Ich hör' dann mal auf - ein Tagebuch
Ich sitze gerade erst seit einer knappen Stunde im Flieger zurück nach Berlin und fühle mich bereits wie umgestülpt. Meine Hände sind feucht, das Herz rumpelt etwas zu schnell und meine Zunge trägt Pelz. Ich habe gute Gründe, langsam nervös zu werden, dennoch bleibe ich gefasst, greife in meine Handtasche und hole eine Folienverpackung hervor.
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Es ist soweit. Heute werde ich die letzte Zigarette anzünden und vor allem rauchen. Ursprünglich lautete der Plan, den großen Abschied direkt nach der Morgenzigarette anzugehen. Nachdem ich jedoch zu unmenschlich früher Stunde eben jene Zigarette im Aschenbecher ausgedrückt habe, finde ich, dass sich ein gewaltiger Schritt am Abend oder besser noch unmittelbar vor dem Schlafengehen besser absolvieren lässt.
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So also fühlt man sich also, wenn man sich nicht gut fühlt. Ich bin noch keine Stunde auf den Beinen und habe bereits sechsmal probiert, mich heimlich zum Rauchen auf den Balkon zu stehlen. Die Augen meines Freundes sind jedoch überall. Er lässt mich nicht auf den Balkon und auch nicht zum Ausführen des Hundes, den wir nicht besitzen, vors Haus. Er ist ernüchtert, weil ich schon nach einer Nacht bereit bin, mein Vorhaben über Bord zu werfen.
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Ein weiterer Tag ist bewältigt. Nachts habe ich kein Auge zugetan und sechsmal versucht, meinen Freund durch „versehendliche“ Kniestöße wachzuhalten. Ich bin schon immer ein Schlafneider gewesen, heute ist es ganz besonders schlimm. Es wird erst besser, als ich gegen 5 Uhr morgens beschließe, wach zu bleiben und prompt einschlafe. Dennoch bringe ich es nur auf knappe vier Stunden und bin vermutlich schon deshalb noch ein ganzes Stück weinerlicher und gereizter als gestern.
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Wohl zwanzig Minuten halte ich den Fahrradkurier umarmt und vergieße Tränen der Freude. Zum 80sten Mal sagt der Kurier etwas von 81 weiteren Paketen, die er zustellen muss, weil er vier Kinder und zwei Frauen zu ernähren hat. Ich schnäuze in sein glitzerndes Radleroutfit und drücke ihn nur etwas fester an mich. Scheinbar ist er nicht so gut drauf, denn er sagt etwas, das wie "Scheiße wieder so eine übergeschnappte Prenzlauer-Berg-Kuh" klingt. Davon lasse ich mich heute nicht beeindrucken, denn neben mir steht und wartet mein „rauchfrei“-Paket der BZgA.
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Ich bin heiser, fiebrig, so verstopft, wie man nur sein kann, und habe wieder nur vier Stunden Schlaf abbekommen. Das Leben macht mich mürbe, dennoch bin ich keinen Deut weniger aggressiv. Ein unbändiger Druck baut sich gleich nach dem Aufstehen in mir auf und will nach draußen gelangen. Weil das Schreien nicht mehr gelingt, verlege ich mich auf die lautstarke Fortbewegung in der Wohnung. Es ist gerade Mittag geworden, als mich mein Freund bittet, endlich wieder zu rauchen, da er einen wichtigen Bericht schreiben muss. Doch ich denke nicht daran. Die vergangenen Tage dürfen nicht umsonst gewesen sein.
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Endlich hat mich der Schlaf wieder. Fast sieben Stunden lag und träumte ich, jetzt lieg ich nur noch und lächle verschmitzt in mein Kopfkissen. Wären die Bauchschmerzen und die Erkältung nicht, würde es mir regelrecht gut gehen. Ja, untätiger als ich ist nur meine Verdauung. Wüsste ich es nicht besser, müsste ich annehmen, sie sei unbekannt verzogen. Scheinbar braucht sie gerade einfach etwas mehr Bewegung, denke ich, und rudere vorsichtig und noch immer im Liegen mit den kleinen Fingern.
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Wieder konnte ich gut schlafen, noch immer streikt meine Verdauung, erneut freue ich mich regelrecht darauf, das nächste Blatt des Nichtraucherkalenders zu lüften. Nach einem Hechtsprung aus dem Bett erblicke ich, was mich nicht verwundert. Ich lese, dass sich meine Geschmacksknospen allmählich erholen und ich mittlerweile besser schmecken und riechen kann.
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Wieder konnte ich gut schlafen, noch immer streikt meine Verdauung, erneut freue ich mich regelrecht darauf, das nächste Blatt des Nichtraucherkalenders zu lüften. Nach einem Hechtsprung aus dem Bett erblicke ich, was mich nicht verwundert. Ich lese, dass sich meine Geschmacksknospen allmählich erholen und ich mittlerweile besser schmecken und riechen kann.
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Jetzt, wo ich ein völlig anderer und verjüngter Mensch bin und mich so langsam an den neuen Lebensabschnitt gewöhne, muss ich neue Beschäftigungen finden, mit denen sich meine Tage strukturieren lassen. Bisher habe ich mich mit Zigaretten vom Arbeiten abgelenkt, nun spiele ich in einer besonders tollkühnen Minute mit dem Gedanken, endlich wieder etwas zu tun.
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