Liebe im Internet
Warum der virtuelle Flirt gefährlich sein kann
Fantasievoll, blumig, charmant. Chatten macht Spaß, alle duzen sich, sind nett, ungezwungen, arglos. Manche sind sogar so arglos, dass sie ohne lange zu überlegen Telefonnummern oder gar Adressen austauschen, um sich im wahren Leben zu begegnen. Doch Achtung: Manchmal steckt hinter einem "Schmusebär" jemand, der alles andere als Schmusen im Sinn hat.
Es gibt leidenschaftliche Chatterinnen und Chatter, die es nicht wahrhaben wollen, abwinken, an Panikmache und Medien-Inszenierungen glauben. Inzwischen ist jedoch erwiesen, dass nicht alle Menschen, die sich in Chatrooms aufhalten, eine blütenreine Weste haben: In Deutschland trug sich kürzlich der erste Mord zu, bei dem sich Opfer und Täter im Chatroom kennen gelernt hatten. Der Nickname des Mörders war "Schmusebär".
Die Absichten der Chatter sind nicht immer klar
Da bei der Plauderei am Bildschirm die Gesprächspartner gesichtslos sind, ist ein gesundes Misstrauen angemessen. Jemand, der sich "Latinlover" als Nickname zulegt, hat vermutlich eindeutige Absichten, ebenso wie "Hosenlatz", "Affäre gesucht" oder "Mann im Schrank". Schwieriger wird es bei Personen, die sich "Himbeere", "Herr Rossi", "Denkerstirn" oder "Caprisonne" nennen. Gerade, wer im Internet auf Partnersuche ist, sollte das wissen.
Ein Blick in einen Chatroom erlaubt einen tiefen Einblick in die Befindlichkeiten, Wünsche und Fantasien der Bevölkerung. Während Personen wie "Latinlover" diese unverhohlen bekunden, gibt es andere, die im Netz den Anschein wahren, lieb, verständnisvoll, zärtlich zu sein. Steht eine Kontaktaufnahme im realen Leben bevor, wischen vor allem Frauen Bedenken achtlos beiseite und geben Ihre persönlichen Daten weiter.
Bei Männern ist nur jede fünfte Selbstaussage im Chat wahr
Dass im Internet mehr gelogen wird als im wahren Leben, belegt eine Studie zum Thema "Internetsucht - neue Suchtformen und Gefahren", die sich auf die Befragung von 1.200 Chattern stützt. 80 Prozent der Angaben von Männern waren falsch, ebenso 35 Prozent der Informationen, die von Frauen stammen. Die Schwindeleien reichen von falschen Fotos bis hin zur komplett erfundenen Biografie. Solange der Flirt rein virtuell bleibt, mag es witzig sein, eine falsche Identität vorzuspielen. Bei einem Kontakt, der in die Realität wechseln soll, sind Täuschungen jedoch problematisch.









