Risikofaktoren
Was die Knochengesundheit gefährdet
Das Skelett ist das Gerüst des Lebens, aber ein lebendiges. Es wird kontinuierlich umgebaut. Defekte werden ausgebessert, durch körperliche Aktivität beanspruchte Knochen verstärkt. Daher ist körperliche Inaktivität ein wichtiger Risikofaktor für eine Osteoporose.
Der Lebensstil bis zum Beginn des Erwachsenenalters ist entscheidend für die maximale Knochenstärke des Skeletts. Kinder und Jugendliche, die sich viel an der frischen Luft bewegen und sich Kalzium-reich ernähren, erzielen eine stabilere Ausgangssituation als Bewegungsmuffel, die phosphatreiche Getränke wie Cola oder Fast-Food auf dem Speiseplan haben. Neben diesen Lebensstilfaktoren ist auch die genetische Mitgift von Bedeutung, denn der Knochenschwund trifft nicht nur häufiger Frauen, sondern tritt familiär gehäuft auf.
Darüber hinaus wirken sich bestimmte Krankheiten auf die Knochengesundheit aus. Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie begünstigen die Entstehung einer Osteoporose ebenso wie chronisch-entzündliche Erkrankungen - beispielsweise eine rheumatoide Arthritis oder ein Morbus Crohn - oder Störungen der Hormonproduktion von Schilddrüse, Nebenschilddrüse oder Nebenniere. Zudem gefährdet insbesondere ein Medikament die Knochenstabilität - das Kortison und seine Abkömmlinge. Wird es länger als drei bis sechs Monate täglich in einer Dosis von mindestens 7,5 Milligramm eingenommen, nimmt die Knochendichte ab. Daher sollte es in Kombination mit einer Knochen-schützenden Therapie verordnet werden.
Gefahr bei Vitamin D-Mangel
In den letzten Jahren wird einem Mangel an Vitamin D zunehmend Bedeutung beigemessen. Dieses Vitamin ist nicht nur für den Einbau von Kalzium in den Knochen erforderlich, sondern fördert auch das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln und senkt somit die Sturzneigung. Ärzte sprechen von einer verbesserten neuromuskulären Koordination und beschreiben damit eine wichtige Funktion des Vitamin D. Da es nicht nur am Knochen liegt, ob er bricht, wird es mit zunehmendem Alter wichtiger, den natürlichen Verlust an Muskelkraft auszugleichen und den Gleichgewichtssinn zu trainieren, also über Krafttraining, Seilspringen oder auch Gleichgewichtsübungen (z.B. Tai Chi) das Sturzrisiko zu senken. Darüber hinaus sollten Gefahrenquellen für einen Sturz so weit wie möglich aus dem häuslichen Umfeld verbannt werden. Zu vermeiden sind lose Lampenkabel, hochstehende Teppichkanten oder Gegenstände, die den Bewegungsspielraum einengen. Für eine höhere Gangsicherheit sorgen zudem gute Beleuchtung, gutes Schuhwerk und eine der Sehkraft regelmäßig angepasste und geputzte Brille.
Wer sein Osteoporoserisiko testen sollte
Damit die Osteoporose nicht erst entdeckt wird, wenn es bereits zum Knochenbruch gekommen ist, wurde vom Dachverband für Osteoporose (DVO) ein Risikotest erarbeitet, mit dem jeder sein Osteoporoserisiko überprüfen kann:
Folgende Personen sollten nach Auffassung des Dachverbandes Osteologie eine Osteoporoseabklärung machen lassen:
- Frauen ab 70 und Männer ab 80 generell
- Frauen und Männer, die sich im Rahmen einer alltäglichen Situation einen oder mehrere Wirbelkörper gebrochen haben.
- Frauen ab 60 und Männer an 70, die untergewichtig sind (Body Mass Index unter 20), die Nikotin in Form von Rauchwerk oder Schnupftabak zu sich nehmen, die sich einen Arm, Fuß, Bein, Rippen oder Becken gebrochen haben, deren Vater oder Mutter einen Oberschenkelhalsbruch hatten, die mehr als zweimal in einem Jahr ohne äußeren Anlass gestürzt sind und/oder die weniger als 100 Meter gehen können.
- Frauen und Männer, die bestimmte Krankheiten haben oder längerfristig bestimmte Medikamente nehmen. Dazu zählen alle Erwachsenen, die länger als drei Monate hoch dosiert kortisonhaltige Tabletten nehmen, die eine Überfunktion der Nebenniere oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüse haben. Dazu zählen auch Frauen ab 50 und Männer ab 60, die niedrig dosiert kortisonhaltige Tabletten nehmen, die wegen einer Erkrankung der Hirnanhangdrüse einen Mangel an Wachstumshormonen aufweisen oder Frauen, die wegen eines Diabetes mellitus mit sogenannten Glitazonen behandelt werden. Schließlich zählen zu dieser Gruppe alle Frauen ab 60 und Männer ab 70 mit einem weitgehend oder komplett entfernten Magen. Mit rheumatoider Arthritis, Epilepsie, Diabetes mellitus Typ 1, einer Schilddrüsenüberfunktion sowie jene, die mit Medikamenten behandelt werden, die Stürze begünstigen, z.B. Schlafmittel und Antidepressiva, die eine Brustkrebstherapie mit sogenannten Aromatasehemmern erhalten oder eine antihormonelle Therapie bei Prostatakrebs.
Bei ihnen sollte zunächst das absolute Risiko, in den nächsten zehn Jahren eine Fraktur zu erleiden, berechnet und dann eine Abklärungsuntersuchung eingeleitet werden. Denn heute wird diesen Risikofaktoren mehr Bedeutung zuerkannt. Eine Knochendichtemessung für sich genommen reicht nicht aus, um die Notwendigkeit einer Therapie einzuschätzen. Denn bei der gleichen Knochendichte hat eine 80-jährige Frau ein zehnfach höheres Risiko, sich einen Knochen zu brechen, als eine 50-jährige.



