unmut, aber achten Sie darauf, dass Sie in Ich-Botschaften reden. Die Du-Form könnte Abwehr provozieren. Wichtig: Fragen Sie, wie sich in Zukunft eine solche Situation vermeiden lässt. (mj)









