Diagnose der Osteoporose
Knochendichtemessung steht im Zentrum
Wird das Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Wirbelkörper- oder Oberschenkelhalsbruch zu erleiden auf mehr als 20 Prozent geschätzt, ist eine Basisdiagnostik sinnvoll. Im Zentrum steht die Knochendichtemessung.
Beschwerden wie starker, plötzlich auftretender und anhaltender Rückenschmerz sind ein guter Grund, den Arzt aufzusuchen und durch ihn das Osteoporoserisiko ermitteln zu lassen. Dies gilt insbesondere für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, zumal wenn sie sehr schlank sind. Anhand einer Liste von Osteoporose-Risikofaktoren kann der Arzt ermitteln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Knochenbruch (Fraktur) in den nächsten zehn Jahren ist. Liegt das Risiko über 20 Prozent, sollte sich eine Basisdiagnostik anschließen. Sie umfasst Fragen zu vorangegangenen Stürzen und Knochenbrüchen, Krankheiten oder Medikamenteneinnahme, die gegebenenfalls hinter dem Knochenschwund stecken können, und klärt, ob bereits Folgeerscheinungen wie frakturbedingte Schmerzen oder Funktionseinschränkungen aufgetreten sind. Zudem prüft der Arzt Muskelkraft und Koordination und gewinnt damit einen Eindruck, wie es um die Sturzneigung bestellt ist. Der Vergleich der jetzigen Körpergröße mit der im Pass eingetragenen gibt zudem einen guten Hinweis darauf, ob bereits Wirbelkörpereinbrüche aufgetreten sind. Wer mehr als vier Zentimeter seiner ursprünglichen Körpergröße eingebüßt hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Osteoporose-bedingte Wirbelfrakturen.
Röntgenuntersuchung verrät Knochenschwund
Die zentrale Methode in der Diagnostik der Osteoporose ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, die Osteodensitometrie mittels DXA (Dual-energy x-ray bone absorptiometry = Doppel-Röntgen-Energie-Absorptiometrie). Mit ihr kann in der Regel geklärt werden, ob eine Osteoporose vorliegt. Die Messung erfolgt an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte. Bei starken Abnutzungserscheinungen ist so mit hoher Wahrscheinlichkeit wenigstens ein Wert aussagekräftig.Das Diagnosekriterium für eine reduzierte Knochendichte (Osteopenie) bzw. den Knochenschwund (Osteoporose), der sogenannte T-Wert, wurde durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert. Er gibt die Abweichung der gemessenen Knochendichte eines Patienten vom statistischen Mittelwertwert der Knochendichte von jungen erwachsenen Personen (Standard) an. Weicht der Messwert um mindestens 2,5 Standardabweichungen vom definierten Mittelwert ab, beträgt der T-Wert also mindestens 2,5, gilt dies als Osteoporose. Bei einer Standardabweichung von 1-2,4 spricht man von einer Osteopenie. Beträgt die Standardabweichung 0-1, so gilt dies als normale Variabilität, der kein Krankheitswert beigemessen wird. Kommen zu einer um mehr als 2,5 Standardabweichungen reduzierten Knochendichte eine oder mehrere Frakturen ohne adäquaten Auslöser (sogenannte Fragilitätsfrakturen) hinzu, gilt dies als schwere Osteoporose. Andere inzwischen angebotenen Methoden der Knochendichtemessung, wie quantitativer Ultraschall oder Computertomografie, sind noch nicht ausreichend untersucht, um eine eindeutige Aussage über das Risiko eines Knochenbruchs zu erlauben. Zudem wurden sie bisher nicht oder kaum in Studien, die den Einfluss von Medikamenten auf das Frakturrisiko geprüft haben, eingesetzt. Für die Diagnose einer Osteoporose und die Therapieentscheidung ist daher eine DXA-Messung erforderlich. Zum Nachweis von Wirbelkörpereinbrüchen kann zusätzlich eine normale Röntgenaufnahme der Wirbelsäule sinnvoll sein.
Entscheidung über Therapienotwendigkeit
Liegen Wirbelkörpereinbrüche vor, ist die Situation eindeutig. Es sollte unverzüglich mit einer die Knochendichte und -stabilität steigernden medikamentösen Behandlung begonnen werden. Ohne den Nachweis einer manifesten Osteoporose, also von Wirbelkörperfrakturen, erlaubt die DXA-Messung nur in Kombination mit Informationen zu bestehenden Risikofaktoren eine Abschätzung des Knochenbruchrisikos und damit eine Entscheidung darüber, ob mit einer medikamentösen Therapie begonnen werden sollte. Das mittels DXA-Messung ermittelte Ausmaß der Osteoporose spielt auch für die Wahl des Medikamentes eine Rolle, denn bei stark verminderter Knochendichte ist es sinnvoll, mit einer den Knochenaufbau fördernden Therapie zu beginnen und nicht nur den Knochenabbau zu bremsen.
Neun wichtige Laborwerte
Bevor mit der Therapie begonnen werden kann, müssen noch wichtige Zusatzinformationen eingeholt werden, um anderen Krankheiten, die hinter dem Knochenschwund stecken können, auszuschließen. Die Labordiagnostik umfasst das Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit bzw. C-reaktives Protein (CRP) als Hinweis auf entzündliche Ursachen und die Konzentrationsbestimmung von Kalzium und Phosphat im Blut. Darüber hinaus wird mittels Eiweißelektrophorese ein multiples Myelom, welches eine Osteoporose vortäuschen kann, ausgeschlossen sowie durch Bestimmung der alkalischen Phosphatase, abgeklärt, ob wirklich die Knochenmasse reduziert und nicht die Verkalkung des Knochens gestört ist (Osteomalazie). Für die Einordnung der Befunde sind zudem die gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT) und das TSH (Thyroid stimulating hormone) wichtig. Im Hinblick auf die einzusetzenden Medikamente muss zudem die Nierenfunktion (die sogenannte Kreatinin-Clearance) überprüft werden. Darüber hinaus wird bei Männern manchmal ein weiterer Wert bestimmt, das Testosteron. Zusammengenommen können die Befunde der Labordiagnostik bei grenzwertigen T-Werten in der DXA-Messung die Entscheidung erleichtern, ob eine Therapie erforderlich ist.



