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Auftreten

Super Visionen im Job

Permanenter Zeitdruck, Konflikte mit Kollegen und mangelnde Anerkennung der Leistungen verursachen Stress. Burnout, innere Kündigung und Frühpensionierung können die Folgen sein. Eine Möglichkeit dem entgegen zu steuern, bieten Supervisionen. Nicht nur in so genannten Helferberufen können Supervision dazu beitragen, mit Belastungen am Arbeitsplatz professioneller umzugehen.

Einige Zahlen: 25% der Führungskräfte leiden am Burnout-Syndrom, hat das Institut für Arbeits- und Sozialhygiene in Karlsruhe herausgefunden. 63% der Lehrer scheiden wegen Krankheit vorzeitig aus dem Schuldienst aus, berichtet das Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Kassel. Helfen könnten Supervisionen, resümieren alle der zahlreichen Studien zum Thema Lehrergesundheit. "Supervision ist ein gutes Mittel, um professionelles Verhalten aufzubauen", sagt auch Marianne Demmer, Schulexpertin vom geschäftsführenden Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Was für die Arbeit von Lehrern gilt, kann auf andere Berufe übertragen werden. Als Bestandteil des Arbeitsalltags ist Supervision bislang aber vor allem in sozialen und pflegenden Berufen die Regel.

Die Berufsrolle reflektieren

"In der Supervision geht es nicht in erster Linie um die Person als solche", erklärt Manfred Leppers, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv), "sondern um die Person in ihrer Berufsrolle." Supervision ist eine Methode, das eigene Handeln zu analysieren, indem geschaut wird, welche Haltung jemand warum hat. "Supervision ist ein Beratungsprozess", sagt Leppers. "Ein Supervisor ist dazu da, einen Prozess aus unterschiedlichen Blickwinkeln anzuregen und zu fördern." Im Unterschied zum Coaching findet eine Supervision in der Regel in der Gruppe statt. Gemeinsam mit dem Supervisor reflektiert das Team den Arbeitsalltag, bewertet Situationen, sucht nach Lösungen.

Um anzuleiten und zu steuern, stehen dem Supervisor verschiedene Methoden zur Verfügung. Je nach Ausbildung ergänzen manche das analytisch-gedanklichen Durchdringen des Problems mit gruppendynamischen oder integrativen Ansätzen. Sie lassen eine Situation z.B. nachspielen, um zu einem besseren Verständnis zu kommen. Andere schauen in systemischer Manier auf die Wechselbeziehungen von Person, Rolle, Funktion, Organisations- und Kundeninteressen.

Eine 60-minütige Gruppensitzung kostet insgesamt laut Leppers ab 100 Euro. Das Team sollte idealerweise aus 8-10 Mitgliedern bestehen und sich ein Mal im Monat treffen.

Vorsicht vor Scharlatanen

Der Begriff "Supervisor" ist nicht geschützt. Um einen Qualitätsstandard zu etablieren, gründete sich 1989 die Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv). Sie ist ein Berufs- und Fachverband mit über 3.400 Mitgliedern und 34 ausbildenden Mitgliedsinstituten. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Supervision zu studieren. Die Gesamthochschule Kassel bietet einen berufsbegleitenden Aufbaustudiengang an.

POPUP: Kleines ABC der Supervision

  • Arbeitsformen
    Im Wesentlichen lassen sich zwei Bereiche unterscheiden: die Organisationssupervision oder die Supervision außerhalb der Arbeit, auf Privatinitiative. Eine Supervision kann als Einzel- oder Gruppensitzung stattfinden.


  • Burnout
    So bezeichnen Mediziner einen Erschöpfungszustand, unter dem besonders häufig Berufstätige leiden, die überdurchschnittlich stark persönlich gefordert werden oder sich in hohem Maße engagieren. Je nach Verlaufsstadium können unterschiedliche Symptome auftreten, wie Verzweiflung, Depression, Apathie.


