Person & Seele
Selbstgespräche bauen Stress ab
Eigentlich sprechen wir ständig mit uns selbst, in Gedanken. Wer allerdings auf der Straße laut vor sich hin redet, gilt den meisten als geistig verwirrt oder bestenfalls als unkonzentriert. Dabei machen auch hörbare Selbstgespräche durchaus Sinn: sie mildern Stress, helfen, Gedanken und Gefühle zu sortieren und halten geistig fit. Gute Gründe, den Mund öfter mal aufzumachen.
Kleine Kinder tun es noch ganz selbstverständlich: sie reden vor sich hin, auch wenn sie allein sind. Beispielsweise erzählen sie einem imaginären Spielkameraden, was sie gerade vorhaben, und ob es klappt hat oder nicht. Erst im Alter von etwa fünf Jahren lernen Kinder diesen Dialog nach innen zu verlagern. Zunächst flüstern sie noch, dann bewegnen sie nur noch die Lippen, bis die Selbstgespräche schließlich nur noch in Gedanken geführt werden. So wie es die meisten Erwachsene tun. Nur selten rutscht ihnen etwas raus, z.B. wenn ihnen ein Missgeschick passiert und sie mit sich selbst schimpfen.
Selbstdialog verbessert Erinnerung
Dabei erfüllen Selbstgespräche einen nützlichen Zweck, hat der US-amerikanische Psychologe Dr. Thomas Brinthaupt aus Los Angeles in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen. Sie helfen, die Gedanken besser zu kontrollieren und die Erinnerung zu schärfen. So tragen sie sehr zur geistigen Fitness bei. Und: Kinder, die gerne Selbstgespräche führen, seien später im Leben zielstrebiger, fand Brinthaupt heraus.
Stress geplagt? Auch da können Selbstgespräche helfen, berichtet die US-Ärztin Shari Neufeld von der Cornell University in New York in einem Beitrag für den US-Sender abc. Sie rät dazu, mit Selbstgesprächen dunkle Gedanken zu verscheuchen. Am besten sei es, den Selbstdialog mit einem Spaziergang zu verbinden. Da stört einen niemand, es hört einen keiner und die frische Luft und Bewegung wirken zusätzlich gegen Stress. Mindestens einmal am Tag rausgehen, empfiehlt Neufeld daher.
Mit Selbstgesprächen gegen Wutanfälle
Besser
Nette Worte für sich finden
In Gedanken böse über andere zu reden, ist harmlos, jedenfalls so lange, wie es kein Dauerzustand wird. Bedenklich ist allerdings, dass die meisten Menschen bei ihren inneren Dialogen schlecht über sich selbst sprechen. Sie kritisieren sich, machen sich Vorwürfe, putzen sich herunter, schimpfen sich aus oder reden sarkastisch über sich. Solche Einstellungen prägen auch das Selbstbild, sagen Psychologen. Sie können unsicher, lustlos, trotzig oder unzufrieden machen. Zudem beeinflusst ein negativer Selbstdialog auch die Wahrnehmung der Welt insgesamt. Wer sich selbst ablehnend sieht, verneint oft auch das Leben. Und das gilt auch umgekehrt. Wem die Welt negativ erscheint, der nimmt sich selbst auch so wahr. Daher: Reden Sie nett mit sich.









