Coming Out
Coming-out: Für Eltern oft ein Schock
Das Outen in der Familie ist ein wichtiger, aber ein schwieriger Schritt: Die "Veröffentlichung" ihres bis dahin oft ängstlich gehüteten Geheimnisses ist für homosexuelle Jugendliche und Erwachsene ein ganz besonderes Thema. Viele Eltern reagieren geschockt und begreifen die Homosexualität ihres Kindes nur langsam.
Der Schritt sich mitzuteilen, wird oft lange herausgezögert, weil der schwule Sohn oder die lesbische Tochter ihre Eltern vor Schmerz schützen wollen. Sie wollen als Person wahrgenommen werden, müssen aber nach dem Coming-Out in der Familie oft erleben, dass sie plötzlich auf ihr Schwul- oder Lesbisch-Sein reduziert werden.
Die Situation der Eltern: Es gibt keine perfekte Reaktion
Auch die Eltern erleben nach der Nachricht ein "Coming-Out". Bis dahin nämlich haben sie sich für ihr Kind einen heterosexuellen Lebensentwurf vorgestellt: Eine Tochter, die süße Enkelkinder auf die Welt bringt und einen Sohn, der ein toller Vater sein wird - daraus wird nun nichts. Die Eltern reagieren auf die Homosexualität ihres Kindes häufig mit Unverständnis, Wut und Trauer. Auch die Frage, ob bei der Erziehung etwas falsch gemacht wurde, ist in vielen Familien Thema.
Nur wenige Eltern sind in der glücklichen Situation, sich langsam an den Gedanken gewöhnen zu können, dass ihr Kind nicht in das vorgegebene Muster passt. Die meisten erfahren die Offenbarung ganz unvorbereitet, häufig erfährt es zunächst nur ein Elternteil. Die erste Reaktion darauf ist meistens spontan und manchmal sehr verletzend. Die eigene Enttäuschung richtet sich gegen das Kind. Das Umdenken erfordert auch von den Eltern Mut und vor allem Gesprächsbereitschaft mit Sohn oder Tochter.
Das Coming-Out der Eltern: Die Scham ist groß
Schwul oder lesbisch zu sein, gilt auch in der modernen Gesellschaft immer noch als Stigma: Familie, Schule, Film und Literatur, Politik und Kirche propagieren heterosexuelle Beziehungsmuster. Deshalb ist es für die meisten Eltern sehr schwer, umzudenken. Oft beginnen als erstes die Mütter, sich in die neue Situation einzufühlen. Die Väter haben meist größere Schwierigkeiten sich mit dem Thema Homosexualität auseinander zu setzen. Ein schwuler Sohn oder eine lesbische Tochter bedeutet für manchen Vater eine Kränkung der eigenen Geschlechtsidentität, des Selbstverständnisses als Mann. Entsprechend groß sind die Hemmungen, mit anderen darüber zu reden. Je weniger Erwartungen Eltern an ihre Kinder haben, desto leichter wird es ihnen fallen, ihre Kinder zu akzeptieren, wie sie sind.
Rat und Hilfe: An wen können sich Eltern wenden?
Die meisten Familien kommen nicht von heute auf morgen mit der neuen Situation klar: Enttäuschungen tun weh und der Abschied von Wunschvorstellungen über die Zukunft der Kinder macht traurig. Außerdem ist die Angst vor dem Urteil der anderen groß. Oft ist es deshalb einfacher, sich zunächst einem Unbekannten anzuvertrauen. Hilfe bekommen Eltern bei Sexual- und Lebensberatungstellen, wie zum Beispiel bei der Pro Familia. In größeren Städten gibt es zudem Gesprächsgruppen von Eltern homosexueller Kinder.









