Liebe im Beruf
Flirt unter Kollegen: Auch für das Unternehmen von Vorteil
Der Konkurrenzdruck in der Arbeitswelt wird immer härter: Deshalb forderten Unternehmen noch nie so viel persönliches und zeitliches Engagement von ihren Mitarbeitern. "Alle wollen Mitarbeiter, die Spaß am Job haben", berichtet der Personaltrainer Hans-Uwe L. Köhler. Klar, dass dazu auch Flirten gehört. Zudem sei der Flirt unter Kollegen auch noch "gut für's Geschäft".
Wo Menschen zusammen arbeiten, kommen irgendwann Pärchen heraus. Überall. Im Bundestag, in den Medien, auf dem Sportplatz und in den Vorstandsetagen der Autokonzerne. Tendenz solcher Kollege-Partner-Beziehungen steigend: Gerade für Berufseinsteiger im "hormonstrotzenden" Alter ist eine 50- bis 60-Stundenwoche fast normal. Wo sonst sollten also junge Menschen ihren Partner kennen lernen, wenn die Freizeit immer knapper wird?
Personalchefs sind die positiven Nebenwirkungen solcher Lovestorys nicht entgangen: Verliebte Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit am Arbeitsplatz, sie wollen zeigen, wie tüchtig sie sind. Bei einem möglichen Partner im Job tappt man nicht lange im Dunkeln: Man weiß bereits im Vorfeld viel über ihn. Ob er Single ist oder nur so tut. Ob sie ein Morgenmuffel ist, ob er Tischmanieren hat. Ob sie ein Pedant ist, er ein Schlamper oder wirklich der Traummann. All das weiß man praktischerweise schon vor der ersten Nacht. Bei gemeinsamen Arbeiten lernt man, sich aufeinander einzustellen, zuzuhören und ist oft schon lange ein eingespieltes Team, bevor es schließlich auch privat "ernst" wird.
Büroliebe als ein Stück Unternehmenskultur
Vorsicht: Besondere Aufmerksamkeit schenken die Tratschbasen im Team immer "vertikalen" Beziehungen. Soziologen verstehen darunter Verbindungen, in denen die Partner unterschiedlichen Gehaltsgruppen angehören. Nicht selten werden Beziehungen dadurch empfindlich gestört oder zerbrechen sogar.
Ingesamt setzen die Unternehmen heute auf ein liberales, weltoffenes und zeitgemäßes Klima, auf eine lockere Haltung, auch was die Liebe am Arbeitsplatz angeht. Im Wettbewerb um Marktanteile und engagierte Mitarbeiter kann man sich keinen antiquierten Puritanismus mehr leisten. Die besten Mitarbeiter gehen völlig im Job auf. Da wird die Arbeit zur eigenen Welt und man kommt sich eben näher; das gilt heutzutage beinahe als ein Stück Unternehmenskultur. Denn vor der Bezahlung rangiert bei jungen, gut ausgebildeten Leuten bereits das Betriebsklima, Büroliebe inbegriffen.









