Osteoporose – was ist das?
Unterschätze Knochenkrankheit mit gravierenden Folgen
Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die zu verminderter Knochenmasse und schlechterer Mikroarchitektur des Knochens führt. Daraus resultiert eine Knochenschwäche, die Knochenbrüche wahrscheinlicher macht.
Ursache der als Knochenschwund und fachsprachlich als Osteoporose bezeichneten Krankheit ist eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Knochenaufbau und -abbau zugunsten des Knochenabbaus. Dadurch nimmt die Knochenmasse ab. Zum einen wird die äußere Knochenschicht (Kortikalis) dünner. Zu anderen wird das dreidimensionale Knochengewebe immer lockerer und instabiler, weil die Zahl der Knochenbälkchen im Knocheninneren (Spongiosa) und deren Verknüpfung abnimmt. Von diesen Veränderungen sind Frauen dreimal so häufig betroffen wie Männer. Dennoch: Jeder fünfte Osteoporosepatient ist männlich.
Anders als bei Knochenbrüchen in jüngerem Alter reicht bei osteoporotisch geschwächtem Knochen bereits eine geringe Krafteinwirkung, wie beispielsweise ein Sturz aus dem Stand, um den Knochen brechen zu lassen. Jüngere Senioren brechen sich meist Wirbel oder die Speiche (Radius), also den auf der Daumenseite liegenden Knochen des Unterarms, und zwar nahe am Handgelenk, weil sie sich bei einem Sturz abzustützen versuchen. Bei älteren Senioren (ab 75 Jahren) kommt zum Knochenschwund eine neuromuskuläre Dysfunktion, also eine Einschränkung der Informationsweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln, hinzu. Dies erhöht die Sturzneigung und damit die Gefahr von Knochenbrüchen, in diesem Alter meist in Form von Oberschenkelhalsfrakturen. Generell können auch andere Knochen brechen, beispielsweise die Rippen.
Frühdiagnose wichtig
Das Tückische an einer Osteoporose ist, dass sich vor dem Knochenbruch keinerlei Beschwerden zeigen und ein Knochenbruch den nächsten nach sich zieht, d.h. das Risiko für eine erneute Fraktur steigt, wenn bereits ein Wirbelkörper eingebrochen oder eine andere osteoporosebedingte Fraktur aufgetreten ist. Wenn ein oder mehrere Knochen gebrochen sind, spricht man von einer manifesten Osteoporose.Durch die Wirbelkörperfrakturen entsteht der im Volksmund als Witwenbuckel bezeichnete Rundrücken. Die Wirbelkörperfraktur kann sehr schmerzhaft sein und in den umgebenden Bereich des Rückens ausstrahlen. So manche Wirbelkörperfraktur bleibt aber unbemerkt und wird nur zufällig bei einer Röntgenaufnahme der Lunge entdeckt. Wenn Ältere, vor allem Frauen, sich die Speiche brechen, sollte das ein Warnhinweis sein und eine genaue Abklärung der Knochengesundheit zur Folge haben.
Vor allem die gefürchteten Oberschenkelhalsfrakturen erfordern einen Krankenhausaufenthalt mit anschließender mühsamer Rehabilitation und ziehen oftmals Hilfebedürftigkeit und Dauerschmerz nach sich. Auch ist die Sterberate nach einer Osteoporose-bedingten Fraktur erhöht. 20-30 Prozent aller in den ersten drei bis sechs Monate nach einer Hüftfraktur auftretenden Todesfälle sind ursächlich auf die Fraktur zurückzuführen. Die meisten dieser Osteoporose-bedingten Knochenbrüche könnten durch eine rechtzeitige Therapie vermieden werden.
Primäre und sekundäre Osteoporose
Grundsätzlich werden zwei Formen der Osteoporose unterschieden, die primäre und die sekundäre. Unter einer primären Osteoporose versteht man einen Knochenschwund, der nicht durch andere Krankheiten hervorgerufen ist, sondern an sich die Krankheit darstellt. Die primäre Osteoporose ist die häufigere Form, das Risiko an ihr zu erkranken, nimmt mit zunehmendem Alter deutlich zu. Bei Frauen steigt das Risiko nach der Menopause stark an; diese sogenannte postmenopausale Osteoporose ist auf den Östrogenmangel zurückzuführen. Dagegen betrifft die Altersosteoporose ab ca. 75 Jahren beide Geschlechter, aber weiterhin Frauen häufiger als Männer.
Die sekundäre Osteoporose wird durch andere Krankheiten ausgelöst, beispielsweise entzündlich-rheumatische Krankheiten (z.B. rheumatoide Arthritis), Stoffwechselerkrankungen (z.B. Überfunktion der Nebenniere oder Nebenschilddrüse) oder eine längerfristige Therapie mit Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel entsprechend beeinflussen (z.B. Kortison). Die häufigste sekundäre Form einer Osteoporose ist die Kortison-bedingte Osteoporose. Sie ist häufiger bei jüngeren Personen und Männern anzutreffen und führt zu Brüchen von Rippen, Oberschenkelhals und Wirbeln.
Osteoporose-Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (2009), Patientenversion vom 15.2.2010: www.dv-osteologie.org



