Person & Seele
Freunde fördern die Gesundheit
Menschen, die einen Partner und wohlgesinnte Menschen um sich haben, leben länger und können Krisen und Krankheiten besser bewältigen - das zeigen neuste Ergebnisse aus der Gesundheitsforschung. Das gilt sogar noch für angespannte Beziehungen. Vorausgesetzt, der Partner fühlt sich selbst gut unterstützt. Frauen sind hier im Vorteil, ihr soziales Netzwerk ist in der Regel größer.
Wohl dem, der Freunde hat. Denn Freunde fördern die Gesundheit. Durch sie wird man weniger anfällig für Krankheiten und lebt dadurch sogar länger. Das zeigen einige neuere Studien, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Patienten und ihren Angehörigen befassen:
"Menschen, die einen Partner haben, sind glücklicher als Ledige, Verwitwete oder Geschiedene", weiß der Berliner Psychologieprofessor Ralf Schwarzer. Die Beziehung schützt sie gegen Depressionen und andere seelische Störungen - selbst wenn die Beziehung gespannt ist. Durch Trennung oder Tod eines Partners bricht dieser Schutz meistens zusammen. Die Psyche und das Immunsystem empfinden hochgradigen Stress, werden dadurch geschwächt und spielen nicht mehr mit. Der Organismus wird anfälliger für Infektionen und bösartiges Zellwachstum, die zu Krankheit und Tod führen können. Besonders im Jahr nach dem Tod des Partners sind Hinterbliebene stark gefährdet, ebenfalls dahinzuscheiden.
Frauen haben meist ein besseres soziales Netzwerk als Männer
Männer trifft eine Scheidung oder der Tod des Partners stärker als Frauen. Das liegt daran, dass Männer häufig nur eine einzige enge Bezugsperson haben, nämlich ihre Partnerin. Sie hat auf ihr seelisches Wohlbefinden einen erheblichen Einfluss. Entfällt dieser, lässt er sich nicht so schnell ersetzen. Für Frauen sind Männer hingegen weniger wichtig zum Überleben. Sie pflegen meistens ein größeres und engeres soziales Netzwerk, zu dem vor allem Familienangehörige und Freundinnen gehören. Dieses Netzwerk schützt vor tiefen Depressionen und Verunsicherung nach dem Verlust des Partners.
Der Partner kann die Genesung fördern
Ein Partner ist nicht immer eine Garantie für Gesundheit. Wird der Partner als ständige Quelle von Ärger und Stress empfunden, bleibt die wohltuende Wirkung aus. Nur wenn sich Partner beständig austauschen und unterstützen, zeigt eine Beziehung ihre positiven Effekte. Liegt einer der Partner im Krankenhaus, kann der andere durch Besuche den Gesundungsprozess beschleunigen und die Lebensqualität des Kranken erhöhen. "Der Beistand des Partners wirkt genesungsfördernd", sagen die kalifornischen Psychologen James Kulik und Heike Mahler. Der Einfluss, der vom Partner ausgeht, wirkt jedoch nur dann positiv, wenn sich der Partner selbst gut unterstützt fühlt. Ist er hingegen belastet und fühlt sich schwach und hilfsbedürftig, ist er dem Kranken kaum eine Hilfe.
Der Einfluss der Psyche auf Krankheiten wird immer deutlicher
Krankheit, so sagen Gesundheitsforscher heute, ist kein rein körperlicher Vorgang, mit dem jeder alleine fertig werden muss. Der Einfluss der Psyche auf das Erkrankungsrisiko und den Krankheitsverlauf wird augenfälliger. Darüber hinaus wird Krankheit immer häufiger als soziales Geschehen angesehen. "Es gibt ganz selten Situationen, in denen nur einer leidet", sagt der Psychologe Stevan Hobfoll aus Ohio. Viel häufiger ist der Fall, dass das soziale Netzwerk des Erkrankten mitleidet - und deshalb muss auch die Bewältigung der Krankheit als gemeinschaftlicher Prozess verstanden und angegangen werden.









