Chronische Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Wenn Liebe zum schmerzhaften Wagnis wird
Für viele Frauen endet die schönste Nebensache der Welt bereits, bevor sie so richtig beginnt. Von Pelvipathie spricht man bei ständigen Unterleibschmerzen beim Sex.
Sex - tabulos, wild, berauschend, immer und überall. Die Medien geben vor, wie es sein soll. Noch nie war das Thema der Sexualität so präsent, nie zuvor wurde so offen über die Facetten der Lust geredet wie heute. Und doch hat das Bild der befreiten, hemmungslosen Sexualität mit der Realität häufig so viel zu tun, wie ein Urlaub am Ballermann mit Erholung. Denn für viele Paare beginnt mit dem Erleben der eigenen Sexualität eine Zeit der Ängste und Frustration.
Vor allem Frauen schweigen, wenn sie Probleme mit ihrer Lust oder körperlichen Liebesfähigkeit haben. Eine mögliche Ursache für dieses Phänomen ist die fehlende Aufklärung über Störungen der weiblichen Sexualität. Dabei sind laut Statistik viele Frauen vorübergehend von ihnen betroffen. Sei es der Verlust der Libido, Scherzen beim Geschlechtsverkehr, Vaginismus oder Störungen der Erregungs- oder Orgasmusfähigkeit: Fast jede Frau erlebt in ihrem Leben eine Phase, in der die Lust zum Frust gerät. Es gibt jedoch auch Paare, die auch ohne Sex glücklich sind. Erst wenn ein Leidensdruck entsteht, spricht man von einer echten Sexualstörung.
Schmerzen können viele Ursachen haben
Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr müssen nicht immer gefährlich sein. Häufig verbergen sich hinter dem schmerzhaften Phänomen funktionale Störungen. Manchmal passen Penis und Scheide in der Größe nicht gut zusammen oder die Gebärmutter ist so gesenkt, dass der Penis schmerzhaft hinten anstößt. Schmerzen können auch entstehen, wenn die Frau nicht richtig feucht wird. Hormonmangel oder Probleme mit der Durchblutung des Unterleibs können hier Ursachen sein. Medikamente können in diesem Fall Abhilfe schaffen.
Ein Brennen wiederum ist häufig ein Zeichen einer Infektion, die mit Tabletten leicht behandelt werden kann. Aber auch Allergien können das unangenehme Brennen verursachen. Häufig bringt schon die Umstellung der Kondommarke Linderung.
Doch nicht immer lassen sich die Schmerzen so schnell in den Griff bekommen. Viele Frauen leiden unter chronischen Schmerzen des Unterleibs, hinter denen sich mitunter gefährliche Erkrankungen verstecken können.
Chronische Schmerzen als Lustkiller
Laut einer Studie leiden etwa 15 Prozent der Frauen in den USA unter chronischen Unterleibsschmerzen. Experten vermuten, dass die Zahl der Betroffenen in Deutschland ähnlich hoch ist.
Doch wann genau spricht man von einer Pelvipathie? Wenn die Schmerzen länger als sechs Monate lang auftreten, gelten sie als chronisch. Der Fachausdruck heißt Pelvipathie.
Viele der betroffenen Frauen haben über Jahre hinweg keinen oder nur eingeschränkten Geschlechtsverkehr weil die Lust zum Minenfeld der Schmerzen gerät.
Die Ursachen können psychischer Natur sein. So können die Schmerzen Ausdruck psychischer Anspannung aufgrund unbewältigter Konflikte in der Partnerschaft sein oder auch Folgen eines Missbrauchs oder traumatischen Ereignisses. Durch die Angst vor Nähe verspannt sich der Unterleib und der Dauerschmerz nimmt seinen Anfang.
Häufig wird der chronische Unterleibsschmerz auch von Verwachsen des Bindegewebes, Myomen oder einer Endometriose hervorgerufen, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut in Aufbau und Funktion sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutter versprengt ist. Eine amerikanische Studie um den Wissenschaftler Lamvu brachte nun als Licht, dass hinter 60 Prozent der Pelvipathiefälle Erkrankungen stecken, die man nicht mit einer gynäkologischen Erscheinung in Verbindung bringen würde. Der Wissenschaftler geht davon aus, dass Darm-, Nieren- oder Rückenleiden für die Dauerschmerzen verantwortlich sein können.
Um den tatsächlichen Ursachen auf die Schliche zu kommen, ist eine umfassende körperliche Untersuchung nötig. Die Therapie richtet sich nach dem Befund und kann Medikamente oder auch Operationen einschließen. Auch die Konsultierung eines Psychotherapeuten sollte erfolgen, um psychische Ursachen ausschließen zu können.









