Eifersucht

Stalking als Gefahr für Körper und Seele

Für Jeanette Biedermann begann alles mit einem unbedeutenden Liebesbrief in einem Berg von Fanpost. Doch eines Tages machte die Sängerin die erschreckende Entdeckung, dass ihr unbekannter Verehrer sogar schon heimlich in ihrer Wohnung übernachtet hatte. Wenn aus Schwärmerei Verfolgungswahn und aus Liebe eine Krankheit wird, ist häufig von Stalking die Rede. Viele Opfer leiden sehr unter ihren Peinigern: Wer monatelang unerwünschte Besuche, Telefonanrufe und Geschenke erhält, kann körperlich und psychisch an seine Grenzen gelangen.

Verfolgung, Belästigung, Bedrohung und auch manchmal körperliche Attacken: Was vom Stalker als Liebe und Begehren bezeichnet wird, kann für das Opfer eine nicht enden wollende Phase der Angst und Verzweiflung bedeuten. Betroffen sind in erster Linie Prominente sowie interessanterweise auch Psychotherapeuten und Ärzte. Aber auch alle anderen Menschen können theoretisch ins Visier eines Stalkers rücken. In Deutschland gerät etwa jeder Zehnte im Laufe seines Lebens in die Gefahr zu einem Stalking-Opfer zu werden. In mehr als drei Viertel der Fälle handelt es sich dabei um Frauen. Meistens kannten sich Täter und Opfer zuvor aus einer Beziehung oder einem intimen Kontakt.

Wenn die Liebe zur Bedrohung wird

Von Stalking spricht man, wenn ein Mensch einem anderen regelmäßig und über einen langen Zeitraum hinweg nachstellt und dabei Sorge, Angst oder Panik bei seinem Opfer hervorruft. Das klassische Stalking beinhaltet vor allem unerwünschte Besuche oder Telefonanrufe sowie das Nachspionieren und Beobachten des Opfers. Der Belästiger will der Zielperson im Grunde keinen Schaden zufügen, sondern ist vielmehr in sein Opfer verliebt und möchte seine romantischen Phantasien ausleben. Es kann jedoch auch zu anonymen Telefonanrufen mit obszönen Inhalten, Gewalt- oder sogar Todesandrohungen sowie zu aggressiven Übergriffen und Vandalismus kommen. Manchmal machen die Stalker auch vor den Familienangehörigen der betreffenden Person nicht Halt. Wenn zum Opfer zuvor eine intime Beziehung bestand, werden vor allem ungewollte Geschenke und unangemeldete Besuche gemacht sowie als "zufällig" getarnte Zusammentreffen arrangiert. Hier geht es dem Stalker vor allem darum, die Kontrolle über die entbehrte Person wiederzuerlangen, da er die Trennung nicht akzeptieren kann. Eine moderne Form des Stalking findet im Internet per E-Mail oder Chat statt. Auf virtuellem Wege wird das Opfer bedroht oder auch zunächst nur über sein Privatleben ausgefragt, um es dann später in der Realität verfolgen zu können.

Krank durch Stalking

Eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim ergab, dass in Folge des Stalking ein Viertel der Opfer aufgrund gesundheitlicher Probleme einen Arzt oder Therapeuten aufsucht. Fast jeder Fünfte lässt sich krank schreiben. Die Betroffenen sprechen von innere Unruhe, Antriebsarmut, Schlafstörungen und Magenbeschwerden. Häufige Diagnosen sind posttraumatische Belastungsstörungen, Angststörungen und Depressionen. Diese können im schlimmsten Fall bis hin zum Selbstmord führen. Bedingt durch ein gesteigertes Misstrauen gegenüber anderen kann es zudem im sozialen Bereich zu Rückzug und Isolation kommen. Manche der Betroffenen suchen auch die Schuld bei sich selbst. Es ist daher wichtig, dass die Opfer aktiv nach professioneller Hilfe suchen, um das erlittene Stalking psychisch bewältigen zu können und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zurückzubehalten.

Besserer Schutz für Stalking-Opfer

Den Betroffenen wird dringend geraten, den Kontakt mit dem Belästiger konsequent abzubrechen und auf Anrufe, E-Mails und SMS nicht zu reagieren. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, sollte man sich an eine entsprechende Beratungsstelle und/oder die Polizei wenden. Gegenwärtig steht ein neues Gesetz in der Diskussion, das Stalking als eigenen Straftatbestand darstellen soll, um die Opfer künftig besser schützen und mögliche Täter abschrecken zu können.

BSMO, 07.03.05

Nach Informationen der Fachzeitschriften "Psychiatrische Praxis" und "MMV" sowie der Tageszeitung "Die Welt"


Autor: Springer Medizin
Stand: Mar 7, 2005


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