Reflux & Asthma
Reflux kann Asthma-Anfälle hervorrufen
"Der Zusammenhang zwischen Reflux und Asthma ist klar bewiesen", sagt Prof. Hartmut Lode von der Berliner Lungenklinik Heckeshorn. Etwa 20-30% aller Asthmapatienten würden zugleich unter zurückfließender Magensäure (Reflux) leiden, schätzt der Lungen-Experte. Es gibt aber auch Untersuchungen, die sogar von einem Anteil bis zu 80% ausgehen.
Wissenschaftler forschen noch nach den genauen Zusammenhängen zwischen Asthma und Reflux. Eine Erklärung liegt wahrscheinlich darin, dass der zurückfließende Magensaft den Vagusnerv (10. Hirnnerv) reizt. Über Verschaltungen im Gehirn ruft dies eine Verengung der Bronchien hervor. Dies löst bei den Patienten Asthma aus - eine Atemwegserkrankung, die ja gerade durch eine plötzliche Verengung der Bronchien gekennzeichnet ist.
Magensäure in den Atemwegen: Die Bronchien stellen sich eng
Es gibt aber noch eine andere Erklärung für den Zusammenhang zwischen Reflux und Asthma: Beim Verschlucken kleinster Mengen sauren Magensaftes könnten diese in die Atemwege gelangen. Ein Schutzmechanismus in den Bronchien bewirkt, dass sie sich daraufhin zusammenziehen. Dies bestätigt auch eine Untersuchung am Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum in Wuppertal: In der Studie bekamen die Probanden Theophyllin. Mit diesem Medikament behandeln Ärzte unter anderem Asthma-Kranke, denn es sorgt für eine Weitstellung der Bronchien - lässt zugleich aber den Schließmuskel der Speiseröhre erschlaffen. Bei den Testpersonen nahm die Atemnot deutlich zu, da der erschlaffte Schließmuskel den Reflux verstärkte. Dadurch wurde die weitende Wirkung des Theophyllins an den Atemwegen anscheinend aufgehoben.
Asthma kann umgekehrt auch Reflux hervorrufen
Es ist aber auch ein umgekehrter Zusammenhang zwischen den beiden Krankheiten möglich: Das heißt, Asthma könnte auch Reflux hervorrufen. In einer französischen Untersuchung erhielten Testpersonen ein Medikament, das ein Zusammenziehen der Bronchien hervorruft. Hatten die Testpersonen Asthma, führte das Medikament auch zu einem verstärkten Rückfluss von Magensaft. Gesunde Testpersonen zeigten keinen oder nur einen geringen Rückfluss von Magensaft, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. Auf welchem Weg Asthma zu verstärktem Reflux führen kann, ist jedoch unbekannt.
Reflux-Medikamente nur bei sicherer Diagnose
Nächtliche Asthma-Anfälle können ein Hinweis auf einen Reflux sein. Denn durch die liegende Position kann es zu verstärktem Rückfluss von Magensaft kommen. Viele Betroffene beobachten auch, dass sich ihre Asthma-Beschwerden immer dann verstärken, wenn sie unter Sodbrennen leiden.
Auch wenn sich keine anderen auslösenden Komponenten für Asthma finden - etwa Pollen -, kann ein Reflux dahinter stehen. Auffällig ist auch, wenn Asthma erst im Erwachsenenalter auftritt oder der Patient unter Fettleibigkeit leidet. Bevor ein Arzt jedoch Asthma mit Reflux-Medikamenten wie Protonenpumpenhemmer behandelt, sollte er absolut sicher sein, dass der Patient auch wirklich unter Reflux leide, sagt Lode.





