Falsche Erinnerungen
Dem Déjà-vus auf der Spur
Wer sich auf das eigene Gedächtnis verlässt, ist manchmal auf dem Holzweg. Forscher haben nun entdeckt, wo und wie genau falsche Erinnerungen entstehen.
Wohl jeder Tagebuchschreiber, der nach Jahren in den alten Zeiten stöbert, wird überrascht sein, wie viele Dinge falsch im Gedächtnis abgespeichert wurden. Aber auch in Gesprächen mit alten Freuden zeigt sich hin und wieder, dass die Details einer Erinnerung sehr flexibel sind. Hier und dort wurde möglicherweise etwas mit der Zeit ein bisschen beschönt oder korrigiert, manchmal wurden Einzelheiten schlichtweg vergessen oder hinzugefügt.
Die Verblüffung ist gerechtfertigt, denn zumeist halten wir die eigene Erinnerung ja wirklich für unumstößlich richtig. Damit liegen wir nach heutigem Stand der Wissenschaft jedoch völlig falsch, denn unser Gedächtnis ist alles andere als zuverlässig. So gaukelt es uns im Falle des Déjà-vus vor, dass wir ein Ereignis genauso schon einmal erlebt hätten, obwohl wir es zum ersten Mal erleben.
Mittlerweile beschäftigt sich ein ganzes Forschungsgebiet mit dem rätselhaften Phänomen. In den neunziger Jahren gelang es zwei Forschern, eine Methode zu entwickeln, mit der falsche Erinnerungen generiert werden können und schon im Jahr 1959 stieß ein US-Psychologe in einem Versuch auf eine interessante Beobachtung. Er verteilte an Versuchspersonen Listen mit Wörtern, die es auswendig zu lernen galt. Als es anschließend ans Aufsagen ging, wurden neben den korrekten Wörtern auch solche genannt, die sich nicht auf der Liste befanden. Hierbei handelte es sich um Begriffe, die die übrigen Wörter miteinander verbanden.
Wo die falschen Erinnerungen entstehen
Robert Cabeza und Kollegen von der Duke University, North Carolina, USA, haben sich gemeinsam mit ihrem südkoreanischen Kollegen, Hongkeun Kim von der Daegu University, auf die Suche nach den Ursachen der falschen Erinnerung gemacht. Sie entdeckten, wo genau die Déjà-vus entstehen und wie es zu den fabrizierten Erinnerungen kommt. Demnach werden bei einer echten Erinnerung zwei Bereiche im Gehirn aktiv, während bei einem Déjà-vus nur ein Bereich arbeitet.
Wenn sich die Versuchspersonen sicher waren, ein Wort gerade gesehen zu haben, obwohl es zum ersten Mal erschien, war der Scheitellappen besonders gut durchblutet. Erinnerten sich die Personen korrekt, war der Schläfenlappen besonders aktiv. Aus dem Scheitellappen bezogen die Versuchsteilnehmer das Gefühl, etwas bereits gesehen bzw. erlebt zu haben, während die Details der Erinnerung aus dem Schläfenlappen abgerufen wurden. Bei einem Déjà-vus blieb der Schläfenlappen untätig, während es im Scheitellappen auf Hochtouren arbeitete.
Neue Hoffnung für die Alzheimer-Diagnose
Forscher vermuten, dass die jüngste Entdeckung auch die Vergesslichkeit im Alter erklären könnte. Mit den Jahren entstünden Erinnerungen zunehmend im Areal des Scheitellappens, während das Gebiet, in dem die Einzelheiten abgerufen werden, langsam abbaut. Im Falle der Alzheimererkrankung verlieren die Patienten beide Arten der Erinnerung. Cabeza hofft, dass diese Entdeckung Ärzten dabei helfen könnte, Methoden der Früherkennung von Alzheimer zu entwickeln.









