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Internet & E-Mail

Onlinesucht: Süchtig nach dem Klick?

Sind Sie mehr als 30 Stunden pro Woche online? Kontrollieren Sie alle paar Minuten ihre E-Mails? Haben Sie deswegen vielleicht ständig Ärger mit ihrem Partner? Dann sind Sie möglicherweise online-süchtig.

"Internet Addiction Disorder" - so die offizielle Bezeichnung - ist mittlerweile als ernst zu nehmende Kontrollstörung anerkannt. Je nach persönlicher Neigung des Nutzers kann sie ganz unterschiedliche Formen annehmen: Exzessives Chatten, übermäßiges Verlangen nach Pornosites oder zwanghaftes Online-Shopping. Die Betroffenen schlafen extrem wenig, halten ihren tatsächlichen Internet-Konsum geheim oder verharmlosen ihn. Ist ihre Verbindung zum World Wide Web unterbrochen, werden sie nervös und unausgeglichen. Websüchtige vernachlässigen wichtige Sozialkontakte oder brechen sie sogar ganz ab. Ihre Leistungen in Schule und Beruf lassen stark nach.

Ausschlaggebend für die Diagnose ist zunächst eine entsprechende Selbstetikettierung der Webaholics sowie die Anzahl der Stunden, die sie tatsächlich pro Woche im Netz verbringen. Darüber setzen Netz-Therapeuten spezielle Fragebögen als Diagnoseinstrument ein. Der Begriff Internetsucht stammt übrigens von dem New Yorker Psychiater Ivan Goldberg, der selbst ein absoluter Internet-Fanatiker war.

Wen packt die Sucht?

Bis jetzt konnten sich die Forscher nicht einigen, wer als besonders gefährdet für die Online-Sucht einzustufen ist. Prinzipiell scheinen Menschen mit viel Freizeit und einem eher isolierten Lebensstil - wie Hausfrauen, Arbeitslose oder Rentner - stärker betroffen zu sein. Auch männliche Jugendliche unter 18 Jahre zählen offenbar zur Risikogruppe. Andere Studien bezeichnen vor allem Studenten als gefährdet und verweisen auf einen engen Zusammenhang zwischen zwanghaftem Internetkonsum und Studienabbruch. Ähnlich unklar ist auch die genaue Zahl der Online-Süchtigen. Schätzungen von Experten schwanken zwischen 3 und 17 Prozent aller Nutzer. Auffällig ist, dass amerikanische Forscher grundsätzlich von höheren Suchtquoten ausgehen als ihre europäischen Kollegen. Die Gründe für eine Online-Sucht sind so vielfältig wie ihre Erscheinungsformen. Für viele Netzabhängige spielt der Wegfall körperlicher Makel und sozialer Unsicherheiten eine zentrale Rolle. Zwanghafte Chatter geben darüber hinaus das übergroße Vertrauen und die Offenheit der Community als Suchtfaktor an.

Sind sie internetsüchtig?

Die gute Nachricht vorweg: die meisten Internetnutzer sind nicht online-süchtig! Anerkannte Internet-Forscher wie Nicholas Negroponte, Entwicklungschef des Massachusetts Institute of Technology in Boston, warnen bereits vor einer unbegründeten Massenhysterie.

Sollten Sie trotzdem unsicher sein, beantworten Sie kurz die nachfolgenden Fragen:

Items aus einem Fragebogen zur Internet Sucht:

  • Die meisten Freunde, die ich habe, kenne ich aus dem Netz.
  • Wenn ich im Urlaub bin, denke ich daran, bald wieder ans Netz zu kommen.
  • Ich versuche vor anderen zu verheimlichen, wie viel Zeit ich wirklich im Netz verbringe.
  • Oft bekomme ich zu wenig Schlaf, weil ich so viel im Netz bin.

  • Meine Leistungen in Schule/ Beruf/ Studium haben sich verschlechtert, seit ich im Netz bin.

  • Meine Freunde/Familienangehörigen beschweren sich öfter, weil ich so viel im Netz bin.
  • Obwohl ich es wirklich versuche, kann ich meine Netznutzung nicht reduzieren.

Sollten Sie die meisten oder sogar alle Aussagen mit "ja" beantwortet haben, brauchen Sie möglicherweise Hilfe. Sie können sich an Selbsthilfegruppen (Verlinkung) im Netz oder an entsprechend qualifizierte Therapeuten wenden.

Therapeutische Hilfe im Netz

Wer seinen Online-Konsum allein nicht mehr in den Griff bekommt, braucht Hilfe. Mittlerweile bietet auch das Internet erste Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen. Hinter www.onlinesucht.de steckt der Verein HSO (Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige). Gründerin Gabriele Farke kennt die Probleme Netzabhängiger aus eigener Erfahrung, denn sie war selbst lange Zeit Webaholic. Der Selbsthilfeverein bietet Gesprächsrunden für Betroffene an, die fast alle offline stattfinden. Einen maßvollen Umgang mit dem Netz lernen Online-Süchtige bei der Therapeutin Kimberley Young. Sie hat das Zentrum für Internet-Sucht an der University Pittsburgh gegründet. Unter www.netzaddiction.com finden sich fundierte Informationen zur Online-Sucht sowie ein ausführlicher Selbsttest für suchtgefährdete Nutzer. Darüber hinaus können sich Netzsüchtige natürlich auch an professionelle Therapeuten außerhalb des Internets wenden.

Süchtig nach Computerspielen?

Sie sind laut, bunt, schnell und werden immer realistischer: Computerspiele. Nicht erst seit der Moorhuhnjagd ist für jeden dritten Jugendlichen der Zugriff auf neue Spiele der Hauptgrund, um sich einen Netzzugang zuzulegen. Unter den männlichen Jugendlichen liegt die Quote sogar noch höher. Der Nachwuchs verfolgt im Netz grundsätzlich eher kommunikations- und unterhaltungsorientierte Interessen, während der durchschnittliche User vor allem an Informationen interessiert ist. Das Suchtpotenzial von Computerspielen wird unterschiedlich bewertet. Es scheint aber so zu sein, dass Netzsüchtige wesentlich häufiger zu Computerspielen und Chatrooms greifen, als der Durchschnittsnutzer. Zudem werden einigen Computerspielen - wie zum Beispiel Doom - explizit süchtig machende Eigenschaften nachgesagt.


Autor: Springer Medizin
Stand: Oct 5, 2007


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