  • Coaching
    Coaching bedeutet heute die persönliche Beratung von Führungskräfte in Organisationen. Dabei geht es um die Verbesserung strategischer, konzeptioneller und sozialer Kompetenzen für die Lösung von Managementaufgaben.


  • Evaluation
    Der Begriff steht für die Auswertung eines Handlungsprojekts nach festgelegten Kriterien. Der Supervisor muss den Supervisionsprozess nach fachlichen Kriterien einschätzen und bewerten, ob die Ziele erreicht wurden. Zudem beurteilt er den Lernprozess der Supervisanden. Dabei gilt die reale Verbesserung ihres beruflichen Handelns als Maßstab.


  • Feldkompetenz
    Der Supervisor sollte die Besonderheiten eines Arbeitsfeldes kennen. Das bedeutet allerdings nicht, dass er diese Tätigkeit selbst ausgeübt haben muss. Er kann sich sein Wissen auch aus der Erfahrung anderer oder durch wissenschaftliche Feldforschungen geworben haben.


  • Grenzen
    Nicht alle Probleme am Arbeitsplatz sind mit Supervision zu lösen. Eine sorgfältige Auftragsanalyse und Indikationsstellung ist daher wichtig. Falls nötig wird der Supervisor an einen anderen Fachexperten überweisen. Supervision ist kein Ersatz für eine fachbezogene Fortbildung, Organisationsberatung oder eine Therapie.


  • Konflikte
    Soziale Konflikte entstehen, weil gegensätzliche Interessen von einer Seite nicht hingenommen werden. Interessenkonflikte können geregelt oder ungeregelt ausgetragen werden. Die Auseinandersetzung mit beruflichen Konflikten gehört zum Alltagsgeschäft der Supervision. Unterschieden werden die Ebenen: Sachkonflikte, Beziehungskonflikte und Werte-Konflikte.


  • Mediation
    Eine Beratung mit dem Ziel, einen Konflikt gemeinsam mit den beteiligten Konfliktparteien durch eine Konsenslösung zu beenden. Dem Mediator ist ein Vermittler, der die Verhandlung methodisch angemessen moderieren soll. Mediation wird bisher vor allem bei Scheidungsverfahren und bei Arbeitskonflikten angewandt.


  • Methode
    Supervision findet in einem Beratungsgespräch statt, das die selbstreflexiven Fähigkeiten von Einzelnen, Gruppen oder Organisationen anregt, unterstützt und nutzt. Im Beratungsgesprächs benutzen Supervisoren je nach ihrer konzeptionellen Prägung auch Übungen und Hilfsmittel, wie Rollenspiele, grafische Darstellungen, Skulpturarbeit.


  • Rolle
    Die berufliche Rolle ist quasi die Summe der beruflichen Erwartungen an eine Person. Sie ist wichtiger Gegenstand der supervisorischen Beratung. Dabei geht es um unterschiedliche beruflichen Rollen, Erwartungen daran, und wie eine Person eine Rolle ausfüllt.


  • Schweigepflicht
    Supervisoren sind zur Verschwiegenheit gegenüber Dritten verpflichtet. Die Spannung zwischen der Pflicht, über Gehörtes zu schweigen und z.B. dem Recht eines Auftraggebers, die Inhalte zu erfahren, lösen Supervisoren verschieden. Z.B. können sie nach dem Grundsatz "Offenheit im Strukturellen und Thematischen und Verschwiegenheit im Persönlichen" verfahren oder Foren mit allen Beteiligten einberufen.

Supervision im Internet:Infos und eine Supervisoren-Suche bietet die Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. unter www.dgsv.de

Aufbaustudiengang Supervision an der Universität Kassel: www.uni-kassel.de/zsb/supervis.pdf


Quelle: bsmo-Gespräch mit Manfred Leppers von der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv), bsmo-Gespräch mit Marianne Demmer, Schulexpertin vom geschäftsführenden Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), nach Informationen des Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Kassel und der Deutschen Gesellschaft für Supervision
Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 9, 2007


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