Junger Mann treibt Sport

Gewichtszunahme als Nichtraucher?

Schlank auch nach dem Rauchstopp

Eine Gewichtszunahme von 1-2 kg sei nach dem Rauchstopp normal, sagen Experten. Doch mancher Raucherin und manchem Raucher ist selbst dies zu viel. Für derart Schlankheitsbewusste ist ein Rauchstopp mit Nikotinersatzpräparaten besonders sinnvoll: Pflaster, Kaugummi oder Lutschtablette machen den Entzug erträglicher und mindern so das Verlangen nach Knabbereien.

"Raucher, die mit Nikotinersatzpräparaten entziehen, haben ihr Gewicht besser im Griff", sagt Prof. Knut-Olaf Haustein vom Fritz-Lickint-Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung in Erfurt. Haustein verordnet seinen Patienten anfangs Pflaster, die die Ex-Raucher 16 Stunden täglich mit Nikotin versorgen. Nach einigen Tagen können die Patienten meistens auf Kaugummis oder Lutschtabletten umsteigen. Über einige Wochen wird die Nikotindosis dann immer weiter reduziert, bis die Patienten schließlich ganz ohne Nikotin auskommen.

Nikotinpflaster kann Essanfälle verhindern

Bei einem Entzug mit Nikotinersatzpräparaten lernen Raucher somit ganz allmählich ohne Nikotin zurechtzukommen. Das bedeutet, sie erleben in den kritischen ersten Tagen längst nicht solch eine ausgeprägte Nervosität wie Raucher, die ohne Nikotinersatz aufhören. Der Trieb irgendetwas zu fingern und zum Mund zu führen ist bei ihnen deshalb meistens nicht so stark ausgeprägt. Auch empfinden Raucher, die mit Nikotinpflaster entziehen, keine ungestillte Sucht, da ihr Blut - wenn auch in stets abnehmender Dosis - weiterhin mit Nikotin versorgt wird. "Sie essen darum häufig nicht so viel wie Raucher, die ohne Ersatzpräparate entziehen. Bei einem Rauchstopp mit Nikotinersatz ist die Gefahr nicht so groß, dass aus dem Rauchtrieb ein Esstrieb wird", sagt Haustein.

Ersatzpräparate erleichtern Diät

Wer während des Entzuges Nikotinersatzpräparate verwendet, kann die Diät auch auf später verschieben. Denn der Stoffwechsel verlangsamt sich erst dann auf das Niveau eines Nichtrauchers, wenn er das Präparat absetzt. Das hat den Vorteil, dass sich der Raucher während der akuten Entzugsphase nicht noch mit dem Zählen von Kalorien quälen muss.

Raucher, die mit Nikotinersatzpräparaten entziehen, fällt es folglich auch leichter, während des Entzugs Diät zu halten. Sollten sie sich wirklich entschließen, täglich rund 300 Kalorien weniger zu verzehren, haben sie gute Chancen, den Rauchstopp ohne Gewichtszunahme zu absolvieren. Dies belegt auch eine Studie der Karolinska Klinik in Stockholm (Schweden) mit fast 300 Teilnehmerinnen, die schon einige Raucherentwöhnungen aus Gewichtsgründen wieder aufgegeben hatten: Die Hälfte der Probandinnen, die ein Nikotinersatzpräparat bekam und zugleich Diät hielt, nahm in den ersten 16 Wochen nach dem Entzug durchschnittlich 2,1 kg ab. Da die Frauen medizinisch intensiv betreut wurden, sind die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf den Alltag übertragbar, geben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift British Medical Journal zu bedenken. Dennoch macht die Studie deutlich, dass Raucher durchaus ohne Gewichtszunahme entziehen können.

Laufsport lenkt von der Sucht ab

Wem eine Diät widerstrebt, der kann es auch mit Sport versuchen: "Er unterstützt die Gewichtskontrolle und lenkt sehr gut vom unstillbaren Wunsch nach der Zigarette ab", sagt Haustein. Der Sucht-Experte empfiehlt besonders Laufsport und ausgedehnte Spaziergänge. "Das hilft zugleich gegen den Raucherhusten, außerdem werden die toxischen Produkte abgeatmet", meint Haustein. Zwar hat Sport offenbar nicht einen solch großen Einfluss auf das Gewicht wie die Kombination aus Nikotinpräparat und Diät, doch eine Studie mit ebenfalls fast 300 Teilnehmerinnen am Miriam Krankenhaus in Providence (Rhode Island/USA) konnte zumindest zeigen: Frauen, die sich dreimal in der Woche ausgiebig bewegten, nahmen nach dem Rauchstopp nur halb so viel zu wie Probandinnen, die ihre Zeit auf bequeme Art verbrachten. Fast noch wichtiger aber war die Beobachtung, dass Sport die Chancen, Nichtraucherin zu bleiben, verdoppelt.


Quelle: BSMO-Gespräch mit Prof. Knut-Olaf Haustein vom Fritz-Lickint-Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung in Erfurt
Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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