Auftreten
Alles unter Kontrolle: Gefühle im Job
Am Arbeitsplatz treten positive und negative Gefühle ebenso häufig auf wie im Privatleben - wenn nicht sogar häufiger. Es gilt jedoch als unprofessionell, seinen Gefühlen im beruflichen Kontext freien Lauf zu lassen. Gefühle werden hier nicht gezeigt oder überspielt. Dabei herrschen unausgesprochene Normen und Regeln, haben Kommunikationsforscher herausgefunden.
Es ist verpönt und gilt als unprofessionell, seine wahren Gefühle im beruflichen Umfeld zu zeigen. Wie die beiden Kommunikationsforscher Michael Kramer und Jon Hess von der University of Missouri-Columbia herausfanden, herrschen stattdessen in der Arbeitswelt klare Regeln, wie Emotionen ausgedrückt werden dürfen:
- Gefühle müssen professionell geäußert werden. Das heißt, sie sollten unter Kontrolle gehalten werden und zu einer geschäftsmäßigen Atmosphäre beitragen. Dazu gehört in der Regel auch, negative Gefühle nicht zu zeigen, sondern sie durch den Ausdruck neutraler oder positiver Gefühle zu maskieren.
- Auch der überschwängliche Ausdruck positiver Gefühle gilt als unangemessen. Zwar dürfen sie eher gezeigt werden als negative Gefühle - aber auch hier heißt es: "Nicht übertreiben." Außerdem sollte für ein Lob oder eine Gratulation der richtige Zeitpunkt und eine günstige Situation abgepasst werden.
- Negative Gefühle zu unterdrücken und stattdessen neutrale oder positive Gefühle vorzuspielen, ist dann gerechtfertigt, wenn so eine Situation verbessert oder entschärft werden kann. Gefühle vorzutäuschen wird auch dann akzeptiert, wenn dadurch ein Problem gelöst, eine Konfrontation vermieden oder die Gefühle eines Mitmenschen geschont werden.
- Gefühle dürfen nicht vorgespielt werden, um daraus den größtmöglichen Nutzen zu ziehen und anderen zu schaden.
- Gefühle sollten richtig adressiert und nur den Personen gezeigt werden, die die Gefühle ausgelöst haben. Sich bei Stellvertretern zu bedanken oder die Wut an Unbeteiligten herauszulassen, ist verpönt.
- Gefühle sollten ausgedrückt werden, um anderen zu helfen. So geben sich Vertreter von Helferberufen gegenüber Opfern und Angehörigen oft optimistisch und machen ihnen Mut, obwohl sie sich vielleicht deprimiert oder verzweifelt fühlen.
- Einige Gefühlsäußerungen sind immer unangemessen, beispielsweise wenn dabei Distanzen nicht gewahrt werden. So gelten übertriebene Komplimente und Geschenke als Annäherungs- oder Bestechungsversuche. Gefühle zeigen ist auch dann unangebracht, wenn dabei Hierarchien überschritten werden.
Diese Regeln, so glauben Kramer und Hess, sind fast überall im Arbeitsleben anzutreffen und überaus nützlich - denn nur durch sie wird ein weitgehend reibungsloses und einvernehmliches Zusammenarbeiten möglich. Den Beschäftigten, die sich an die Regeln halten, komme ihr Verhalten selbst zugute, meinen die Kommunikationsforscher. Sie könnten so ein tragfähiges Beziehungsnetzwerk im Berufs- und Privatleben aufbauen und dadurch auch ihre Karriere fördern.









