Singles & Flirten
Die Angst vor dem leeren Terminkalender
Wenn Annette (28) ihre Freundin Nicole (29) anruft, kann sie lediglich eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Persönlich gesprochen hat Annette die Freundin schon seit Wochen nicht. Denn: Nicole ist immer unterwegs! Montags geht sie zum Sport, dienstags ist sie bei ihren Eltern zum Abendessen, mittwochs hat sie Spieleabend, donnerstags trifft sie sich mit einer Kollegin zum Stadtbummel und das Wochenende ist sowieso ausgebucht: Frühstücken gehen, Kino, Disko, Kneipenabend, Party - über mangelnde Abwechslung kann Nicole sich nicht beklagen, eher über zu wenig Zeit für sich selbst.
Immer unterwegs
Nicole ist jeden Tag auf Achse. Kein Tag vergeht, an dem sie nicht etwas vorhat. Dabei ist es ihr eigentlich egal, mit wem sie eine Verabredung trifft - Hauptsache, sie muss nicht allein zu Hause sitzen.
Wenn ein Wochenende nicht bereits eine Woche vorher verplant ist, gerät Nicole fast in Panik: Am 22. April hat sie noch nichts vor! Dabei ist doch heute schon der 18. Dann heißt es, her mit dem Adressbuch und diverse Leute anrufen. Das erledigt Nicole meist zwischen zwei Terminen. Oder wenn sie sich nach der Arbeit doch mal eine kleine Verschnaufpause gönnt.
"Tut mir leid, ich bin nur unterwegs", entschuldigt sie sich, wenn sie Annette zum dritten Mal vertröstet, weil sie keinen Termin für ein Treffen gefunden haben. Denn die Freundin hat keine Lust, sich bereits am 20. April für den 15. Mai zu verabreden, nur weil sie mit Nicole eine Tasse Kaffee trinken möchte.
Alleinsein will gelernt sein
Annette, selbst seit einem Jahr Single, ist dagegen auch mal gern allein zu Hause. "Ich finde es sehr angenehm und entspannend, mal abends gar nichts vorzuhaben. Eine Tasse Kakao, ein gutes Buch oder ein nettes Fernsehprogramm - mehr brauche ich dann gar nicht, um mich wohl zu fühlen", meint sie.
Viele Singles neigen dazu, sich einen Termin nach dem anderen aufzuhalsen: Sie glauben, etwas Entscheidendes zu verpassen, wenn sie auch nur einen Tag in der Woche oder am Wochenende nicht unterwegs sind. Annette über Nicole: "Ich glaube Nicole hat einfach Angst, dass in irgendeiner Kneipe oder Disko ihr Traummann auftauchen könnte, während sie gerade zu Hause in der Badewanne sitzt!"
Wer sich selbst so unter Druck setzt wie Nicole, kann seine Freizeit bald nicht mehr genießen und gerät zunehmend in Freizeitstress. Zugegeben: Es gibt Singles, die sehr gesellig sind und den Trubel lieben. Das ist im Grunde nicht weiter schlimm - solange die Betriebsamkeit nicht ausufert und es kein Probleme ist, auch mal einen Tag allein zu verbringen. Alleinsein will nämlich auch gelernt sein.
Einen Abend für sich selbst reservieren
Wer jeden Tag seine Frau oder seinen Mann im Beruf stehen muss, ist abends oft müde und abgespannt. Singles sollten sich deshalb einen Tag in der Woche reservieren, an dem sie abends zu Hause bleiben und früh ins Bett gehen. Schließlich ist der
Ob nun ein Bad, ein Fernsehabend oder ein längeres Telefonat mit der besten Freundin: Den freien Abend sollten Singles nutzen, um wieder neue Kräfte für den Alltag zu sammeln.
Der Irrglaube, etwas zu verpassen
Viele Singles fürchten, etwas zu verpassen, wenn sie nicht jeden Tag auf Tour sind und setzen sich bei der Partnersuche ständig unter Druck. Dabei ist es gerade wichtig, sich in Gelassenheit zu üben. Kein Single verpasst etwas, wenn er mal einen Abend zu Hause verbringt und sich den längst fälligen Lohnsteuerjahresausgleich zur Brust nimmt. Wer gelernt hat, sich auch allein zu beschäftigen und nicht fortwährend Gesellschaft braucht, ist meistens auch offener für eine Beziehung und gestattet sich und seinem künftigen Partner später mehr Freiräume.









