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Häufigkeit der Osteoporose

Eigenes Risiko nicht unterschätzen

Die Osteoporose ist eine unterschätze Krankheit. Mehr Frauen erkranken an einer Osteoporose als an Brustkrebs und etwa ebenso viel wie an der koronaren Herzkrankheit. Aber auch Männer sind mit zunehmendem Alter gefährdet.

Der mit der zweiten Lebenshälfte einhergehende Knochenschwund, fachsprachlich als primäre Osteoporose bezeichnet, ist häufiger als die meisten vermuten. Für Deutschland geht man von sieben Millionen Betroffenen aus. Wie aus Umfragen bekannt ist, sieht sich die überwiegende Mehrheit der Älteren aber nicht als gefährdet an - eine Fehleinschätzung. Denn bereits im Alter von 50 Jahren haben etwa fünf von 100 Nordeuropäerinnen eine Osteoporose, mit 85 Jahren sind es circa zehnmal so viele. Frauen sind insbesondere ab der Menopause, d.h. wenn die Östrogenspiegel sinken, betroffen; es wird vermehrt Knochen abgebaut. Dieser Prozess scheint sich insbesondere im Bereich des Hüftgelenks zwischen dem 60sten und 70sten Lebensjahr noch zu beschleunigen. Das Osteoporoserisiko nimmt dann exponentiell zu. Während zwischen 50 und 59 nur sieben von 100 Frauen eine Hüftgelenksosteoporose aufweisen, sind es zwischen 60 bis 69 22 von 100. Knochenschwund ist zudem nicht nur eine Erkrankung von Frauen, wie viele vermuten. Auch Männer sind betroffen. Die Osteoporoserate steigt beim starken Geschlecht ebenfalls altersabhängig an, allerdings auf niedrigerem Niveau. Mit 50 Jahren haben etwa zwei von 100 Männern eine Osteoporose; mit 85 Jahren ist jeder Fünfte betroffen.

Konsequenz Knochenbruch

Noch dramatischer sind die Zahlen für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche (Frakturen). Für Frauen nach der Menopause beträgt das Risiko, bis zu ihrem Lebensende eine Osteoporose-bedingte Fraktur zu erleiden, gut 40 Prozent. Damit ist es ebenso hoch wie das, herzkrank zu werden. Das Brustkrebsrisiko ist mit etwa 12 Prozent dagegen vergleichsweise niedrig. Noch stärker frakturgefährdet sind bereits manifest Osteoporosekranke. Bei jeder zweiten Frau und jedem dritten Mann mit Osteoporose führt die Knochenkrankheit im Laufe ihres Lebens zu einer Fraktur, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.

Am Beispiel der Wirbelkörperfraktur, der häufigsten Form einer Osteoporose-bedingten Fraktur, lässt sich gut darstellen, wie dramatisch eine Osteoporose das Risiko für einen Knochenbruch steigert: Eine knochengesunde Frau mit 70 hat ein Risiko von 17 Prozent, in den folgenden zehn Jahren eine Wirbelkörperfraktur zu erleiden. Hat sie eine Osteoporose, steigt es auf 26 Prozent. Hat sie bereits eine Wirbelkörperfraktur erlitten, beträgt es 56 Prozent. Kommen noch weitere Risikofaktoren wie Rauchen hinzu, steigt es noch weiter an.

Auf die Bevölkerung bezogen gibt es Zahlen für Europa aus dem Jahr 2000: Schätzungsweise 620.000 mindestens 50-jährige Männer und Frauen brachen sich erstmals die Hüfte, 574.000 den Unterarm, 250.000 den Schenkelhals und 620.000 einen Wirbel. Zusammengenommen gingen 2,7 Millionen Frakturen von Männern und Frauen auf das Konto einer Osteoporose. Sie verursachten Kosten in Höhe von 36 Milliarden Euro, denn die Patienten müssen nicht nur akut im Krankenhaus versorgt und anschließend in einer Rehabilitationsmaßnahme aktiviert werden, sondern sind häufig im Anschluss pflegebedürftig. Ein Grund für das Gesundheitssystem, diese im Alter häufige Erkrankung ernster zu nehmen. Wichtiger ist aber, dass Osteoporose-bedingte Knochenbrüche, insbesondere Schenkelhalsfrakturen, das Ende des selbstbestimmten Lebens bedeuten können. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können alltägliche Verrichtungen unmöglich machen, sodass Betroffene auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Schon das Bewegen eines Staubsaugers kann für eine Frau mit mehreren Wirbelkörperfrakturen extrem schmerzhaft sein.

Risiko einer Medikamenten-induzierten Osteoporose

Patienten, die wegen einer entzündlichen Erkrankung über längere Zeit Kortison in einer mittleren bis hohen Dosis nehmen müssen, haben ein erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Deshalb sollte möglich bald die Dosis gesenkt oder, wenn dies nicht möglich ist, zusätzlich eine Knochenschutztherapie gegeben werden.


Quelle: Johnell O. et al. An estimate of the worldwide prevalence and disability associated with osteoporotic fractures. Osteoporosis International 2006; 17: 1726-1733
Kanis J.A. et al.: Requirements of DXA for the management of osteoporosis in Europe. Osteoporosis International 2005; 16: 220-238
Kanis J.A. et al. European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporosis International 2008; 19: 399-428
International Osteoporosis Foundation (IOF): Bericht zum Weltosteoporosetag 2010
Autor: Dr. Wiebke Kathmann
Stand: Dec 17, 2010


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