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Kondome

Für jeden Willy der passende Gummi

Der wohl berühmteste Kondom-Nutzer war Giacomo Casanova. Er soll seine Präservative gerne in Gesellschaft aufgeblasen haben, um ihre Qualität zu testen. Heute müssen die Latex-Häutchen ihre Sicherheit bereits beweisen, bevor sie in die Regale der Drogerien gelangen. Spezialkondome sorgen zusätzlich dafür, dass auch bei heftigster Leidenschaft nichts rutscht oder reißt.

Als Volvo unter den Kondomen gilt das RFSU-Verhüterli. Die Firma RFSU AB ist ein Unternehmen des schwedischen Reichsverbandes für Sexualerziehung, einer gemeinnützigen Organisation, die mit Pro Familia in Deutschland vergleichbar ist. Wie bei ihren Autos setzen die Schweden auch in puncto Verhütung auf Sicherheit. Deshalb hat RFSU eigene Prüfnormen entwickelt, die noch strenger sind als die europäischen. Die Gummis, die in drei verschiedenen Größen angeboten werden, müssen ganze dreimal ihre Sicherheit unter Beweis stellen.

Aber nicht nur die RFSU-Kondome bieten hohe Qualität. Seit Mitte 1998 dürfen in Europa nur noch Kondome verkauft werden, die nach der Euro-Norm DIN EN 600 von einem zertifizierten Hersteller produziert wurden. Sie sind am CE-Zeichen erkennbar. Bei den Qualitätsprüfungen haben die Gummi-Überzieher einiges auszuhalten. 18 Liter Luft muss das Präservativ aufnehmen, bevor es platzen darf. Um die Materialstärke zu testen, wird es um 700% gedehnt. Die Reißkraft soll 39, bei "extra starken" Kondomen gar 100 Newton betragen. Löcher im Latex dürfen nur sehr selten vorkommen. Auf noch strengere Kontrollen setzt die Deutsche Latex-Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaft. Kondome, die ihre Tests überstanden haben, tragen das dfl-Siegel.

Dennoch wollte die Zeitschrift Öko-Test (Ausgabe 9/2001) wissen, wie es mit der Sicherheit der in Deutschland angebotenen Kondome wirklich bestellt ist und hat deshalb 13 der zarten Häutchen unter die Lupe genommen. Zwölf von ihnen erhielten immerhin die Bewertung "sehr gut", nur eines schnitt mit "gut" ab. Dass in den Gummis Nitrosamine enthalten sind, ein Stoff, der als krebserregend gilt, wird in diesem Test nicht mehr so negativ bewertet wie in den vorangegangenen. Denn eine Studie hat ergeben, dass die Aufnahme von Nitrosaminen aus Kondomen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs keine Rolle spielt. Außerdem schützen Präservative nachweislich vor der Übertragung des humanen Papillomavirus (HPV), das in neun von zehn Fällen für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist.

Etwa 2% der Bevölkerung leiden an einer Latex-Allergie. Dennoch müssen auch sie nicht auf Schutz beim Liebesspiel verzichten. Seit einiger Zeit werden latexfreie Kondome aus Polyurethan angeboten. Sie haben zusätzlich den Vorteil, dass ihnen fetthaltige Gleitmittel nichts anhaben können. Das Material ist allerdings verbesserungswürdig, was seine Stabilität anbelangt. Die bis zu vier Hundertstel Millimeter dicke Membran dürfte auch nicht gerade lustfördernd wirken.

Femidom: Das Kondom für Frauen

Ebenfalls aus Polyurethan besteht das Femidom, ein spezielles Kondom für Frauen, das sich jedoch nie richtig durchsetzten konnte. Diese Kunststoffhülle hat an jedem Ende einen flexiblen Ring. Einer dieser Ringe wird, ähnlich wie beim Diaphragma, über den Muttermund gezogen, der andere liegt außerhalb des Scheideneingangs.

Lieber eine Nummer kleiner

Unsicherheit herrscht bei vielen Kondom-Nutzern, wenn es um die Wahl der richtigen Größe geht. Hier gilt: Auch wer es sonst eher leger mag, sollte bei der Erektionsbekleidung doch lieber eine Nummer kleiner wählen. Nur die wenigsten Männer dürften wohl die XXL-Variante brauchen. Denn die Deutschen sind europäischer Durchschnitt, zumindest was ihre Penisgröße betrifft. Zu diesem Ergebnis kam eine im Jahr 2000 vorgestellte Studie der Universität Essen und Pro Familia. Dabei soll es sich nach deren Angaben um die "erste umfassende Untersuchung in Europa zu Penis- und Kondomgrößen" handeln. Im Gegensatz zu früheren Untersuchung habe man diesmal bewusst nicht auf die "Selbstvermessung" der Versuchspersonen, sondern auf ärztliche "Fremdvermessung" vertraut. Das Ergebnis: Das beste Stück des Mannes misst in erigiertem Zustand durchschnittlich 14,48 Zentimeter und ist 3,95 Zentimeter breit. Danach wäre jedem fünften Mann das Standardkondom zu luftig. Denn nach der DIN EN 600 müssen alle Präservative mindestens 17 Zentimeter lang und 4,4-5,6 Zentimeter breit sein. Das Angebot an kleineren Größen, wie sie z.B. auch Teenager bräuchten, ist bislang eher dürftig. Übrigens: Für diejenigen, die mit dem Maßband nicht zurecht kommen, gibt es in Apotheken und Drogerien ein Condometer, das das Ermitteln der Größe erleichtert.


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 6, 2008


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