Tag 6
Vermeidungsstrategien
Endlich hat mich der Schlaf wieder. Fast sieben Stunden lag und träumte ich, jetzt lieg ich nur noch und lächle verschmitzt in mein Kopfkissen. Wären die Bauchschmerzen und die Erkältung nicht, würde es mir regelrecht gut gehen. Ja, untätiger als ich ist nur meine Verdauung. Wüsste ich es nicht besser, müsste ich annehmen, sie sei unbekannt verzogen. Scheinbar braucht sie gerade einfach etwas mehr Bewegung, denke ich, und rudere vorsichtig und noch immer im Liegen mit den kleinen Fingern.
Kleinere und größere Stolpersteine umgehen
Gleich nach dem Aufstehen kaue ich meinen ersten Nikotinkaugummi und lüfte beschwingt das nächste Blatt des Nichtraucherkalenders. Es rät mir, vorerst Situationen zu meiden, in denen die Verlockung des Rauchens besonders groß ist. Die Vorstellung, ab sofort darauf verzichten zu müssen zu arbeiten, Gespräche zu führen, das Haus zu verlassen, zu essen, zu faulenzen, zu grübeln oder auch etwas beliebiges anderes zu tun behagt mir nicht. Ich belasse es also beim Sexverbot für meinen Partner, der mir daraufhin ans Herz legt, für einen Moment aus seinem Blickfeld zu verschwinden.
Ein erster Moment des Triumphes
Ich gehe dorthin, wo selbst der passionierteste Raucher an sich halten muss: ins Reich der Berliner Verkehrsbetriebe, die den Hauptstädter von A nach B bringt, solange er eine Fahrkarte sein Eigen nennt. Ich verbringe den Nachmittag und Abend in der Ringbahn, die mich unermüdlich durch Berlin trägt, und verspüre tatsächlich überhaupt keine Lust, zu rauchen. Dann plötzlich leichter Freudentaumel. An einer der Stationen steigt eine Frau zu, die von Kopf bis Fuß nach kaltem Rauch riecht. Im ersten Moment möchte ich ihren Mantel ablecken, im nächsten erfasst mich auch schon Ekel. Meine erste Abneigung beim Kontakt mit meiner ehemaligen Liebe. Ich bin fast schon ergriffen und fühle zum ersten Mal einen echten Anflug von Zuversicht.






