Tag 3
Schlaflos und niederträchtig
Ein weiterer Tag ist bewältigt. Nachts habe ich kein Auge zugetan und sechsmal versucht, meinen Freund durch „versehendliche“ Kniestöße wachzuhalten. Ich bin schon immer ein Schlafneider gewesen, heute ist es ganz besonders schlimm. Es wird erst besser, als ich gegen 5 Uhr morgens beschließe, wach zu bleiben und prompt einschlafe. Dennoch bringe ich es nur auf knappe vier Stunden und bin vermutlich schon deshalb noch ein ganzes Stück weinerlicher und gereizter als gestern.
Den gewohnten Alltag auffrischen
Meine Katze sitzt neben mir und starrt mich an, während sich die Katze meiner Katze, die ich ihr vor zwei Jahren zu Weihnachten geschenkt habe, Nikotinreste aus ihrem Fell leckt. Ich sitze schnaufend auf dem Sofa im Wohnzimmer und tue so, als würde ich für einen Artikel recherchieren. Eigentlich ziehe ich jedoch nur Haare und Fusseln zwischen den Tasten meines Laptops hervor, finde den Kopf eines Gummibärchens zwischen dem P und dem Ü und mache Geräusche, die Mitleid erregen sollen.
Am Mittag kommt meine Schwester vorbei. Sie hat kein Interesse daran, mich zu bemitleiden, sondern rät mir stattdessen, aus meinem gewohnten Alltag auszubrechen und etwas anzustellen, das mich selbst überrascht. Ich finde die Idee gut und setze sie unvermittelt vor die Tür. Danach gähnende Langweile und die Idee, eine zu rauchen. Erst auf dem Weg zum Aschenbecher fällt mir auf, was an diesem Vorhaben nicht stimmt. Ich habe tatsächlich zum ersten Mal schlichtweg vergessen, dass ich jetzt Nichtraucher bin, und fühle mich ein bisschen wahnsinnig.
Für Ablenkungsmanöver sorgen
Mein Freund startet das nächste Ablenkungsmanöver und setzt mir eine Art Kaffee und einen Karton mit Fotos zum Sortieren vor. Weil ich die Fotos vom letzten Urlaub nicht finden kann, packt mich die Wut. Binnen einiger Sekunden habe ich es geschafft, den Kaffee umzustoßen, die Fotos im gesamten Wohnzimmer zu verteilen und ein Fotoalbum zu zerbeißen. Das Beißen hält mich vom Schreien ab, verhindert jedoch nicht, dass ich mit Schwung gegen die Wand trete und mir dabei einen Zehennagel abknicke.
Ich habe noch neun Zehennägel übrig und möchte, dass es so bleibt. Ich brauche dieses "rauchfrei"-Starterpaket, und zwar sofort. Keine fünf Minuten später bin ich im Internet auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gelandet. Weil es eilt, gehe ich nicht den Weg über die Online-Bestellung, sondern greife zum Telefon. Eine freundliche Stimme singt mir in kölscher Weise ein Liedchen von einer dreitätigen Lieferzeit. Ich verspreche der netten Stimme alles und noch mehr, wenn sie es schafft, mir das Päckchen morgen zustellen zu lassen. Meinem Freund werde ich erst später erklären, wieso wir ab sofort keinen Beamer mehr besitzen und unser potenzielles Erstgeborenes Ursel Applonia Nopurg heißen wird.






